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Full text of "Die crustaceen der b©hmischen kreideformation"

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DIE 



CRUSTACEEN 



DER 



BÖHMISCHEN KREIDEFORMATION, 



VON 



DR. ANT. FRITSCH, 



ORD. PROFESSOR DER ZOOLOGIE AN DER BÖHMISCHEN UNIVERSITÄT ZU PRAG 



UND 



JOS. KAFKA, 

ASSISTENT AM "MUSEUM ZU l'RAG. 



VERÖFFENTLICHT MIT SUBVENTION DES COMITES FÜR LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. 



MIT 10 TAFELN IN FARBENDRUCK UND 71 TEXTFIGUREN. 



PRAG 1887. 

SELBSTVERLAG. — IN COMMISSION VON FR. RIVNÄC. 



DRUCK VON DR. KD. GREGR IN PRAG 1887. 



VORWORT. 



Seit einer laugen Reihe von Jahren bereitete ich nach und nacli das Material zu dieser Arbeit 
vor und fand nur mit Mühe die zur Veröffentlichung nothige Zeit. 

Die Arbeiten der Landesdurchforschung brachten in mehr als zwanzig Jahren ein prachtvolles 
Material zusammen, welches nun Gelegenheit bietet, ein vollstcändigeres Bild des Crustaceen-Lebens zu 
liefern, als man sich dasselbe nach dem Reussischeu Werke „Die Versteinerungen der böhm. Kreide- 
formation" hatte zusammenstellen können. 

Die bereits bekannten Arten liegen nun in viel vollkommeneren und zahlreicheren Exemplaren 
vor, so dass vielfach zur Zusammenstellung von restam-irten Bildern der ganzen Geschöpfe geschritten 
werden konnte. Viele neue Gattungen und Arten wurden aufgefunden, so dass die Zahl der aus 
unserer Kreideformation bekannten Arten von 26 auf 72 gestiegen ist. 

Da ich kaum so bald die nöthige Zeit gefunden hätte, um auch die Cirripeden und Ostracoden 
selbst bearbeiten zu können, so ersuchte ich meinen Assistenten Herrn Ph. Cand. Josef Kafka, sich 
dieser Arbeit zu unterziehen und behielt mir nur die Gattung Loricula vor. 

Um besonders den einheimischen Freunden der Palaeontologie ein vollständiges Bild der Crusta- 
ceen der böhm. Kreideformation zu bieten, habe ich auch von den schon anderwärts abgebildeten Arten 
Copien in den Text gegeben oder Hess dieselben nach Exemplaren von neuen Fundorten von neuem abbilden. 

Die Originalzeichnungen der im Text enthaltenen Figuren der Cirripeden und Ostracoden ver- 
fertigte Herr Kaflva mittelst der Camera lucida von Zeiss und seine sorgfaltig durchgeführten Zeichnungen 
wurden dann vom Lithographen Herrn L. Langhans auf Kornpapier übertragen. 

Auf den Tafeln habe ich bloss die vergrösserten Figuren selbst vollständig gezeichnet, bei den 
in natürlicher Grösse dargestellten nur die Contur sichergestellt und die Schattirung dem Lithographen 
überlassen. 

An den restaurirten Figuren arbeitete ich zum Tlieil selbst, zum Theil mein Schüler Ph. Cand. 
Herr Janda, während die Ausführung auf Kornpapier Herr F. Langhans besorgte, worauf dieselben bei 
der Firma Angerer et Goeschel in Wien photographisch, meist verkleinert, auf Zink übertragen wurden. 



Die Originale, die in vorliegendem Werke abgebildet sind, wurden von mir und meinem ver- 
storbenen Petrefacteusammler Josef Stäska gesammelt und befinden sich in der Sammlung des Museums 
in Prag. Mehrere kostbare Stücke befinden sich im geologischen Institut der deutschen Universität zu 
Prag und ich bin Herrn Prof. Dr. Gust. Laube für die freundliche Erlaubniss, dieselben benützen zu 
können, zu Dank veri^flichtet. 

Ausserdem habe ich für einzelne dem Museum geschenkte Unica zu danken Herrn Erxleben, 
Apotheker in Landskron, Herrn Josef Prazäk in Chorousek, Herrn Kliment Cermäk in Caslau, Dr. Stecker 
in Prag, Herrn Josef Simacek in Befkovic, sowie meinem Bruder Wenzel, Naturalienhändler in Prag. 

Ebenso bin ich dem Comite für Landesdurchforschung zu Dank verpflichtet für die Gewährung 
einer Subvention, wodurch ein Theil der Kosten für die Herstellung der Tafeln gedeckt wurde. 

PRAG, im Mai 1887. 



Dr. Ant. Fritsch. 



Classe Crnstacea. 

Entomostraca. 

Ordnimg Cirripedia;) 

Unter -Ordnung: Thoracica, Darwin. 

Familie Lepadidae. 

Gattung Loricula, Soioerby.**^ 

Der Mantel mit der einen Seite fast seiner ganzen Fläche nach angewachsen, die andere (bald die rechte, 
bald die linke) Seite bepanzert. Am Capituhim sind wahrnehmbar: die Carina, das Tergum, zwei Scuta nebst zwei 
Lateralia der einen Seite. Der Stiel mit .5 Reihen von Schildern bedeckt, nach hinten zu in eine Spitze verengt. 

Die ursprüngliche Diagnose führte das Capituhim als aus 10 Platten bestehend, und den Stiel mit 10 Schilder- 
reihen gedeckt an. Dies basirte blos auf Vermuthimgen, die sich nicht bestätigten. Keines der bisher vorgefundenen 
Exemplare zeigt die Bescliildung beider Seiten. 

Namentlich zeigen auch die zahlreichen in Böhmen vorgefundenen Exemplare weder am Capituhim noch 
am Stiel deutliche Beschildung der zweiten Seite. Nur an einem Exemplar ist das Scutum der anderen Seite 
walunehmbar. 

Bevor ich in die Beschreibung der vorliegenden Exemplare eingehe, will ich die Artenfrage erwägen. 

Unsere sämmtlichen Exemplare lassen sich ohne Zwang der Sowerby'schen Art Loricula pulchella einreihen 
und die Unterschiede der Individuen auf Alter, mangelhafte Erhaltung oder Verkümmerung reduciren. 

Mit Ausnahme der nach Millimetern zu messenden Brut zerfallen unsere Exemplare in 2 Kategorien: in 
die var. minor, von etwa 20mm Länge aus den Turonen Weissenberger Schichten und in die var. gigas von 
36 mm Länge aus den Senonen Teplitzer Schichten. Diese Grössenunterschiede sind wohl nicht hinreichender Grund 
zur Bildung von Arten. Auf die mehr oder weniger markirten Anwachsstreifen grosses Gewicht zu legen ist bedenklich, 
da dieses Kennzeichen bei Pollicipes und Scalpellum auch bei sicheren Alien sehr varirt. Auch glaube ich, dass 
man dem zufälligen Abgang einer Eandreihe am Stiel oder einer Unterschlagung des Stielendes nicht die Bedeutung 
zuschreiben darf, um sie zu Artcharakteren zu verwenden.***) 

Loricula i)ulcliella, Smo. 

Taf. 1. 
Ct. B. Sowerby jim. Annais of Nat. History vol. XII. 1843 p. 26. — Ch. Darwin A. Monogi-aph on the fossil Lepadidae Palaeontogva- 
phical Society 1851. — Loricula gigas. Fritsch Weissenberger und Mallnitzer Schichten p. 147. — Kafka: Piispevek ku pozn. Cirr. p. 21. 

Die mir vorliegenden Exemplare stimmen in ihrem Habitus mit der von Darwin ausführlich beschriebenen 
Art aus der unteren weissen Kreide von Cuxton bei Rochester, ergänzen aber das Bild des Thieres. 



*) Die Cirripedien wurden in nachstehendem mit Ausnahme der Gattung Loricula, die ich mir Torbehielt, von meinem Assi- 
stenten Herrn J. Kafka bearbeitet. Ein vorläufiger Bericht darüber erschien in den Sitzungsberichten der königl. böhm. Gesell- 
schaft der Wissenschaften zu Prag 1885. 
**) Siehe Zittel Handbuch der Palaeontologie p. 536. 

***) Aus diesen Gründen halte ich auch die in neuerer Zeit nach sehr mangelhaft erhaltenen Exemplaren aufgestellten Arten als 
sehr fi'aglich. 

1 



o Familie Lepadidae. 

Der Grösse nach bilden sie eine Reihe von Individuen von 2, 15, 20 bis 36 mm, was ich als verschiedenes 
Alter einer und derselben Art betrachte. 

Bevor ich in die specielle Beschreibung der einzelnen Funde eingehe, will ich eine allgemeine kurze Dar- 
stellung eines completeu Exemplars versuchen, wie sich dieselbe nach dem vorhandenen Material in einer scheraa- 
tischen Figur Taf. 1.2 c zusammenstellen Hess. 

Das ganze Exemplar Taf. 1. Fig. 2 c. hat die Gestalt eines an beiden Enden zugespitzten Ovals. 

Das Capitnlum besteht aus folgenden 6 Stücken: 

1. Carina (c) so lang als das Cariuolaterale, am Rücken gekielt. 

2. Tergum (t). An unversehrten jungen Exemplaren mit seiner vorderen Spitze weit hervorragend, im 
späteren Alter abgestumpft. 

3_4. Scutum (sct). Das der linken Seite nach aussen bauchig, so lang als das obere Laterale. Das der 
rechten Seite (scf) auch entwickelt. 

5. Carinolaterale (l). Dreieckig, zwischen die Carina und das Tergum eingeschoben. 

6. Oberes Laterale (l'). Ebenfalls dreieckig, zwischen das Tergum und Scutum eingeschoben. 

Der Stiel ist auf der nicht angewachsenen Seite mit .5 Schildreihen bedeckt: 

1. Carinale Randreihe (sc). Schmal, viereckig. 

2. Carinale Stielreihe (d). 4— 5mal so breit als lang, nach aussen gerade, nach innen zugespitzt. 

3. Mittlere Stielreihe (ml). Die breiteste Reihe, die einzelnen Schilder nach beiden Seiten verengt. 

4. Scutale Stielreihe (sl) so breit wie die carinale Reihe. 

5. Scutale Randreihe (ss). Viereckig so schmal wie die carinale Randreihe. 

Diese Schildreihen sind im vorderen Drittel des Stieles am breitesten und nehmen von da an sowohl nach 
vorne als nach hinten an Breite ab. Das vorderste Schild der Mittelreihe ist um ein Drittel schmäler als das 
breiteste; das hinterste Schild derselben Reihe hat kaum '/,o der Breite des genannten grössten Schildes. 

Jugeudstadien. 

Taf. 1. Fig. 5. 

Auf einem Steinkern von Ammonites Woolgari aus dem leichten Pläner der Weissenberger Schichten, der 
für das Dzban-Plateau bezeichnend ist, fand sich eine Gruppe von ganz jungen Exemplaren verschiedenen Alters 
als Negativabdruck vor. Ich Hess einen galvanischen Abdruck in das Negativ machen und zeichnete nach demselben 
7 der besterhaltenen Exemplare in 12facher Vergrösserung. 

An den kleinsten lassen sich drei Stadien unterscheiden, welche die Zunahme der Schilder an den Stiel- 
reihen erkennen lassen und die ich schematisch ergänzt an Fig. 6—7. neben einander gestellt habe. An allen 
besteht das Capitulum aus 4 Schildern, dem Tergum, dem Scutum und den beiden Lateralien. 

Das kleinste (Fig. 6.) ist 1-66 mm lang, zeigt 5 Schilder in den 3 mittleren Stielreihen und keine Randreihen. 

Das grössere (Fig. 7.) ist 1-93 mm lang, zeigt 6 Schilder in der mittleren Stielreihe, je 5 in den seitlichen, 
aber noch keine Randreihe. 

Das folgende Stadium (Fig. 8.) ist 2 mm lang, weist schon 7 Schilder in jeder der Hauptreihen und bereits 
je 3 Schilder in den Randreihen auf. 

Das viel ältere, wahrscheinlich einer fi'ühereu Brutablagerung angehörige Exemplar (Fig. 5. a) misst 5-83 mm 
und wird bereits mehr als 8 Schilder sowohl in den mittleren als auch in den Randreihen gezählt haben. 

(Die carinale Randreihe ist auffallend breit und wird erst später hinter den mittleren im Wachsthum zu- 
rückgeblieben sein.) 

Die ganze Gruppe erinnert sehr auffallend an diejenigen von Archaeolepas Redtenbacheri Opp. (Zittel Handb. 
der Pal. pag. 535. Fig. 719.), die mau leicht als Loriculabrut auffassen könnte. 

Var. minor. 

Taf. 1. Figur 2., 3., 4. 

Es sind 6 Exemplare bekannt geworden, die eine Länge von 15—20 mm aufweisen und sämmtlich aus 
dem Wehlowitzer Fischpläner der Weissenberger Schichten stammen. 



Familie Lepadidne. Q 

1. Das vollständigste aller bekaunten Exemplare ist auf einem jungen Am. peramplus vom Weissen Berge 
bei Prag aufgewachsen und stammt aus der Sammlung des Prälaten Zeidler. (Tafl. Fig. 2.) Die dreimal vergrösserte 
mit der Camera lucida gezeichnete Figur ist nur dadurch ergänzt, dass die letzten 9 Stielschildreihen (26.), die sich 
an dem Exemplar in etwas verschobener Lage befinden, an das Exemplar, zu dem sie ursprünglich gehörten, zuge- 
zeichnet wurden. 

Die Contourzeichnung Fig. 2c. ist nach diesem Exemplare entworfen und diente als Grundlage zu der oben 
gegebenen kurzen Beschreibung der Art. Die Fig. 2'. giebt eine Ansicht vom carinalen Rande aus, um die Höhe 
der Wölbung zu zeigen. An diesem Exemplar lässt sich auch die Zahl der Schilder in den Stielreihen genau angeben : 

Carinale Randreihe 20 

Carinale Stielreihe 20 

Mittlere Stielreihe 20 

Scutale Stielreihe 18 

Scutale Randreihe 19 

Die Zuwachsstreifen der einzelnen Schilder gewahrt man blos an arrodirten Stellen und zeichnen sich die- 
selben durch regelmässigen Abstand aus. An den Randreihen sind sie der Quere nach gerade verlaufend, an den 
breiten Stielreihen folgen sie etwas der Biegung des Vorderrandes. (Taf. 1. Fig. 2d.) Sie zeigen nicht die wellige 
Biegung und die Dichtigkeit, wie wir dieselbe bei der grossen Varietät finden werden. 

Diesem kostbaren Exemplare gleichen fast vollkommen die übrigen, nur sind sie kleiner und mangelhafter 
erhalten und zwar: 

2. Ein 15 mm kleines Exemplar, das Herr Klement Cennäk auf einem Ammonites Woolgari am Weissen 
Berge bei Prag aufiand und unserem Museum schenkte (Taf. 1. Fig. 3.). Demselben fehlt die Carina und der gjösste 
Theil der Randreihen. 

3. u. 4. Ein 12 mm langes Exemplar auf einem Am. Woolgari aus dem Pläner von Peruc bei Schlan, 
Geschenk des Herrn Dechant Danes, welcher ein ganz gleiches Exemplar noch in seiner Sammlung hat. Dasselbe 
hat das Capitulum ohne Carina und im Stiel etwa 15 Schuppenreihen entwickelt. Am Scutum liegt das vorderste 
Stück der scutalen Randreihe in etwas nach vorne zugespitzter Form, so dass es irrthümlich als Rostrum angesehen 
w'erden könnte. Da es aber auf der Seitenfläche des Scutum liegt und nicht nuirginal, so darf es nicht als Rostrum 
aufgefasst werden. 

5. Ein zertrümmertes Exemplar fand meine Frau in einem Steinbruche bei Lana im Wehlowitzer Pläner. 

6. Ein fragmentäres Exemplar (Taf. 1. Fig. 4.) fand ich auf einem grossen Am. peramplus in dem Wehlo- 
witzer Pläner bei Stfedokluk in dem Steinbruche gegenüber der Post. Dasselbe ist der Lage nach zusammenge- 
schoben und hat den hinteren Theil des Stieles entweder unterschlagen oder fehlend. Am Capitulum fehlt das 
Scutum, am Stiele die Scutalreihe und die scut. Randreihe. 

In seiner Gesammterscheinung erinnert dieses Exemplar an Loriculina Noetlingi (Sitzungsber. der Gesell, 
nat. Freunde zu Berlin Nro. 8. 1885), welche Dames vom Libanon beschreibt. 

Die genaue wiederholte Vergleichung des Exemplares selbst überzeugte mich, dass wir es nur mit einem 
verstümmelten Exemplare unserer Loricula pulchella zu thun haben und mit keiner selbständigen Art, wie es viel- 
leicht nach der Taf. 1. Fig. 4. gegebenen Al)bildung scheinen könnte. (Die Anwachsstreifen sind an dem vergrössert 
gezeichneten Capitulum Fig 4b. etwas zu kräftig ausgefallen.) 

Var. gigas. 

Tafel 1. Figur 1. 

Von dieser prachtvollen und wirklich riesigen Loricula wurden nur zwei neben einander liegende Exemplare 
in der Wohnkammer eines xkmmonites peramplus aus den Teplitzer Schichten am linken Egerufer bei Koschitz gefunden. 

Ich arbeitete daselbst am 28. Juni 1865 mit meinem Petrefactensammler J. Staska, als derselbe plötzlich einen 
Freudenruf ausstiess und sagte : Herr, ich habe einen Trilobiten gefunden ! 

Die beiden Exemplare zeigen die Beschalung der rechten Seite des Capitulum ohne Carina. An dem unteren 
Exemplare sind die Randreihen des Stieles nur theilweise erhalten, die drei Hauptstielreihen vollkommen. *) 



*) Später wm-dpii durch Präparation noch Randschilder aufgedeckt, die an der Abbildung nicht zu sehen sind. 

1* 



Familie Lepadidae. 



Die Länge betrilat 




35 mm, die grösste Breite (mit Zurechuimg der fehleuden Randreihe) 25 mm. 

Die Cariualreihe des Stiels enthält 21 

die Mittelreihe „ „ „ 20 

die Scutalreihe „ „ „ 19 Schilder. 

Die Anwachsstreifen (Taf. 1. Fig. 1 h—^f.) zeigen wellige Biegung und 
sind zahlreicher als bei der kleineren Form. Man sieht daran, dass die Schil- 
der am hinteren Rande an Grösse zunahmen. 

Die Form der einzelnen Stielschilder ist abweichend von denen der 
L. V. minor. 

Das carinale Randschild (aus der 4te Reihe des Stieles) fle) ist am 
vorderen Ende zugespitzt, was dadurch erklärlich ist, dass das junge Schild 
bis zum 6ten Anwachsstreifen rasch an Breite, besonders nach aussen zunahm. 

Die Carinalschilder (Ic) sind muschelförmig gestaltet und nahmen beim 
Wachsthum nach innen an Breite zu; die scutalen {id) ebenfalls nach innen. 

Die mittlere Stielreihe nahm gleichniässig nach rechts und links zu. 
Alle Schilder der drei Hauptreihen zeigen die Seitenränder abgerundet, den 
Hinterrand ausgesehweift. 

(Wem diese Abweichungen von der L. pulchella zur Arttrennung ge- 
nügen, der möge die Koschtitzer Form Loricula gigas nennen.) 

Die Farbe der sämmtlichen Schilder ist ein gieichmässiges lichtes Gelb- 
braun und alle zeigen einen dauerhaften Glanz. Die Schilder mussten sehr 
fest an die Mantelhaut befestigt sein, denn überall hängen sie reihenweise zu- 
sammen und an keinem Exemplare fand sich ein dislocirtes Schild das die 
Unterseite zeigen würde. 



Figur I. Scalpellum. Schematische Darstel- 
lung des Capitulum. 
/. Cariaa (a Tectum, h Parietes, c Intra- 
parietes.) — ü. Tergum (aa Carinalrand , 
bb Scliliessrand, cc Scutalraiid.) III. Scuium 
(aa Tergalr., bb Schliessr., cc Basair. dd La- 
teralr.) IV. Eostrum. V. Obere Lateralklappe 
{aa Carinalr., bb Scutalr., cc Basalk.) VI- 
bis yilL Unlere Lateralklappen. VL Cari- 
nola.teralklappe (aa Carinalr., bb Scutalr., 
cc Basair.) VII. Eostrolateralklappe. VIII. 
Mittlere Lateralklappe (Infra mediolaterale). 
/X. Subcarina. X. Subrostrum. 



Gattung Scalpellum, Leach.*) 





a) 
h) 



Carinae und Scuta von Scalpellum (.^1. B. i. 2.) 
und Pollicipes (C. D. i. 2.) 
1 Scutum von oben, 2 von unten, m Muskelabdruck, 
t Tergalrand, l Lateralrand des Scutum. 



Capitulum mit 12 — 15 Klappen in Anordnung, welche dem bei- 
stehenden Schema (Fig. 1) entspricht, Subrostrum meist fehlend. Die unteren 
Lateralieu mit convergirenden Anwachsstreifen. Stiel beschuppt, sehr selten nackt. 
Von Pollicipes unterscheidet sich diese Gattung: 
durch geringere Zahl der Capitulumklappen, 
durch die schwache Entwickelung oder den Mangel der Rostra, 
durch die charakteristische Form der Carinae und Scuta (Fig. 2.), 
welche palaeontologisch den grössten Werth besitzt. 
Die Carina von Scalpellum (Fig. 2. A.) ist meist schmal, ziemlich ge- 
krümmt und ihre Rückenfläche (Tectum) von den schroff abfallen- 
den Seiten (Parietes) durch deutliche Kanten oder Kiele geschieden. 
Die Seitenflächen sind gewöhnlich noch durch eine Längskante in 
zwei Partien getheilt (Parietes und Intraparietes) und verlängern 
sich manchmal flügelartig über die Spitze hinaus. Die Anwachs- 
streifen verlaufen über die Seitenfläche schiel" zu der Spitze. 

Die Scuta sind viereckig, weil der Tergal- und Lateralrand 
in einem Winkel zusammenstossen. 

Der Muskelabdruck ist halbkreisförmig und inmitten des 
Scutum situirt. 

Von den übrigen Klappen sind die Terga wenig von Pollicipes 
verschieden, meist drei-, seltener viereckig. Die obere Lateralklappe 
stets vorhanden, von ansehnlicher Grösse und charakteristischer 
Form. In der Form und Grösse steht ihr die carinolaterale Klappe 
meist sehr nahe. 




*) Siehe Zittel Ilandb. d. Pal. p. 5.38. 



Familie Lepadidae. 




Figur 3. Scaipellum quadratutn, Darw. 
a — (■ Cat-ina von Kamajk l'^mal ver- 
grössert, a von oben, h von d. Seite, 
c Querschnitt, d Scutum von Lan 4mal 
vergrössert. 




Scalpelliiiu quadratum, Darw. (Fig. 3.) 

Dai-win: A monograph on the foss. Lep. p. 22. T. I. F. S. — Kafka: Pnspevek ku pozn. cirri- 
pedü ces. ütv. kiid. p. 9. T. I. F. 1. a, b, c, d. 

Carina ist durch ein flaches Tectum und fast senkreclit abfallende Parietes 
charakterisii't. In der unteren Hillfte des Tectum verläuft in Mitten eine seichte 
Rinne, welche in der oberen Hälfte in einen schwaches Kiel übergeht. Übrigens 
stimmt dieselbe gänzlich mit der Figur Darwin's überein, ebenso das regelmässig 
gebildete, wohl erhaltene Scutum. (Fig. 3.) 

Der Basalrand desselben bildet mit dem Lateral- und Schliessrand einen fast 
rechten Winkel. Der Lateralrand ist in der unteren Hälfte seicht eingebogen. 

Fundorte: Von dieser Art, welche von Darwin aus dem Eocän aufgeführt 
wird, kommen in unserer Kreide deutliche Carinae (Figur 3. a — c) in den Korytzaner 
Schichten (Cenoman), bei Kamajk vor; das Scutum (Figur 3. d) stammt aus den 
Priesener (Senonj-Schichten von Lau na Dulku bei Pardubitz. 

Scaipellum quadricai'iuatiim, Reuss. (Fig. 4.) 

Reuss: Verst. d. bölim. Kreidefnr. p. lO.i. T. 42. F. 18. (Poll. quadric.) — Eeuss: Über fossile 

Lepadiden p. 24. T. 2. F. 14. — Darwin: A mon. on the foss. Lep. p. 38. — Kafka: Piisp. ku 

pozn. cirrip. ces. ütv. kiid. p. 10. T. I. F. 2. a, b. 

Der vorigen Art sehr verwandt. Tectum ist jedoch gewölbter, verbreitet 
sich mehr von der Spitze nach der Basis und ist von den Parietes, sowie diese 
von den Intraparietes durch deutliche Kiele geschieden. Die Anwachsstreifen treten 
sehr scharf auf. 

Die Art wurde zuerst von Reuss aus Weisskirchlitz beschrieben. 

Fundorte: In den Korytzaner (Cenoman) - Schichten bei Kamajk nicht 
selten, jedoch meist schlecht erhalten, nach Reuss in denselben Schichten bei 
Weisskirchlitz. 

Scaipellum Kamajkense, Kf. (Fig. 5.) 

Kafka: Pfisp. ku pozn. cirrip. ces. ütv. kfid. p. 11. T. I. F. 3. a, b. 

Die Art wird durch ein Carinolaterale repräsentirt, welche einem solchen 
von Sc. fossuia Darw. oder Sc. gracile Bosq., (welche wahrscheinlich auch nur 
Sc. fossuia ist), am nächsten steht. Die bogenförmige Carinalkante verbreitet sich 
in eine schmale, schief abfallende Seitenfläche, die concave Scutalkante besitzt 
einen, fast rechtwinkelig umgebogenen Seitenrand, der unmittelbar unter der nach 
links umgebogenen Spitze (Umbo) in einen rechtwinkeligen Grad endigt. Dieser Sei- 
tenrand ist da jedoch verhältnissmässig schmäler als bei den verwandten Arten 
und besitzt nur sehr feine, kaum wahrnehmbare Anwachsstreifen. 

Die Oberfläche der Klappe ist durch eine erhabene Rippe in zwei Theile 
geschieden und längs der Scutalkante verläuft eine kleine Wulst. Die Anwachs- 
streifen treten deutlich auf, sind mit der wellenförmigen Basalkante parallel und 
verlaufen über die schmale Cariualseitenfläche schief zur Spitze. 

Fundort: In den Korytzaner (Cenoman-)Schichten von Kamajk. 

Scaipellum fossuia, Darw. (Fig. n.) 

Darwin: A monograph on the foss. Lep. ]i. 24. T. I. F. 4. — Katlva: Piisp. ku pozn. cirrip. ces. 

ütv. kiid. p. 12. T. I. F. 4. a, b. ah 

Figur 6. Scaipellum fossuia, Darw. 
Von Kamajk liegen mir einige, meist schlecht erhaltene und zerbrochene Scutum von Kamajk 2mal vergr. 

Scuta vor. Nur ein einziges, gut erhaltenes Exemplar gewährt die Gelegenheit zur a von unten, h von oben. 



ach 

Figur 4. Scaipellum quadricarinatum, 



Carina von Kamajk 2mal vergrössert. 
o von oben, h von der Seite, c Quer- 
schnitt. 




Figur 5. Scaipellum Kamajkense, Kf. 

Carinolaterale aus Kamajk 6mal 
vergr. a von oben, b von der Seite. 




6 



Familie Lepadidae. 



Sicherstellung dieser Species. Der gerade Basalraud bildet uiit dem Lateral- und Sehliessraude einen fast rechten 
Winkel. Der Schliessrand ist massig gebogen. Von der Spitze zu dem Baso-Lateralwinkel, welcher etwas abgestutzt 
ist verläuft eine ziemlich breite, seichte Furche, in welcher sich die Anwachsstreifen umbiegen. Die Anwachsstreifen 
und die mit ihnen parallelen, feineren Linien bilden die Sculptur der Oberflilche. Die Muskelgrube nimmt die untere 
Hälfte der Schale ein; von ihr verläuft zur Spitze eine flache, allmälig sich verengende Furche. 

Fundorte: Diese aus dem Senon Englands und Deutschlands bekannte Art kommt bei uns in den 
Koiytzaner (Cenoman-) Schichten in Kamajk, obwohl nicht häufig vor. 




Ä Sc. 
yergr. 
B Tel 



Figur 7. Scalpellum maximum, Soiv. $2). 
max. var. bohemica. Carina von Holic, 2raal 
a Yon oben, b von der Seite, c Quersclinitt. 
■gum? a die Unter- h die Oberseite. C Carino- 
laterale von Kamajk, 6raal vergrössert. 





Fig. 8. Scalpellum angustum, 

Dix. sp. von Kamujk. Carina 

Gmal vergrössert. 

a von der Seite, h von oben, 

c Querschnitt, d in natür. Grösse. 



Figur 9. Scalpellum 

tuberculatum, Bano. 

Tergum von Kamajk 

6mal vergrössert. 



Scalpelliim maximum, Sow. sp. (Fig. 7.) 

Darwin: A raonograph on the foss. Lep. p. 28. T. II. F. 1., 4., 5. n. 8. — 
Kafka: Piisp. kn pozn. cirrip. ces. ntv. kiid. p. 12. T. I. F. 5. A, B, C!, B. 

Diese Art, welche ans dem Senon Englands, Belgiens und 
Deutschlands bekannt ist, varirt sehr in der Form der Cariuae und 
Terga. — Aus Holic liegt uns eine Carina (Fig. 7. A) vor, welche 
der Varietät Sc. max. var. sulcatura (Poll. sulcatus Sow.) 
am nächsten steht; ihr Tectum ist jedoch schmäler sowie die rinnen- 
förmigen Parietes, wogegen die Intraparietes namhaft breiter und 
in zwei Partien getheilt sind. Diese Carina wird als einer besonderen 
Varietät Sc. max. var. bohemica angehörend bezeichnet. 

Das vermuthliche Tergum (Fig. 7. B) stammt von Kamajk ; 
es steht am nächsten der Darwin'schen Varietät S. max. Var. \. (T. ü.. 
F. 5) ; bietet jedoch nicht volle Sicherheit zur Bestimmimg der Art. 

Dagegen repräsentirt die carinolaterale Klappe, (Fig. 7. C) 
von Kamajk die Ai't in unserem Materiale am besten. Diese Klappe 
stammt aus der rechten Seite des Capitulum, ist 1 '/s mm dick und mit 
den Figuren Darwin's gänzlich übereinstimmend. Darwin kannte nur 
Carinae, Scuta, Terga und Carinal-Latera. Aus der Rügener Kreide 
wurden noch Rostrum, Rosti-al-Latera und Stielschuppen beschrie- 
ben. (Die Cirrip. und Ostr. der weissen Schreibkreide d. Insel 
Rügen von Dr. Th. Marssou). 

F u n d r t e : In den Korytzaner (Cenoman-) Schichten von 
Kamajk und aus den Priesener (Senon-) Schichten bei Holic. 



Scalpellum angustum, Dix. sp. (Fig. 8.) 

I>ar\vin; A raoiiogr. on the foss. Lep. p. 37. T. I. F. 2. — Kafka: Piisp. ku 
pozn. ces. ütv. kiid. p. i:i. T. II. F. 1. 

Die Carina (Fig. 8. a — d) ist sehr klein und schmal, das 
Tectum besitzt immitten eine scharfe Rückenkante und die Parietes 
fallen von ihm unter einem stumpfen Winkel ali. Die Sculptui- 
besteht aus äusserst feinen Längsstreifen und ans feinen, mit deut- 
licheren Anwachsstreifen parallelen Linien. 

Fundorte: Die einzige Carina stammt aus den Koiytza- 
ner (Cenoman-) Schichten von Kamajk. 



SealpeUum tuberculatum, Dane. (Fig-. 9.) 

Darwin: A monogr. on the foss. Lep. p. 4:!. T. I. F. 10. — Kafka: Pfisp. ku 
pozn. cirrip. ces. ütv. kiid. p. 14. T. I. F. 7. 

Die Terga von Kamajk sind zwar meist zerbrochen, aber sind sowie in der Form als auch in der Sculptur 
genug charakteristisch um ihre Zugehörigkeit zu der Art Sc. tuberculatum Darw. sicherstellen zu können. Die 



Familie Lepadidae. 7 

Form ist ein uuregelmässiges Viereck, die Strulitur bestellt aus radialen erhöhten Rippen, welche in den Anwachs- 
streifen mit wulstförmigen Erhöhungen bedeckt sind. 

Fundort: Die Art ist bekannt aus dem Senon Englands, und wird bei uns durch einige Terga aus den 
Korytzaner (Cenoman-) Schichten bei Kamajk repräsentirt. 



Scalpellum crassHiu, Kf. (Fig. 10.) 

Kafka: l'iisii. kii jiozu. cirrip. ces. i'itv. krid. p. 14. T. I. F. 6. 



In Kamajk kommen ("»fters Terga von verschiedener Grösse vor, welche sich durch iln-e Massivität und 
charakteristische Form auszeichnen. Das ausgeliildete Exemplar ist 18-5 mm lang, 6 mm breit und dabei 1-5 mm dick 
und bildet ein fast gleichschenkeliges Dreieck. Der Cariualrand ist in- 
mitten ausgeschweift, der Schliessrand massig gebogen. Von Umbo ver- 
läuft zu dem Winkel des Carinal- und Scutalrandes eine Rückenlinie, 
welche eine seichte Rinne bildet. Eine ähnliche Rinne verläuft längs des 
Schliessrandes und endet etwa im ersten Drittel des Scutalrandes von 
dem Winkel der beiden Ränder anfangend. Die Sculptur l)esteht aus 
deutlichen Anwachsstreifen. 

F u n d o r t : Kamajk (Korytzaner-Schiehten. Cenoman). 



Scali)elliim nitens, Kf. (Fig. 11.) 

Kaflja; Piisp. ku pnzn. cin'ip. ces. ütv. kfid. p. 14. T. I. F. s. a, b. 

In Kamajk kommen zaiilreiche Klappen vor. welche sehr auf 
Rostra, welche Bosquet als Sc. gracile und pygmaeum abgebildet 
hat; es sind sclmabelai-tige, stark gewölbte, 3 — 4 mm hohe und an der 
Basis eben so breite Klappen. Der stärker ausgewölbte Rücken ist durch 
schwach angedeutete, radiale Streifen von den schief abfallenden Seiten- 
flächen geschieden. Die Anwachsstreifen sind selir fein und ihre Zwischen- 
räume mit parallelen, noch feineren Linien erfüllt. 

Fundort: Kamajk (Korytzaner Schichten. Cenoman). 



Gattung PoUicipes.* 



Capitulum aus mindestens 18, zuweilen bis 100 Platten nach 
beistehendem Schema zusammengesetzt. Stiel beschuppt. Unter den Klappen 
sind vertreten : Carina, Terga, Scuta, Rostrum, Subrostrum, mehrere Late- 
ralia, meist in zwei Reihen angeordnet. Die systematisch wichtigsten 
Schalen sind Carina und Scutum. 

Carina meist weniger gekrümmt als bei Scalpellum, verbreitet 
sich ziemlich beträchtlich von der Spitze nach der Basis und ihre Seiten- 
flächen sind nicht deutlich entwickelt und von einer besonderen Rücken- 
fläche nicht durch Kiele oder in anderer Weise geschieden. Die Anwachs- 
streifen sind weniger schief und verlaufen nicht schräg zu der Spitze. 
Scuta meist ziemlich massiv, convex, subtrigonal (da der Tergal- und 
Lateralrand in eine Kante verschmelzen), glatt oder gerippt. Der Muskel- 
abdruck meist rundlich und Ijefindet sich in der oberen Hälfte der Klappe. 
Die Rostra sind kleiner, jedoch verhältnissmässig breiter als die Carina. 
Terga fast eben, rhomboidisch und zeigen eine vom Apex zur Basalecke 
verlaufende diagonale Linie oder einen erhabenen Kiel. 





Figur (0. Seal 
pellum crassum, 

Kf. Tei'giim von 

Kamajk ämal 

Tergrössert. 



Figur II. Scalpellum ni- 
tens, Kf. 
Rostrum von Kamajk 
amal vergr. a von oben, 
h von unten. 




*) Siehe Zittel Handb. d. I'al. p. hm. 



Figur 12. Capitulum (schema) der Gattung 
PoUicipes. 
c Carina, t Tergum, s Scutum, r Rostrum, sc Sub- 
rostrum, 8vl obere Laterale, d Carinolaterale, 
rl Rostrolaterale, l l untere Lateralien, s Stiel- 
schuppen, sc Subcarina. 



Familie Lrpadidae. 



Pollicipes g'laber, Eoem.. (Fig. 13.) 

Pol. glaber. Reiiss: Verst. d. böhm. Kreidrf. I. p. 17. T. V. F. 45—49. T. XIII. F. 8ß— 91. II. p. 10.5. T. 42. F. 17. — Pol. glaber. 
Reuss : Über foss. Lep. p. 28. T. III. F. 7—9. — Pol. glaber. Reus^: Geinitz „Elbthalgebirge" II. p. 203. T. 37. F. 21—27. — Pol. glaber. 
Darwin: A monogr. on the foss. Lep. p. 61. T. 3. F. 10. — Pol. glaber. Fric: AVeisseuberger und Malnitzer Schichten p. 147. — Pol. 
glaber. Roemer: Norddeutsche Kreidegebirge p. 104. T. XVI. F. 11. — Pol. gracilis. Roemer; Bei Geinitz p. Gö. T. XVII. F. 16—18.— 
Pol. radiatus Sow. Reuss: Verst. d. böbni. Kreidef. T. I. p. 17. T. V. F. 42. (Scutum). — Mitella glabra. Roemer: Bosquet Crustaces 
fossiles du terr. cretace de Limbourg p. 27. 11. F. 4 — 12. — Kafka: Pnsp. ku pozn. cin-ip. ces. ütv. kfi'd. p. 16. T. IL F. 2. 

Es ist die liäufigste und am besten repräsentirte Art unserer Kreiileformation. Die häufigsten Platten sind 
Carinae Terga und Seuta, es liommen jedocli aucli die Rostrolateralien und Rostra ziemlich oft vor. Am seltensten 
sind die oberen Lateralien und das Infra-mediolaterale. 

Die C a r i n a , welche sicli von der Spitze zu der Basis stark vei-breitet, hat eine, meist stumpfe Rückenkante 
und etwas umgebogene Seitenränder. Die Oberliäche sieht ganz glatt aus ; bei stärkerer Vergrösserung kommen jedoch 
feine Anwachsstreifen und mit ihnen parallele Linien zum Vorschein, welche sich auf der Rückenkante in einem 
scharfen Winkel umbiegen. (Fig. 13. e) 

Diese Sculptur verschwindet jedoch meist mit dem Alter, so dass die Oberfläche ganz glatt oder auch rauh wird. 

Das T e r g u m hat eine ihoml)oidaIe Form, welche sich in Folge verschiedener Länge der einzelnen Ränder stark 

verändert und es kommen nicht selten Formen vor (Fig. 13. T.), welche an die Tergalplatten von Po 11. unguis 

Sow. errinern. Mit der Sculptur der Oberfläche vei'hält es sich ähnlich wie bei der Carina und den übrigen Platten. 

Das Scutum (Fig. 13. S) meist düim, sul)- 
trigonal mit einer ziemlich scharfen, etwas gebo- 
genen Diagonalkante, welche die Spitze mit dem 
Basolateralwinkel verbindet. 

Das Rostrum (Fig. 13. ;■), welches auch 
schon von Bosquet abgeliildet wurde, ist kürzer, 
aber verhältnissmässig breiter als die Carina und 
seine Seitenränder sind noch schwächer umgebogen. 
Von den oberen Lateralien beschrieb 
Reuss eine gleiclischeukelige, ein Dreieck bildende 
Platte (Fig. 13. sl). Bosquet zählt hieher auch die, 
bei uns ziemlich häufigen, ein rechtwinkeliges 
Dreieck bildenden Platten (Fig. 13. d). Ich glaube 
die ersteren ihrer Form nach als obere Inframedio- 
lateralien, die letzteren als obere Carinolateralien 
ansehen zu müssen. Von den unteren Lateralien 
liegen auch zwei Formen vor, von denen die ersteren 
(Fig. 13. rl) längst bekannt sind und als Rostro- 
lateralien angesclien werden, wofür auch die Ver- 
gleichung mit einem Capitulum von Poll. cornu- 
copiae spricht. Diese haben eine schiefrhomboidale 
Form; die Basalkanten bilden einen stumpfen Winkel, 
der mit der Spitze mittelst einer Diagonalkante 
verbunden ist, so dass die Phxtte in zwei Theile 
geschieden wird, von denen der grössere fast 




Figur 13. Pollicipes glaber, Rom. von Kaniajk. 

c Carina, t Tergum, s Scutum, r Rostrum, sl obere Laterale (nach Reuss), 

d Carinolaterale, rl Rostrolaterale, l untere Laterale. AUe 4raal vergr. 

T Tergum [von Kamajk von derselben Art, welches dem von Pol. 

unt/uis Sow. ähnlich ist. 



eben oder wenig gebogen ist und der kleinere schief abfällt. 

Die zweite Form, welche nur in einem Exemplare vorhanden, ist dreieckig, da die beiden Basalkanten 
fast ununterbrochen ineinanderfiiessen und nur die Stelle des Winkels durch eine Auslmchtung gekenntzeichnet wird, 
welche mit der Spitze durch eine erhabene Kante verbunden ist. Ich glaul)e diese Form als untere Intramedio- 

laterale deuten zu müssen. . 

Poll. radiatus Sow., den Reuss nach einem Scutum von Hundorf l)esclirieb, ist ganz bestimmt hier 

anzureihen. ., t^ c i \ 

Fundorte- Die häufigsten sind Carinae und Scuta. Carina kommt häufig in Kamajk (Korytzaner bell.), 

seltener in Semitz (Weisseuberger Seh..), Koschtitz, Schillingen bei Bilin (Teplitzer Seh.), Luschitz (Priesener Seil.) 



Familie Lepmliilae. C) 

und Chlomek (Chlomeker Seh.) vor. Sciitum gleichfalls in Kamajk häufig, kommt ziemlich oft auch in Weisskirch- 
litz (Korytz. Seh.), Koschtitz, Hundoif (Teiilitzer Seh.) und in Luschitz und Kystra (Priesener Seh.) vor. Tergum, 
welches in Kamajk in zahlreichen Ül)ergangsformen sc^hr liäutig ist, findet man seltener in Hundorf, und in den 
Priesener Sehieliteu hei Uuter-Pautzen, L;in na Dulku und Lhota Üfetickä). Die ührigen Platten treten meistens nur 
selten auf; so die Rostrolateralien in den Priesener Seh. (Senon) bei Leitomyschl ; bei Kamajk sind dieselben häufiger. 

PoUicipes Broiiiiii, Roemer. (Fig. 14.) 
Keuss: Verst. il. böbm. Krpidpf. p. ir,. T. V. !<'. 4(i. 41. T. XU. F. 1. — Bronn. Lethaea. T. XXXIII. F. 16. p. 7-20. — Roemer: Verst. 
norddeutschen Kreidegebirges p. 103. T. XVI. F. 8. — Darwin: A raonogr. on the foss. Lep. p. 77. T. IV. F. 10. — Kafka: Pfisp. ku 

pnzn. cirrip. ces. ütv. kfid. p. 18. T. II. F. .3. a, b, c. 

Die Art ist durch sehr charakteristischo Carinen bekannt. Dieselben sind verhältnissmässig schmäler als 
bei Pol. gl ab er, und durch eine stumpfe, von der übrigen Tectumtiäche durch zwei feine radiale Streifen geschie- 
dene Kante und durch mit blossem Auge wahrnehmbare dichte Anwaehsstreifen gekenntzeichnet. 

Fundorte: In den Korytzaner Seh. (Cenoman) bei Kamajk, in den Schillingen b. Bilin und Kostenblatt 
und in den Teplitzer Seh. (Senon) bei Koschtitz selten. 

PoUicipcs costatus, Kf. (Fig. 15.) 

Kafka: Piisp. ku pozn. cirrip. ces. ütv. kiid. \i. 18. T. III. F. 1. 

Diese Art ist durch vier Platten repräsentirt, welche, die Carina ausgenommen, in Kamajk ziemlich häufig 
vorkommen. Die Carina, nur in einem unvollständigen Exemplare vorhanden, ist schmal, dünnschalig und durch 
scharfe radiale Rippen gekenntzeichnet, über welche sehr feine, nur unter dem Mikroskope wahrnehmbare Anwachs- 
streifen verlaufen. 

Die ül)rigen Platten stehen in der Form deusellien von Poll. glaber sehr nahe, tragen jedoch alle sehr scharfe 
radiale Rippen. Die häufigen Rostrolateralien kommen meist in Bruchstücken oder auf den Ecken abgerundet vor. 

Fundort: Kamajk (Korytzaner Seh. Cenoman). 




Figur 14 Pollicipes Bronnli, 

Moemer. 

Carina von Kamajk 4mal 

Tergr. a von oben, h von 

der Seite, c Querschnitt. 






Figur 15. Pollicipes costatus, l\f. von Kamajk. 

A Eine unvollständige Carina, a Tergum von 

oben und von unten, 6 Scutum, c c Rostrola- 

terale von oben und von unten. 

Alle sind 2mal vergrössert. 




Figur 16. Pollicipes striatus, 

Darw. 
Carina von Kamajk 

'i'/jmal vergi-össert. 



Pollicipes striatus, Danv. (Fig. IG.) 

Darwin: A monogr. on the foss. Lep. p. 70. T. IV. F. 5. 

Von dieser Art besitzen wir nur ein, jedoch schönes und charakteristisches Bruchstück der Carina. Dieselbe 
erinnert auf die Carina von Poll. costatus, von welcher sie sich theils durch ihre Massivität, theils durch die 
verhältnissmässig grössere Breite und die scharfe Rückenkante deutlich unterscheidet. Die Struktur besteht aus feinen 
und dichten Anwaehsstreifen und aus scharfen radiären Streifen, welche meistens nur auf den Seiten des Tectum 
recht deutlieh und nicht rippenartig wie bei Poll. costatus auftreten. 

Fundort: Kamajk. 

2 



10 



Fainilie Lepadidae. 



Pollicii)es tallax, Darw. (Fig. 17.) 

Darwin: A monogr. on the foss. Lep. p. 75. T. IV. F. 8. — Reuss: Über foss. Lep. p. 26. T. III. F. 1— ß. — Bosquet: Notice sur 
quelques cirripedes recement decouverts dans le terr. cret du duche de Limljourg. 1857. p. 17. T. IL F. 1—1-2. T. III. F. 1. 2. — 

Kafka: Pfisp. ku pozu. cirrip. ces. ütv. kfid. p. 19. T. III. F. 2. 3. 

Diese Art gehört zu den häufigsten der oberen Kreide Englands und Deutschlands und auch bei uns vertritt 
sie die Gattung in den oberen Schichten der Kreideformation am besten; sie findet sich jedoch auch in den cenomanen 
Korytzaner Seh. bei Kaiuajk, falls man die dort gefundenen Platten als wirklich liieher angehörend ansehen soll. 











Fig. 17. Poliicipes fallax, Bano. 
t Zwei verschiedene Tergalplatten von Lliota Ui-eticka. ;i u. smal vcrgr. s Scutum aus demselben Fundort. Cmal 
vergr. c. Carina von daselbst 3mal vergr. r >■' Rostrum, sl oberes Laterale von Kamajk 4mal vergr., l ein mittleres 
Laterale von Kamajk 4mal vergr., V Carinolaterale (?) von Kamajk Omal vergr., 1, 2, 3 die untersten Lateralien 

von Lbota Ui'etickä 6mal vergr. 

Am häufigsten kommen die Terga und Scuta vor. Terga sind in ihrer Form sehr verscliieden ; keines stimmt 
mit den Darwinischen Figuren gänzlich überein, obwohl ihre Zugehörigkeit zu dieser Art ausser Zweifel ist, da sie 
mit den typischen Scuten zahlreich beisammen vorkommen. (Fig. 17. t.) 

Der Schliessrand ist verhältnissmässig kürzer, der wulstförmige Abschnitt längs desselben schmäler und die 
Basalspitze regelmässig schärfer. Die Struktur besteht sowie bei den Scutalplatten aus scharfen, ziemlich erhabenen 
Anwachsstreifen, inzwischen welchen man nur hie und da sehr feine parallele Streifen wahrnehmen kann. 

Scuta entsprechen dagegen sehr gut den Darwinschen Figuren und sind durch ihre dreiseitige Form, den 
starken, gebogenen Kiel, der vom Basolateralwiukel zu der Spitze verläuft und durch die scharfen Anwachsstreifen 
charakterisirt. (Fig. 17. s.) 

Carinae sind meist ziemlich klein, sehr wenig gekrümmt, öfters etwas seitlich gebogen, haben einen gerun- 
deten Rücken und der Basalraud ist mehr oder weniger ausgeschnitten. Die Anwachsstreifen sind sehr fein und nur 
einige bilden schärfere Ringskanten. Selten sind auch sehr feine radiale Streifen wahrnehml)ar. (Fig. 17. c.) 

Rostrum ist der Carina sehr ähnlich; seine Spitze ist jedoch stärker rückwärts gekrümmt, der Basalraud 
nicht ausgeschnitten. Die Rückenfiäche noch stumpfer gewöllit und mit deutlicheren Anwachsstreifen versehen. Es 
kommen in Chotzen auch schmälere, den Rostralklappen ähnliche Platten vor, welche wahrscheinlich zum Poliicipes 
conicus Reuss gehören. 

Von den Lateralien liegt eine überlaterale (Fig. 17. s^j und zwei Unterlateralien (Fig.l7. 1 1') vor. 

Das Oberlaterale bildet ein gleichschenkeliges Dreieck, ist sehr massig gewölbt und mit einer stumpfen 
Rückenkante versehen. Die Anwachsstreifen sind sehr deutlich entwickelt. 

Von den unteren Lateralien ist das eine dem von Reuss beschriebenen (118. foss. Lep.) sehr ähnlich; es 
ist von einer ovalen Form, stark gewölbt und in Mitten des Rückens wellenförmig eingesunken. Das andere ist drei- 
eckig, an den Spitzen abgestumpft, flach und in Mitten der Rückenfläche mit einer scharfen Kante versehen. (Fig. 17. V). 



Familie Lepadidae, 



11 





Figur 18. Pollicipes 

cuspidatus, Kf. 

Scutum von Kamajk 

2mal verer. 



Figur 19. Pollicipes 
Koäticensis, Kf. 

Tergum von Kamajk 
4mal vergr. 



Mit (leu Seilten und Tei-gen treten bei Lliota Üfetickä Plattenelen leute, welche in der Form einigen Reuss'schen 
Figuren von unteren Lateralien nahestehen, jedoch sehr klein sind und als die untersten Lateralien zu deuten Wcären. 

Fundorte: Scuta, Terga und Rostra kommen ziemlich oft in den Priesener Schichten von Chotzen und bei 
Lhota Ufetickä vor. Aus dem letztgenannten Fundorte stammen auch Carina und obere Laterale, welch' letzteres mir 
auch von Kamajk (Korytzaner Seh.) bekannt ist. Subrostrum liegt nur von Chotzen, die unteren Lateralien von 
Kamajk und die untersten kleinsten Lateralien von Lhota Uretickit vor. 



Pollicipes cusi)i(latus, Kf. (Fig. 18.) 

Kafka: Pfisp. kii pozn. cirrip. cps. ütv. kh'd. p. 20. T. II. F. 5. 

Ein Scutum von Kamajk, welches in der Form der Art Po 11. 
st r latus Darw. nahesteht, ist besonders durch die scharfe, ziemlich ge- 
krümmte Spitze und durch eine Stufe, welche die rjückenfläche längst des 
Sehliessrandes bildet, gekennzeichnet. Der Lateralrand ist gegen die Spitze 
stark ausgeschweift, der Basalrand ziemlich gerade und der Sehliessrand 
massig gebogen. Die Struktur der Olierfläche besteht aus parallelen schon 
dem blossen Auge deutlichen Anwachsstreifen. 

Fundort: In den Koiytzaner Scli. (Cenoman) in Kamajk. 

Pollicipes Kosticensis, Kf. (Fig. 19.) 

Kafka: Piisp. kii pozn. cirrip. ces. ütv. kiid. p. 20. T. II. F. 4. 

Das einzige, unvollständige Tergum, welches vorhanden ist, hat eine 
charakteristische, sehr feine radiale Sculptur, welche erst mittelst einer 
VergTÖsserung deutlich wird, dass man es wagen kann, es als einer neuen 
Art angelnirend zu bestimmen. .Wenn das Tergum vollständig wäre, hätte 
es eine sub-rhomboidale Form, wie z. B. bei Po 11. gl ab er. Die Anwachs- 
streifeji. sind noch feiner als die übrige Sculptur. 

Fundort: In den Teplitzer Schichten bei Koschtitz. 

Pollicipes elongatus, Steenstrup. (Fig. 20.) 

Renss: Über foss. Lej). p. i'A. T. 3. F. 11. — Kafka: Ph'sp. kn pozn. cirrip. ces. ütv. 

ki:id. p. 21. T. HI. F. 4. — Darwin: On the foss. Lep. p. .55. T. III. F. 5. — Steen- 

strup: Kroyer's Tidsskrift 1839 p. :3G1. 

Reuss beschrieb von Weisskirchlitz als Polliciiies sp. ein unvollstän- 
diges Tergum, welches sich als identisch mit einem in Kamajk aufgefun- 
denen erweist und bestimmt zu der Art Poll. elongatus Steenstr. gehört. 
Es hat eine ziemlich regelmässige schief rhomlioidale Form, der Carinal- 
winkel ist jedoch abgestumpft. Der Spitzwinkel ist scharf ausgeprägt, wo- 
gegen er auf der Zeichnung Steenstrup's abgestumpft ist, was wahrscheinlich 
nur zufällig vorkommt. Die Diagonale zwischen dem Spitz- und Basalwinkel 
wird durch eine seichte Rinne gebildet. Längs des Sehliessrandes ist die 
Fläche des Tergum etwas eingesunken. Die Anwachsstreifen sind scharf und 
mit sehr feinen, dichten Linien parallel. Unser Exemplar misst 7 mm Länge. 

Fundort: Kamajk, Weisskirchlitz (Korytzaner Schichten). 





Figur 20. Pollicipes elongatus, Steenstr. 
a Ein Tergnm von Kamajk 4mal vergrössert. 
6 Ein unvoUstäudiges Tergum von Weiss- 
kirchlitz nacli Reuss. 




Figur 21. Poll. conicus, Eeuss. 
Eine Carina von Sauerbrunnberg 2mal ver- 
grössert nach Reuss. 
a von oben, 6 von der Seite, c Querschnitt. 



Pollicipes conicus, ßeuss. (Fig. 21.) *) 
Reuss: Verst. d. böhm. Kreidef p. 17. T. V. F. 13. — Reuss: Geogr. Skizzen 11. p. 216. — Reuss: Über foss. Lep. p. 23. T. n. F. 13. 

Reuss beschrieb die Art nach einer einzigen Carina. Dieselbe hat einen hochgewölbten, abgerundeten Rücken 
ohne Spur von Kante oder Kiel, ihr Basalrand ist gerade abgestutzt und bildet einen zusammenhängenden Bogen, 



*) Siehe Reuss Verst. der böhm. Kreideform. p. 17. 



2* 



12 



Familie Ba/anidae. 



ohne Vorsprang eines Medianwinkels und der Seitenecken. Die Oberfläche ist ghxtt bis auf zarte halbringförmige 
Anwachsstreifen. Es gelang mir nicht die Art in Böhmen wieder aufzufinden. Nur eine Klappe von Chotzen scheint 
der Form und Struktur nach hieher als Rostrum zu gehören. 
Fundort: Sauerbruuuberg bei Bilin. 

PoUieipes imgiiis, Sow. 

Keuss: Verst. d. bölim. Kreidet', p. 17. T. V. F. 44. 

Die Art wurde von Ileuss nach einem undeutlichen Sc u tum von Luschitz aus Böhmen angeführt, so dass 
mau sie für die böhm. Kreideformation als zweifelhaft bezeichnen muss. Die in Kamajk und auch auf anderen 
Fundorten von Po IL gl ab er vorkommendeu Terga (Figur 13. T.), welche in der Form sehr auf die von Po 11. unguis 
erinnern, jedoch bestimmt zu der Art Poll. glaber gehören, da eine grosse Zahl von Formübergängen vorhanden ist. 



Familie ßalaiiidae. 



Gattung (?) Balanula, Kafka. 

Species unica. 
Baliinula (?) cretacea, Kf. (Fig. 22.) 

Kaflvii: Pi-isp. kii pozii. cirrip. ces. ütv. khd. p. -23. T. III. F. 6. a— f. 

Aus den Koiytzaner Schichten von Kauiajk stammt eine kleine Schale, welche sowohl in ihrer Form, als auch 
in ihrer inneren Struktur sehr interessante Verhältnisse darbietet. 

Es ist eine dreieckige, massig gewölbte, gegen die 

Spitze stark verdickte Platte. Unter der Spitze bemerkt man 

T » m /■-• i M^--) /fllVl' iUH\lV/ t^iaen Ueberrest von Seitenflügelchen (vielleicht alae), welche 

1 fj ^ \'^ l^l- \ M/lil \i'l\ll f allem Anschein nach unsymmetrisch waren. Die Rückeufläche 

ist ziemlich glatt, längs der beiden Seitenränder mit seichten 
Rinnen und in der unteren Hälfte mit einer seichten Mittel- 
rinne versehen, welcher auf der Unterfläche eine niedrige, 
ziemlich scharfe Rippe entspricht. 

Auf dein abgebrochenen Unterrande tritt die innei-e 
Struktur der Schale deutlich auf. Sie besteht aus mehreren 
feinen Schichten, welche eine lamellare Struktur aufweisen. 
( Fig. 22. d e.) Die Lamellen liegen unregelmässig neben ein- 
ander, zahlreiche leere Zwischenräume bildend. Auf dem 
(^lerschnitt der Schale (Fig. 22. /.) sieht man diese Zwischen- 
räume als kleine, ungleich geformte Löcher, welche zwar in 
j)arallelen, jedoch unregelmässigen Reihen angeordnet sind. 
Die äusseren Schichten sind aus einer feinkörnigen, fast homo- 
genen Masse geliildet, welche auf der Rückenfläche der Schale 
am stärksten aufgelagert ist. 

Die da hervorgeholienen Eigenschaften dieses Uel)er- 
restes lassen nur in einigen Punkten eine Aehnlichkeit mit 
l>alaniden finden. Die Form der Schale sowie die angedeuteten 
wahrscheinlich unsymmetrischen Seitenflügelchen weisen auf 
eine grosse Aehnlichkeit derselben mit einer Carinalplatte des Balauiden testum hin. 

Die innere Struktur kann man wohl nicht mit den Septen bei den meisten übrigen Balauiden identificiren, 
sie kann jedoch vielleicht als eine analoge Bildung angesehen werden. Es fällt jedoch schwer die Vergleichung 
bei dem Mangel an Material weiter durchzuführen. Deswegen begnügte ich mich das Petrefakt blos mit einem pro- 
visorischen Namen zu bezeichnen. — Fundort: 




Figur 22. Balanula (':') cretacea, Kf. 

a h c Die vermuthliche Carina von oben, von der Seite und von 

unten 4mal vergr. cZDer rechte Basalrand d. Sehale 4ömal vergr. 

e Eine innere Schicht a. d. Schale SOmal vergr. /Ein Querschnitt 

durch die Schale in der Nähe des Scheitels .öOmal vergr. 



Familie Cypridae. 



13 



Ordnung Ostracoda.*) 

Familie Cypridae, Zenk. (Zittei p. 558.) 

Die Schalen klein, meist nierenförmig oder länglich oval, dünn, hornig oder hornig kalkig. Eine einzige 
Kreide-Gattung Bairdia existirt schon in den Primärformationen und zählt noch einige recente marinen Formen. 

Gattung Bairdia, M. Coy. 

Die Schale subtrigonal, rhomboidisch oder länglieli oval, ungleichklappig, ziemlich stark, glatt oder nur 
schwach punktirt, meist in der Mitte am breitesten, vorn und hinten zuweilen mit einem zahnartigen Vorsprung. 
Das Schloss wird durch den stark übergreifenden Rand der linken Schale gebildet. 



Bairdia subdeltoidea, v. Münster. (Fig. 23.) 

Reuss: Verst. d. bölun, KrpiJcf. I. p. 10. T. V. F. 38. — Reuss: Die Ostracoden d. sächs. Planers. Geinitz d. 
Elbthalg. in Sachs. II. p. 140. T. 26. F. 5. — Kafka: Kritisches Verzeich, d. Ostrac. p. 2. — Kafka: Skofepati 

räcci ces. litv. kfid. „Vesmir" XV. p. Iii4. 

Die Schalen sind subtrigonal, 1 bis 1'5 mm lang, stark gewidiit und glatt. Nur unter 
dem Mikroskope zeigen sie selten eine Spur von vertieften Punkten, welche nach Bosqnet's 
Meinung von vorhandenen gewesenen Haaren herrühren. 

Diese Species reicht vom unteren Cenoman bis in die oberen Senon-Schichten und 
weiter durch die gesammteu Tertiärablagerungen bis in das Pliocän und gehört auch zu den 
häutigsten Formen unserer Kreide. 

Fundort: In den Turonen Weissenberger Schichten bei Semitz, Dfinow, Weisser Berg, 
Pferov, in den senonen Teplitzer und Priesener Schichten bei Koschtitz (sehr häufig), Lu- 
schitz und Priesen. 



Bairdia modesta, Reuss. (Fig. 24.) 

Reuss: (Geinitz Elbthgb.) II. p. 142. T. 26. F. 10. 11. — Kafka: Krit. Verzeidi. p. 2. 

„Vesmir" XV. p. 104. 



Kafka: Skofep. räcci 



Die Schale ist länglich oval, auf dem Veutralrand fast gerade, auf dem Dorsalrand 
fiach bogenfiirmig. Das vordere breite Ende ist schief zugerundet, das hintere verschmälert sich 
zu einer deutlichen, jedoch meist stumpfen Spitze. Die Schalen sind massig gewölbt, am stärk- 
sten in der vorderen Hälfte in der Nähe der Mitte ihrer Länge. Die Art variirt sehr in der 
Länge und Breite der Schale. 

Fundort: Li den turonen Weissenberger Schichten bei Semitz selten, häufiger in den 
Teplitzer Senon-Schichteu von Koschtitz. 

Bairdia arcuata, var. faha Reuss. (Fig. 25.) 

Cytherina faba Reuss: Verst. d. böhm. Kreidef. T. 24. F. 13. — Reuss: (Geinitz Elbthgb.) II. p. 141. T. 26. F. 8. 
Reuss: Ein Beitrag zur Kennt, d. Kreidegeb. Meklenburgs (Zeitschr. d. d. geol. Ges. 18. — Kafka: Krit. Verz. 

p. 2. — Kafka: Skof. räcci „Vesmir" p. 104. 

Die Schalen sind wie bei der vorigen Art länglich oval, etwas bohnenförmig ; der Ventral- 
rand ist fast gerade, nur in der Mitte seicht eingebogen, der Dorsalrand massig gebogen. 




Figur 23. Bairdia sub- 
deltoidea, Miinsl. sp. 
Von Koschtitz. 




Figur 24. Bairdia mo- 
desta, Reuss. 
Von Koschtitz. 




Figur 25. Bairdia arcu- 
ata, var. faba Beuas. 
(Nach Reuss.) 



*) Diese Ordnung wurde unter meiner Leitung vom Herrn Assistenten Jos. Kafka bearbeitet und ein vorläufiger Bericht darüber 
in den Sitzungsberichten der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften iu Prag 1885 publicirt. Eine gemeinfassliche 
Darstellung wurde von demselben in der Zeitschrift „Vesmir" veröäentlicht. 



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Familie Oi/theridae. 



Das Vordereiide ist fast regelmässig ziigcruiulet, das Hintereiide schärfer als bei der vorigeu Art zugespitzt. Es gibt 
jedoch iu dieser Hinsicht viele Varietäten. Die Schalen sind massig gewölbt, am stärksten in der Mitte. 

Die Art wurde von Jones der Gattung Macrocypris zugewiesen, jedoch von Reuss als B. arcuata 
var. faba endgiltig bestimmt. 

Fundorte: In den Turonen Weissenberger Schichten von Semitz selten; häufiger in den Teplitzer Senon- 
Schichten von Koschtitz und den Priesener Schichten bei Priesen ; seltener in den letztgenannten Schichten hei Luschitz. 




Figur 26. Bairdia depressa, 

Kf. Von Koschtitz. Nach 
der Natur tjOmal vergr. 



Bairdia depressa, Kf. (Fig. 26.) 

Kafka: Kritisches Verzeichniss (1. Ostracoden d. bcihm. Kreidef. p. 2. T. I. F. 1. a 1). — Kafka: Skoi-. 

räcci ces. i'itv. kn'dovi'ho „Vesmi'r" XV. p. 10-t. 

Die Form der Schale ist der von C'ytherella Münsteri Rom. sp. ähnlich. Sie ist 
jedoch verhältuissmässig breiter und die Rückenansicht zeigt einen noch grösseren Unter- 
schied in der Wölbung, da die Schalen dieser Art sehr gleichmässig nnd flach gewölbt 
sind. Wie bei den übrigen Bairdieu ist auch hier die Oberfläche der Schale glatt und 
glänzend und die linke Schale grösser als die rechte. Es kommen jedoch beide Schalen 
in Verbindung selten vor. 

F u Ti d ort: In den Teplitzer Senon-Schichten bei Koschtitz kommt die Art öfters vor. 



Familie Cytlieridac, Zenk. 

Die Schalen meist sehr klein und ungleichklappig; länglich oval, nierenförmig oder gerundet vierseitig. 
Ihre Oberfläche glatt, öfters aber punktirt, rauh, knotig oder stachelig, häufig mit einem deutlichen, glatten und durch- 
scheinenden Augenhöckerchen versehen. Der Schlossrand der rechten Klappe mit zwei Zälmchen, der linken mit zwei 
Grüljcheu. 

I. Gattung Cythere, MüUcr. 

Die Schale nierenfönnig oder gerundet vierseitig; im letzten Falle meist am Vorderende am breitesten; starl^, auf 
der Oberfläche glatt, öfters aber mit einer mannigfaltigen punktirten, netzförmigen, höckerigen oder stacheligen Struktur. 
Zwischen den kräftigen Schlosszähnen der rechten Klappe befindet sieh eine Längsleiste, welche einer Furche auf 
der linken Schale entspricht. 

Cythere coiiceiitrioa, Reuss. (Fig. 27.) ^) 

Reuss: Verst. d. böhra. Kreidef. 11. p. 105. T. -U. F. i^. — Reuss: (CTeinitz Eibthgb.) II. p. 144. T. 27. 
F. 1. — Kaflia: Kritisch. Verzeichniss p. 3. — Kafka: Skofepati räcci. „Vesmir" XV. p. 124. 

Die Schalen oval, auf beiden Enden ziemlich gleich abgerundet und stark gewölbt. 
Der Dorsalraud stark, der Ventralraud massig gebogen. Die Obei-fläche ist mit koncentri- 
schen Furchen bedeckt, auf deren Grunde feine Grübchen sich befinden. 

Fundorte: Nach Reuss selten in den Priesener (Senon-) Schichten von Luschitz 
und Leneschitz. 

Cythere Karsteiii, Reuss. (Fig. 28.) 

Reuss: Verst. d. böhm. Kreidef. II. p. 104. T. 24. F. 19. — Reuss: (Geinitz Eibthgb.) II. p. 145. T. 27. F. 2. 
Kafka: Kritisch. Verzeichniss p. 3. — KaiTca: Skofep. racci. „Vesmir" XV. p. 124. 

Die Schalen gerundet vierseitig, am Vorderende mit einem flachen Bogen abge- 
rundet, am Hinterende in einen kurzen, stumpfwinkeligen, dreiseitigen Lappen ausgezogen, 
stark gewölbt, am stärksten gegen das hintere Ende. Der vordere Randsaum zeigt ])ei 
stärkerer Vergrösserung eine sehr feine radiale Streifung und die glasig glänzende Ober- 
fläche eine feine und spärliche Puuktirung. 

Fundorte: Nach Reuss selten in den Priesener Schichten bei Luschitz, Lene- 
schitz und Brozan. 




Figur 27. Cythere concen- 
trica, Rss. (Nach lleuss.) 





Figur 28. Cythere Karsteni, 

Bss. (Nach Reuss.) 



*) Sämmtliche Arten, welche nicht wieder aufgefunden wurden, sind nach Reuss (Geinitz Elbthalgb.) kurz charakterisirt und ihre 
Abbildungen nach den Reussischen copirt. 



Familie Cytheridae. 



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t'ythere semiplicata, Reuss. (Fig. 29.) 

Reuss: Verst. rt. bölim. Kreidef. II. p. 104. T. 24. F. 16. — Reuss: (Geinitz Elbthgb.) II. p. 14.5- 
T. 27. F. 3. — Kafka: Kritisch. Verzeichniss p. 3. — Kafka: Skofep. räcci. „Vesmir" XV. p. 124. 

Die Si'lialou im Umrisse schief-eiförmig, vorne breit, schief bogenförmig und 
mit einem erhöhten Saum versehen, liinten schmäler, einen kleinen, undeutlich drei- 
seitigen Lappen bildend. Der hintere, gewölbteste Theil trägt drei feine, niedrige 
Längsrippen, welche bis zur Mitte der Schale oder wenig darüber hinaus reichen 
und meist abgeriejjen sind. 

Fundorte: Nach Reuss selten in den Priesener Schichten bei Luschitz 
und Priesen. 

Cythere ornatissiiiica, Reuss. (Fig. 30.) 

Reuss: (Cythere ciliata) Verst. d. buhm. Kreidef II. p. 104. T. 24. F. 12. 18. — Reuss: (Geiuitz 
Elbthgb.) II. p. 146. T. 27. F. 5. 6. — Kafka: Skoiep. räcci. „Vesmir" XV. p. 124. 

Die Schalen sind verlängert vierseitig, vorne breiter, mit einem schiefen 
Bogen abgerundet und mit einem ziemlich breiten, verdickten Saume versehen, 
welcher mit kleinen Höckern liesetzt und am Rande fein gezähnt ist. Das hintere, 
schmälere Ende läuft in einen dreiseitigen, gewöhnlich gezähnelten Lappen aus ; der 
Dorsal- und Ventralrand sind fast gerade, mit unregelmässigen Zähnen und Höcker- 
chen besetzt und von einem gezähnelten Kiel l)egleitet, welcher längs des Ventral- 
randes höher und deutlicher entwickelt ist. Von den deutlichen Schlossohren trägt 
das vordere einen kugeligen, glänzenden Schlosshöcker. Auch die übrige Obei-fläche 
der Schale ist mit unregelmässigen Höckerchen bedeckt, welche mit dem zunehmen- 
den Alter der Schale häufiger und grösser werden und die Struktur, welche man 
an der ObeiHäche der jungen E.xemplai-e wahrnimmt, gänzlich verwischen. Diese 
Struktur besteht aus feinen, durch dünne Zwischenwände geschiedenen Grübchen 
und gibt der Schale ein netzföraiiges Aussehen. Die Schalen sind ziemlich stark 
gewölbt; die Wölbung steigt von dem zusammengedrückten, dreiseitigen Lappen 
fast senkrecht empor und fällt nach vorn langsam al). 

F u n d r t e : In den Teplitzer ( Senon-) Schichten bei Koschtitz ziemlich häufig, 
selten bei Kystra und nach den Reuss'schen Angaben in den Priesener Schichten 
von Brozan, Luschitz und Leneschitz. 





Figur 29. Cythere 
.semiplicata, Ess. 



Figur 30. Cythere 
ornatissima, Rss. 





Figur 31. Cythere Geinitzl, Rss. 




Figur 32. Cythere reticulata, Kf. 

a Seiteuausicht, b c Bauchansiciiteu 
vou zwei verschiedenen Exempla- 
ren von Koschtitz, 50mal vergr. 



Cytbere Geinitzi, Reuss. (Fig. 31.) 

Reuss: (Geiuitz Elbthgb.) LI. p. 140. T. 27. F. 4. — Kafka: Kritisch. Verzeichniss p. 3. — Kafka: 

Skofep. räcci. „Vesmir" XV. p. 124. 

In der Form der Schale der vorigen Art ziemlich ähnlich, jedoch schlanker und viel weniger gewölbt. Die 
Wölbung ist zwar auch in dem hinter(ni Ende der Schale die stärkste, steigt jedoch von dem dreiseitigen, nicht 
zusammengedrückten Lappen allmählich auf und senkt sich nach vorne dachföiinig ab. In der übrigen Anordnung und 
Struktur mahnt die Art sehr auf die jungen Cyt. ornatissima auf; nur die Höckerchen sind spärlicher und kleiner. 

Fundorte: Ziemlich häufig in den Teplitzer (Senon-) Schichten bei Koschtitz. 



Cythere reticulata, Kf. (Fig. 32.) 

Kafka: Kritisch. Verzeichuiss p. 3. T. I. F. 2. — Kafka: Skofep. räcci. „Vesmir" XV. p. 151. 

Diese Art ist eine der interessantesten Formen des Koschtitzer Fundortes. Die Schalen sind vierseitig, 
vorne in einem vollen Halbkreis abgerundet, hinten in einen dreiseitigen, zusammengedi-ückten Lappen auslaufend. 
Der halbkreisförmige, vordere Rand, sowie die Schlossseite des rückwärtigen Lappens sind mit langen dünnen Stacheln 
besetzt, die jedoch meist abgebrochen sind. Auch der vordere halbkreisförmige Theil ist wie der rückwärtige Lappen 
zusammengedrückt und koncentrisch mit erhabenen Rippen gegittert. Der mittlere Theil der Schale ist ziemlich 
stark, jedoch unregelmässig gewölbt, bald zum vorderen, bald zum rückwärtigen Ende sich neigend oder fast senkrecht 



16 



Familie Oyllicridae. 




Figur 33. Cythere gracilis. 

a Seitenansiclit, h Bauch- 
ansicht. 50m al vergr. 




Figur 34. Cythere cuneata, 

a Seitenansicht, h Bauch- 
ansicht. öOmal vergr. 




abfallend. Seine Olierfläche trägt eine netzförmige Stiulctur, welche aus erhabenen Rippen 
besteht, die viele, unregelmässige, vielseitige Gi'übchen umgrenzen. 

Fundort: In den Teplitzer (Sen(in-) Rfliicliton l)ei Koschtitz nicht selten, jedoch 
öfters ziemlich abgerieben. 

Cythere gracilis, Kafka. (Fig. ?>?>.) 

Kafka: Kritisch. Verzeicliniss p. 4. T. I. F. 5. — Jvafka: Skorop. räcci. „Vesrair" XV. p. 151. 

Die Klappen sind verlängert vierseitig, am Vorderende mit einem Icleinen, fein 
stacheligen Bogen abgerundet, am rückwärtigen Ende in einen zusammengedrückten, drei- 
seitigen Lappen auslaufend, der an der Schlossseite mit drei feinen Stacheln versehen ist. 
Die Schale ist ziemlich stark gewölbt; die Wölbung hebt sich von dem hinteren Lappen 
fast senkrecht emi)nr und dachet sich nach vorne langsam ab, in der Mitte eine Vertiefung 
mit einer erhöhten, rundlichen, glatten Centraltulierkci l)il(lcnd. Die Oberfläche der Schalen 
ist glatt und glänzend. 

Fundort: In den Teplitzer (Senon-) Schichten bei Kosclititz ziemlich häufig. 



Figur 35. Cythere nodifera, 

Kf. üOmal vergr. 




Figur 36. Cythere serrulata, 

Bosqu. von Koschtitz. 
50mal vergr. a Seitenan- 
siclit, h Bauchansicht. 



Cythere ciineat.'i, Kafka. (Fig. 34.) 

Kalka: Kritisch. Verzeichniss p. 4. T. I. F. 4. — Kaflca : Skoiep. räcci. „Vesmir" p. 



151. 



Die Schalen sind vierseitig, vorne mit einem ])i'eiten, unregelmässig gezähnelten 
Bogen abgerundet, rückwärts in eine kielförmige Sjtitze auslaufend. Der Dorsal- und Ventral- 
rand sind fast gerade, nach vorne stark divergireud. Die massige Wölbung der Schale 
erhebt sich allmählich von dem vorderen Bogen bis zu der rückwärtigen Spitze, welche 
ziemlich weit ülier den Hinterrand der Schale ülici'ragt. Die Oberfläche ist ohne besondere 
Sculptur, jedoch i-auh und nicht glänzend. 

Fundort: Selten in den Teplitzer ( Senon-) Schichten bei Koschtitz. 

Cythere iiodiferca, Kafka, ([«'ig. .'55.) 

Kafka: Kritisch. Verzeichniss p. 4. T. 1. F. ;-!. — Kafka: Skorcp. räcci. „Vesmir" XV. p. VA. 

Die vierseitigen Schalen sind breiter als bei der vorigen Art, vorne schiefljogen- 
fömiig abgerundet, rückwärts in einen sehr kurzen, dreiseitigen Lappen auslaufend. Der 
Dorsal- und Ventral raud sind massig geliogen und gegen das vordere Ende stark diver- 
gireud. Längs des Ventralrandes verlauft eine seichte Rinne, welche eine erhöhte mittlere 
Partie abgrenzt, die inmitten eine kleine, nabclföi-mige Erhöhung trägt. Die Oberfläche 
ist glatt und glänzend. 

Fundort: Selten in den Teplitzer Schichten bei Koschtitz. 

Cythere serrulata, Bosqu. (Fig. .36.) 

Cytherina cornuta, Reuss. Cyth. spinosa Reuss. — Reuss: Verst. d. höhm. Kreidef II. p. 105. T. 24. F. 20. 21. 
Reuss: (Geinitz Elbthgh.) II. p. 148. T. 27. F. 8. — KalTia: Kritisch. Verzeichniss p. 5. — Kafka: Skofep. 

räcci. „Vesmir" XV. p. 151. 

Die vierseitig-eiförmigen Klappen sind am vorderen Ende schief halbkreisförmig, am 
hinteren in einen breiten, zusammengedrückten, undeutlich dreiseitigen Lappen ausgezogen. 
Bei unserem Exemi)lare sind die Ränder der Lappen dunkler, ebenso der Vorderrand der 
Klappe wie bei den Reussischen Exemplaren nicht gezähnt, was wahrscheinlich nur einem 
schlechteren Erhaltungszustande zuzuschrieben sei. Der vordere Randsaum bildet längs des 
Ventralrandes einen starken Kiel, der sich nach hinten innner mehr erhebt und am Anfange 
des Hinterlappens fast senkrecht abgeschnitten in einen spitzigen Dom endigt. Der freie 
Rand des Kieles ist nicht gekerbt. Im hinteren Theile sind die Schalen in der Gegend des 



Familie Ct/thendae. 



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Figur 37. Cythere elongata, 

Beiiss. 
(N'ach Reuss.) 



Kieles am stärksten gewölbt, (lachen sich nach vorne allmählich ab. Die Form und Ausbildung des Kieles variirt 
bedeutend. 

Fundorte: Koschtitz (Teplitzer Seh.) nicht häufig, nach Reuss in den Priesener Schichten (Senon) bei 
Luschitz, Brnzan und Leneschitz. 

Cythere elousata, Revss. (Fig. 37.) 

Eeuss: (Gpinitz Elbthgb.) 11. p. Iö4. T. -'if. F. 11. — Kafka: Kritisch. Verzeicliniss p. 5. — Kafka: 

Skofeii. räcci. „Vesmir" XV. p. 15-2. 

Die verlängert vierseitige Schale ist verhältnissmässig schmal, vorne schief ge- 
rundet, nach hinten in einen schief-dreieckigen Lappen endigend, dessen Unterrand mit 
vier spitzigen Zähnen besetzt ist. Der Vorderrand sowie die Seitenränder sind mit 
einem verdickten Saume umgeben. Diesem Randsaume zunächst ist die Schale überall 
niedergedrückt und nur in der Mitte erhebt sie sich zu einem in dem hinteren Theile 
etwas höheren Längswulst. Die Oberfläche der Schale ist überall mit feinen Erhaben- 
heiten und Grübchen bedeckt. 

Fundorte: Selten in Koschtitz. (Von Reuss nur von Plauen in Sachsen au- 
geführt). 

IL Gattung Cytheridea, Bosqu:') 

Die Schale dick, oval bis dreiseitig, in der Mitte am breitesten, glatt oder 
grubig, zuweilen mit koncentrischen Runzeln und gezähneltem Rand. Der Schlossrand 
der rechten Schale statt einfacher Zähne mit zwei Reihen von Höckerchen, welche durcli 
einen ebenen oder gezähnelten Zwischenraum getrennt sind; linke Klappe mit ent- 
sprechenden Grübchen. 

Cytheridea perforata, Roem. sp. (Fig. 38.) 

Cytlierina HUseaua. Roem. D. : Verst. d. iinrild. Kreidegb. p. 104. T. 10. F. 17. — Reuss: Verst. der 
böhm. Kreidef. p. 1(1. T. .5. F. 29. — Reuss: (Geinitz Elbthgb.) II. p. Ui). T. 27. F. 9. 10. — Kafka: 
Krit. Verzeich, p. ;>. — Kafka: Skofep. räcci. „Vesmi'r" XV. p. 175. — Fric : Weisseub. u. Main. Seh. p. 146. 

Die Schalen schief-eiförmig, stark gewölbt. Das vordere Ende breit und schief 
gerundet, das hintere sich zur stumpfen Spitze verschmälernd. Der Ventralrand fast 
gerade, der Dorsalrand stark gekrümmt. Die glänzende Schalenoberfiäche zeigt bei 
stärkerer Vergrösserung sehr feine Grübchen. 

Fundorte: Dffnov (Weissenberger Seh.), Koschtitz (Teplitzer Seh.), nach Reuss 
bei Kröndorf und Priesen (Priesener Seh.). 




Figur 38. Cytheridea per- 
forata, Roem. sp. 
(Nach Reuss.) 




Figur 39. Cytherideis lae- 

vigata, Roem. sp. 
Von Koschtitz. 50mal vergr. 
Di'inov (Weissenberg. Seh.) 



III. Gattung Cytherideis, Jones.**) 

Schale mehr oder weniger dreieckig, glatt, punktirt oder höckerig. Schlossrand einfach, links der mittlere 
Theil desselben etwas unter die rechte Klappe eingebogen. Ventralraud theilweise gekrümmt. 



Cvtherina attenuata. 



Cytherideis laevigata, Roem. sp. (Fig. 39.) 

Reuss: Verst. d. böhm. Kreidef II. p. 104. T. 24. F. 15. — Reuss: (Geinitz Elbtldgb.) II. p. 150. T. 28. F. 1. S. 
Kafka: Kritisch. Verzeichniss p. 5. — Kafka: Skofep. racci. „A'esmir" XV. p. 175. 

Die Schalen klein, schwach gewölbt, in der Breite der schief-eiförmigen Form sehr veränderlich, am vor- 
deren Ende gerundet, am hinteren zugespitzt, der Dorsalrand bogenförmig, der Ventralrand seicht eingebogen. Der 
Ventralrand der rechten Klappe bildet in der Mitte eine deutliche Platte, welche über den Ventralrand der linken 
Klappe hinübergeht. Die Oberliäclie glatt und glänzend. 

Fundorte: Sehr häufig in den Teplitzer Seh. bei Koschtitz, nach Reuss in den Priesener Seh. bei Lene- 
schitz, Luschitz, Brozan und Kystra. 



*) Siehe Zittel p. 557. — **) Siehe Zittel p. 558. 



18 



Familie Oytherellidae. 



Familie Cythereliidac. 



Die Sclialen sehi- klein, imgleichklappig, dick, kalkig, vorn ohne Ausschnitt. 

Gattung Cytherella, Bosq.*) 

Die Schale länglich, flach, dick und fest, sehr ungleichklappig, rechte Klappe viel grösser als die linke und 
am ganzen Yentralrand übergreifend, am unteren Rand mit einer Rinne, in welche die rechte Schale sich einfügt. 

€ytherella ovata, Eoem. sp. (Fig. 40.) 

Cytheriua complauata. Keuss: Verst. d. bölim. Kreidef. I. p. 16. T. 5. F. 34. 35. — Reuss: (Geinitz Elbtblgb.) II. p. 151. T. 28. F. 4. 5. 
Koemer: D. Verst. d. nordd. Kreidegb. p. 104. T. 16. F. 21. — Kafka: Krit. Verzeicb. p. 5. — Kafka: Skoiep. räcci. „Vesmir" XV. ]). 175. 

Die Form der Schalen ist sehr veränderlich. Hauptsächlich kann man zwei Formengruppen unterscheiden; 
die eine mit eiförmigen, beinahe gleichseitigen Klappen — die echte C. ovata, welcher die meisten unseren 
Exemplare am nächsten stehen (Fig. 40. c), und die andere mit mehr oder weniger eingebogenem Ventralrand, wodurch 









Figur 40. Cytherella ovata, Roem. sp. 

a h Nacb Reiiss. a Linke Seitenansicht, h Bauch- 

ansicbt, c ein Exemplar von Koschtitz von einer 

mehr ovalen Form. 



Figur 41. Cytiierella Muensteri.ßocm. sp. 

a b var. parallela nach Reuss. a Linke Seitenansicht, 

'b Bauchansicbt, c var. solenoides von Koschtitz. 

50mal vergrössert. 



die Schalen einen mehr nierenförmigen Umriss annehmen (Fig. 40. «, b), so dass diese Form Bosquet als C. reni- 
formis bezeichnet hat. Es gibt jedoch zahlreiche Zwischenformen und die Identität beider Specien hat schon Reuss 
festgestellt. — Beide Enden der Schale sind zugerundet, das hintere meist bei jungen Exemplaren schmäler; der 
Dorsalrand ist gleichmässig und je älter das Individuum ist, in der ]\Iitte stärker gebogen. Der Ventralrand biegt 
sich dagegen mit zunehmendem Alter stärker ein. Auch die Convexität der Schalen nimmt mit dem Alter zu. 

Fundorte: Eine der häufigsten Fonnen in den Teplitzer Seh. bei Kutschlin und Koschtitz und in den 
Priesener Seh. bei Leneschitz und Priesen. 



Cytherella Miieusteri, Eoem. sp. (Fig. 41.) 

Cytherina parallela. Reuss: Verst. d. böhm. Kreidef. L p. 16. T. V. F. 33. — Reuss: (Geinitz Elbtblgb.) II. p. 152. T. 28. F. 6. 7. — 
Kafka: Krit. Verz. p. 6. — Kafka: Skoi'ep. räcci. „Vesmir" XV. p. 176. — Cyther solenoides Rss.=:CytherMuensteri var. solenoides Rss. 

Die Mannigfaltigkeit der Schalenform dieser Species ist eine sehr grosse; sie variiren in der Länge und 
Breite, sowie in der Biegung des Dorsalrandes und Beschaffenheit des Hinterendes. Ein Extrem l)ilden die langen 
Formen mit parallelen Rändern, welche Reuss als C. solenoides (Fig. 41. c) bezeichnet hat. Denselben stehen am 
nächsten die kürzeren, in der Form ähnlichen Exemplare, welche von Reuss als C. parallela beschrieben und später 
zu dieser Species gestellt wurden. Unsere Exemplare gehören zu beiden diesen Formen. Die kleineren haben einen 
massig gebogenen Dorsalrand und schwach eingebogenen Ventralrand; beide Enden sind zugerundet; das vordere 
regelmässiger als das hintere; die Wölbung der Schalen ist am hinteren Ende die stärkste. Die Obei"fläche ist 
glatt, meist matt, selten glänzend. Die längeren Formen haben beide Ränder parallel und die Enden flach bogen- 
förmig. Sie können als C. Muensteri var. solenoides bezeichnet werden. 

Fundorte: Nicht selten in den Teplitzer Schichten bei Koschtitz uud in den Priesener bei Luschitz. 

*) Siehe Zittel p. 556. 



Familie Ci/therellidae. 



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Cytherella aspemla, Beuss. (Fig. 42.) 

Eeuss: Verst. d. böhm. Kreidpf. I. p. 10. T. V. F. 37. — Reuss: Geogn. Skizzen IL p. -217. — Kafka: Kritisch. Verzeichniss p. 6. — 

Kafka: Skoi'ep. räcci. „Vesmir" XV. p. 176. 

Die Art beschrieb Reuss aus deu Teplitzer Scli. von Koselititz 
und Rannay, wo sie einzeln vorkommt. Es gelang uns nicht dieselbe 
wieder aufzntinden und wir versuchen hier die winzig kleine Abbildung 
Reuss's vergrössert darzustellen. Nach Reuss ist dieselbe 0-5 — 0'75"' 
lang, schmal, fast dreimal so laug als hoch, an einem Ende breiter 
(gewölbt?), an dem anderen sich allmählich verschmälernd. Die Seiten- 
ränder gewölbt, zum unteren gerade abgeschnittenen oder auch etwas 
eingebogenen Rande steil , zum oberen tlachbogenförmigen allmählich 
alifallend. Oberfläche rauh. 

Fundorte: Einzeln in den Teplitzer Schichten bei Koschtitz 
und Rannay. 

Cytherella (?) sp. (Fig. 43.) 

Kafka: Krit. Vorzpitli. p. (i. 

Auf den Kosclititzer Platten kommen zahlreiche Schalenbruchstücke vor, welche sehr wahrscheinlich auch 
einer, nicht näher bekannten Cstracodenart angehören. Die Figur 43. gibt eine Abbildung von einem solchen 
Bruchstücke, auf welchem der Schalenrand und die in Reihen geordneten Grübchen auf der sonst glatten Ober- 
fläche der Schale zu sehen sind. Derselbe weist darauf hin, dass diese Ostracodenart im Verhältnisse zu den 
übrigen Kreideostracoden von einer sehr bedeutenden Grösse war. 



Figur 42. Cytherella 

asperula, Beitss. 

Vergriisserte Abbildung 

Reuss's. 



Figur 43. 

Scbaleubr 
Koschtitz 



Cytherella (?) 

uehstück von 
50mal vergr. 



Die Vergleichung der Verhältnisse, in welchen die Cirripeden und Ostracoden in unserer Kreideformation 
und in jener der anderen Länder vorkommen, bietet einige interessante Momente dar. 

Die Gattung Scalpellum, abgesehen von den vier Arten, welche nur aus Böhmen bekannt sind, ist noch 
durch vier Arten vertreten, welche im Auslande meistens im Senon, bei uns aber hauptsächlich in den cenomanen 
Koi-ytzaner Schichten vorkommeu, wo auch Sc. quadratum Darw., bisher nur aus dem Eocen bekannt, ziemlich 
häufig ist. Diese Erscheinung wiederholt sich theilweise auch bei der Gattung PoUicipes. So kommt die senone 
Art Poll. fallax Dai-w. bei uns nicht nur in den Senonschichten, sondern auch im Cenoman vor. Nur Pollicipes 
gl ab er Roem. und Loricula weisen in dieser Richtung keine Verschiedenheiten auf. Von einigem Interesse ist 
die Erscheinung der fraglichen Balanula, welche, wenn sich ihre Bestimmung bestätigen möchte, als der älteste 
Ueberrest der Balaniden zu betrachten wäre. 

Die Ostracoden sind auch in unserer Kreideformation meistens auf [senone Schichten beschränkt. Nur die 
Bairdien und Cytheridea perforata Roem. sp. kommen auch in den turonen Weissenberger Schichten vor. 



20 



Familie Falinuridae. 



Malacostraca. — Ordnung Decapoda. 

Unter-Orduung : Macnira. 

Familie Paliniiridac. 

Körper cylindrisch oder flach mit verkalktem Hautpanzer; Cephalothorax wenig breiter als der Hinterleib; 
Rostrum ausgebreitet, kurz oder mittelgross. lunere Antennen mit langem Schaft und kurzen Geisselu; äussere 
Antennen ohne Schuppe, mit stark entwickelter Geissei oder breit blattförmig. Sternum zwichen den 5ten Bein- 
paaren breit dreieckig, nach vorn verschmälert. Sämmtliche Gehfüsse mit Klauen, nur bei den Weibchen das 
hinterste Fusspaar zuweilen mit Scheere. Epimeren des Hinterleil)S ziemlich gross, meist zugespitzt. 

Gattung Podocrates, Becks i850.*) 

(Thenops Bell. 1857.) 
Charaktere der Gattung nach Schlüter. 

Schale niedergedrückt, breit, rechteckig; mit drei scharfen Längskielen am Rücken, von denen der mittlere 
sich in der Vorderregion zersplittert; durch eine tiefe Nackenfurche ungleich getheilt; mit breitem dichotomen 
Stirnschnabel, hinter welchem in der Mittellinie eine flache Vertiefung liegt; Bronchialgegend von der Mittelkante 
dachförmig abfallend. In der hinteren Thoraxpartie fallen die Seiten von äusseren Kielen zum Schalsaume recht- 
winkelig ab. Aeussere Antennen sehr stark entwickelt. Dem dritten Basalgliede mit tiefer Längsfurclie versehene 
Geissein eingelenkt. Episthom sehr gross — Mandibulen stark weit vortretend — Sternalschild breit, gross. Gang- 
füsse lang, fast von gleicher Stärke; das hintere Paar abweichend. Letzter Thoraxring frei — Alidominal-Segmente 
von einem mittleren Kiele zu den Seiten abfallend. 

Diese Gattungskennzeichen wurden später noch durch die Auffindung eines besseren Exemplars in Beziehung 
auf das Postabdomen vervollständigt. (Schlüter Zeitschrift d. d. geol. Gesellschaft 1879 pag. 60.3.) 

„Das erste Segment ist kürzer als alle folgenden, welche allmählich mehr an Breite und weniger an Länge 
abnehmen; nur das sechste Segment ist wieder länger als die nächst vorhergehenden. 

Die Epimeren des zweiten, dritten, vierten und fünften Segments laufen seitlich in drei kräftige Dornen aus 
und führen ausserdem am hinteren Rande noch ein Paar kleine Dornen. Das sechste Segment spitzt sich zu einem 
einzigen seitlichen Dorn zu, führt aber ausserdem am seitlichen Hiuterrande ebenfalls mehrere verkümmerte Dornen. 

Die vier ersten grossen Segmente erheben sich dachlörmig zur Mittellinie und führen hier je zwei Domen 
oder Höcker." 

Podocrates Diilmensis, (Becks) Schlüter. (Fig. 44.) 
Podocrates Dulmensis Becks in der Sammlung des Gymnasiums zu Münster. — Geinitz : Quadersandsteingebirge pag. 96. T. II. F. 6. a, b. 
Schlüter in Zeitschrift der deutsch, geol. Gesellschaft XIV. 1862 pag. 713. T. XII. F. 1—3. XXXI. 1879 pag. 603. T. XHI. Fig. 1. 2. 

Podocratus Schlüteri Tribolet. (Bul. soc. geol. A. France 1874 pag. 362.) 

Taf. 3. Fig. 1., 2. Textflgur Nro. 44. 

Von der Gattung Podocrates war während der ganzen Sammelperiode von mehr als 30 Jahren keine Spur 
in der böhmischen Kreideformation vorgekommen. Da erhielt ich im Jahre 1884 auf einmal zwei prachtvolle 



*) Bezüglich der Schreibweise Podocrates vergleiche Schlüter Zeitschrift der deutsch, geol. Gesellschaft 1862 pag. 712. 



Familie Paliiivridae. 



21 



Exemplare in den grossen Plänerljrüchen bei Vinar unweit Hoheumauth. Dieselben entstammen aus den Fisch- 
knollen, die an der Basis der Iserschichten liegen und durch das Vorkommen von Halec Sternbergii charakte- 
risirt sind. 

Das kleinere Exemplar (wahrscheinlich ein Männchen) wurde in einer faustgrossen, ovalen zugehauenen 
Kugel gefunden, die vor Zeiten als Gewicht bei einer Thür gedient hat und wurde, nachdem sie mehrere Menschen- 
alter in einer alten Mauer steckte, vom Landmann Herrn Noväk aufgefunden und unserem Museum geschenkt. Ich 
reinigte das Negativ und fertigte einen Gypsabguss an, der zur Grundlage der Abbildung und Beschreibung mit 
gedient hat. (Taf. .3. Fig. 1.) 

Dieses Exemplar besteht aus dem ganzen Ceplialothorax und den grossen Basalgliedern der Antennen. 

Im Gesammtau ssehen stimmt der Cephalothorax mit dem von Schlüter abgebildeten*), nur sind die Höcker 
und die Seitendornen markanter entwickelt. Es ist aber darauf kein grosses Gewicht zu legen, da dies individuell 
nach Alter und Geschlecht variirt haben mag. 

Die Basalstücke der Antennen sind fast so lang als breit und tragen am Aussenrande drei starke vorsprin- 
gende, nach vorae 'gerichtete Spitzen. Vor dem der linken Seite liegt ein mehrgliedriges schmales, Antennen .ähnliches 
Stück, das entweder den vorderen Antennen als Aussenglied angehört oder einen stark nach vorne verschobenen 
Kaufuss darstellt. Die Geissein der äusseren Antennen sind es 
sicher nicht, denn diese waren nach Schlüter's Abbildung (Taf. 12. 
Fig. 1.) stark und lang wie bei einem Palinurus. 

Nach innen von diesen sieht man Fragmente des inneren 
Geisseis der Vorderantenne, und zwar einige Glieder am vorderen 
Stirnrande, andere mehr nach vorne hin. Die Erhaltungsweise lässt 
keine sichere Deutung zu. 

Der Cephalothorax ist durch die Nackenfurche in zwei 
Partien getheilt. Am vorderen Theile stimmen die Höcker und 
Dornen mit denen bei P. Dulmensis ziemlich überein; am hinteren 
laufen die Höcker der Mittelkante als auch die Spitzen der beiden 
Seitenkanten nach vorne spitz aus. Der hinterste Theil des Cephalo- 
thorax ist abgebrochen, so dass hier das Grössen verhältniss der 
beiden Partien nicht sichergestellt werden kann. 

Das zweite Exemplar erhielt ich zur selben Stunde von 
dem Steinmetzmeister Wenzel Doskocil. Dasselbe gehört einem 
viel grösseren Individuum an. liei dem die Höcker und Spitzen 
viel weniger ausgeprägt sind. Da auch der ganze Hintertheil des 
Cephalothorax gewölbter erscheint, so glaube ich, dass wir ein 
erwachsenes Weibchen derselben Art vor uns haben. 

Auffallend entwickelt sind zwei schmale Wülste, welche sich zu beiden Seiten der unbedornten Mittelkante 
bis zur Hälfte der hinteren Partie hinziehen und bei dem kleineren Exemplare nur schwach angedeutet waren. 

Vom Postabdomen ist der mittlere Theil von 5 Segmenten erhalten; jedes trägt am mittleren Längskiel 
stumpfe, schmale Längshöcker und auch sind Spuren der drei Dornen an den Epimeren der Segmente vor- 
handen, wie dieselben Schlüter (1879 Taf. XIII.) abbildet. 

Es ist wohl kein Grund vorhanden diese Exemplare als eine von Podocrat. Dulmensis verschiedene Art zu 
betrachten (die ich zuerst als Podocrates bohemicus aufstellen wollte), denn es ist doch kein Zweifel, dass dies 
eines der ältesten Glieder der Reihe ist, welche sich von der mittleren Kreide an über die jüngste bis zum Eoc6n 
(Thenops scyllariformis, Bell) erhalten hat. 

Von Vinar besitze ich noch isolirte Scheerenglieder, welche dem Ansehen und der übereinstimmenden Farbe 
dei Schale nach zu Podocrates gehören könnten. (Taf 5. Fig. 8 — 10.) Da aber die Palinuriden, zu denen man 
bisher den Podocrates zählt, keine Scheeren besitzen, so bleibt die Zugehörigkeit dieser schmalen Scheerenstücke 
zweifelhaft. **) 





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Figur 44. Podocrates Dulmensis, Becks. Aus Ivies- 

liugswalda. Cnpie nach Geiuitz. 

a von oben, h von der Seite. Kat. Grösse. 



*) Zeitschrift der deutschen geol. Gesellschaft 1862 Taf. XII. Fig. 3. 
**) Vielleicht wäre es der letzte Fuss eines Weibchens, der zuweilen eine Scheere haben soll. 



22 Familie Palimtridae. 

Bevor ich die eben beschriebenen Stücke besass, Hess ich eine Copie des von Geinitz abgebildeten Exem- 
plares von Kieslingswalda anfertigen, nm die einheimischen Sammler auf diese Gattung aufinerksam zu machen 
und gebe die Skizze hier auf Textfigur Nro. 44. 

Es wurde das Stück, welches aus den Ghlomeker Schichten (mit Card. Ottonis) stammt, von Tribolet als 
eine eigene Art Pod. Schlüter! angeführt, aber später als von P. Dulmensis nicht verschieden erklärt. 

Gattung Palinurus, Fahr. 

Ceplialrtthorax gross, stachelig, mit kurzem breitem, etwas ausgeschnittenem Rostrum und tiefer Nackenfurche. 
Innere Antennen kurz; Geissein der äusseren Antennen länger als der Körper, iln- Schaft aus .3 dicken kurzen stachligen 
Gliedern bestehend. Beine lang, besonders die .3 mittleren Paare. Endkrallen mit Borsten besetzt. (Zittel.) 

Paliniii'us Woodwardi, Fr. 
Taf. 2. Fig. 1-3. Taf. 5. Fig. 7. 

Das Hauptexemplar, welches als Grundlage der folgenden Beschreibung diente, lag in jämmerlich zerdrücktem 
Zustande lange Jahre unberücksichtigt in unserer Sammlung und rührt aus dem turonen Pläner vom Weissen Berge 
bei Prag her. Um mir das Verständniss dieses Exemplars zu ermöglichen, benützte ich das Negativ zur Anfertigung 
eines Gypsabgusses und nachdem derselbe vorsichtig colorirt war, trat erst die Form des Abdruckes deutlich hervoi'. 
Es ist ein fast ganzes Exemplar eines Palinurus, das mit dem Rücken nach unten liegt und am Cephalothorax 
dessen Innenseite, am Postabdomen die Aussenseite der schmalen Spangen bietet; Fühler und Extremitäten bieten 
die Unterseite. 

Später erhielt ich aus dem Steinbruche „Ladronka" am Weissen Berge einen guten Cephalothorax, der die 
Oberseite bietet und endlich wurde mir von Prof. Laube aus der Sammlung des geologischen Instituts der deutschen 
Universität zu Prag das Negativ eines guten Postabdomen zur Untersuchung anvertraut, so dass wir ein ziemlich 
vollständiges Bild dieser alten Palinurusart vor uns haben. 

Im allgemeinen ist diese Art ganz übereinstimmend mit der recenten Form gebaut und nur in ganz unbe- 
deutendem Detail der Verzierung von der europäischen Art verschieden, so dass man sich keine grosse Gewalt 
anthun müsste, um den Plänei-palinurus als directen Vorfahren derselben Art zu betrachten, welche jetzt im Mittel- 
nieere lebt. 

Der Cephalothorax sammt Postabdomen wird etwa 10 cm betragen haben und da die Reste von 3 Individuen 
in der Grösse übereinstimmen, so mag dies die normale Länge gewesen sein. 

Von den vorderen Fühlern sind nur die schlanken Basalstiele in einer Länge von 20 mm erhalten. 

Die hinteren grossen Fühler zeigen viel schwächere, bedornte Basalstücke als der recente Palinurus und ein 
Fragment des starken dicht (piergeringelten Fühlers kreuzt sich mit dem linken Fusse des ersten Paares. 

Der Cephalothorax (Taf. 2. Fig. 1.) zeigt die Augendornen sowie die Furchen genau wie der lebende, 
aber die Verzierung seiner Oberfläche ist abweichend. Am Vordertheil zieht sich in der Mitte eine Längsreihe 
zarter Spitzen, zu der sich zu beiden Seiten grössere Dornen zu einer hübschen länglichen Blattform gruppiren. 
Nach aussen an diesem Mittelblatte legt sich noch eine kürzere und eine längere Höckerreihe in ähnlicher Biegung 
an. Ueber die Wangen verlaufen noch 2 oder o Längsreihen solcher Höcker. 

Am hinteren Theile des Cephalothorax sind alle Höcker niedrig, breitgedrückt, ziemlich uuregelmässig und 
nirgends kann man Reihen grösserer wahrnehmen. In diesem Verhalten liegt die auffallendste Verschiedenheit von 
der lebenden Languste. 

Die Segmente des Postabdomen (Taf. 5. Fig. 7.) sind viel glatter und zeigen nicht die tiefe Querfurche, 
ihre Epimeren sind nicht so tief sculptirt. sondern zeigen nur eine dem Ausseurande parallele Furche und enden 
mit einer kurzen Spitze hinten am Ausseurande. 

Das Telson ist in der Mitte gekielt und trägt jederseits vier fast gerade, nach hinten etwas zusammen- 
laufende Höckerreihen, die ganz ähnlich beim recenten Palinurus zu finden sind. Von den Seitenlappen der Schwanz- 
flosse sind nur die rudimentären Basaltheile je zwei auf jeder Seite erhalten. 



Familie Glt/phaeidae. 23 

Aus dem Negativ des grossen Fig. 1. dargestellten Exemplars gewann ich einen schwer zu verstehenden 
Abdruck (Taf. 2. Fig. 3.), der Oberseite, den ich abbilden Hess, bevor ich das wohlerhalteue Postabdomen gesehen habe. 

Auf der Unterseite des Abdomen findet man (Taf. 2. Fig. 2 ) die dünnen Querspangen aber ohne besondere 
Bedornung und an einer Stelle konnte ich den verkalkten Tlieil eines Abdominalanlianges wahrnehmen, der kurz 
lütfelförmig ist und darauf hindeutet, dass das vorliegende Individuum ein Männchen war. Aehnliche Anhänge 
gewahrt man auch zur linken Seite des 3ten, 4ten und 5ten Segmentes an Fig. 7. Taf. 8. 

Von den Extremitäten sind alle Paare angedeutet aber zerbrochen und dislocirt ; dennoch erkennt man auch 
hier eine Uebereinstimmung mit den bei Palinurus normalen Grössen- und Formverhältnissen. 

Ich widmete diese Art meinem verehrten Freunde Herrn Henry Woodward, der sich neben Salt er die 
grössten Verdienste um die Kenntniss der fossilen Crustaceen Englands erwarb. 

Palinurus Woodwardi dürfte der älteste der Kreidepalinureu sein, da er aus dem untersten Turon 
stammt und die übrigen bekannt gewordenen Reste dieser Gattung aus viel jüngeren Kreideschichten herrühren. 



Familie Glyphaeidae, WhMer. 

Etudes sur les genres Pemphix, Glyphaea & Araeosternus. Archiv du Musee Tylor 1S83 2. ser. I. p. 73. 

Körper cylindrisch mit fester verkalkter Schale. Cephalothorax rauh, stark sculptirt, mit tiefer Nackenfurche. 
Rostrum schmal, zugespitzt. Aeussere Antennen mit langem Schaft, stark entwickeltem Geissei und meist mit lauger 
schmaler Schuppe. Innere Antennen kurz. Sternum schmal. Das vordere durch beträchtliche Stärke ausgezeichnete 
Beinpaar des Thorax und in der Regel auch alle übrigen Fusspaare endigen mit Krallen oder Nägeln. (Zittel.) 



Gattung (jlyphaea, H. v. Meyer. 



Cephatothorax gekörnelt, mit medianer Rückennatli und kurzem spitzem Rostrura. Vor der tiefen Nackeufurche 
verlaufen mehrere parallele, mit Dornen oder Warzen verzierte Längskanten nach der Stirn. Hinter der Nackenfurche sind 
fast immer noch 2 andere gebogene Querfurchen vorhanden, durch welche ein mittleres und ein hinteres Feld abgegrenzt 
werden. Die seitlichen Fortsätze dieser Furchen vereinigen sich und sind öfters durch Nebenfurchen verbunden. Abdomeu 
lang, zuweilen glatt. Innere Antennen kurz gestielt, ihre Geisselu nicht ganz die Länge des Cephalothorax erreichend. Aeussere 
Antennen lang, mit schmaler Schuppe. Sämmtliclie 5 Fusspaare endigen mit Nägeln oder Krallen, das vorderste stärker als 
die übrigen und meist auch abweichend verziert. 

Diese Kennzeichen finden wir sämmtlich an den bei uns gefundenen Exemplaren, wesshalb kein Zweifel 
bestehen kann, dass sie zur Gattung Glyphaea gehören. 

Glyphaea bohemica, Fr. 

Tafel 8. Fig. 1—8. Textfigur Nro. 45. 

Artkennzeichen. Das erste Fusspaar mit langer Kralle endigend, die sich gegen den stark bedornten 
Propoditen umschlagen Hess; das 2te Fusspaar mit einer kürzeren Kralle endigend, der Propodit ohne Dornen. 
Epimeren der Schwanzsegmente mit zwei Querreihen kleiner Höcker geziert. 

Von dieser interessanten Art liegen mir im ganzen 8 fragmentäre Exemplare vor, von denen zwei dem 
geologischen Institut der deutschen Universität in Prag angehören, die übrigen der Museumsammlung. Alle stammen 
aus dem Wehlowitzer Pläner der Weissenberger Schichten bei Prag. 

Die Exemplare sind ganz ohne Schale und stellen nur den Abdruck der luuenfläche der Schale vor. Ein 
Bild der eigentlichen Oberfläche der Schale erhielt ich nur durch Abgüsse in einige gereinigte Negative. Nach 
dem Umstände zu urtheilen, dass der Cephalothorax meist der Länge nach gespalten vorkömmt, liegt die Ver- 
muthung nahe, dass die vorliegenden Reste von Exuvien stammen, welche die Wellen an die Strandregion ge- 
spült haben. 

Ich habe dieselben auf Taf. 8. in natürlicher Grösse dargestellt, nur Fig. 5. in zweifacher Vergrösserung. 



24 



Familie Gli/phaeidae. 




Figur 45. Glyphaea bohemica, Fr. 

In natürlicliei- Grösse restaiirirt nach den Taf. 8. abgebildeten Exemplaren. 



Das Detail zeichnete, ich in einer Reihe von Studienskizzen bei Gfacher Vergrösserung, da es aber die Ver- 
hältnisse nicht erlauben, alles das auf einer Reihe von Tafeln zu veröffentlichen, so concentrirte ich die dabei 
erreichten Resultate auf eine scheniatisch restaurirte Figur, an der ich das, was unsicher ist, mit Punktreihen 
bezeichnete. (Fig. 45.) 

Ich will der Beschreibung einige Notizen über die abgebildeten Exemplare vorausschicken. 
Fig. 1. Dieses vollständigste Stück zeigt den Cephalothorax als Negativabdruck, dann Reste des ersten Fusspaares 

und das ganze Postabdonien. Von dem Cephalothorax maclite ich einen Gypsabguss, der vergrössert ge- 
zeichnet wurde. 

Eine Exuvie des Cephalothorax, bei welcher die linke Hälfte weiter nach vorne liegt. Reste des ersten 

Fusspaares liegen vor dem Cephalothorax. 

Propodit und Dastylopodit des ersten Fusspaares mit wohlerhaltener Bedornung des letzteren. Dahinter 

wahrsclieinlich der letzte Kaufuss, ober welchem der äussere Fühler liegt. 
Fig. 4. Ein Postabdomen eines kleineren Exemplars mit lädirter Schwanzflosse aber gut erhaltenen Epimereu. 
Fig. 5. Ein wohlerhaltenes Postabdomen, an welchem die queren Höckerreihen der Epimeren gut zu sehen sind. 

6. Fragment des Cephalothorax, vor dem die Basaltheile der äusseren P'ühler erhalten sind, dann das erste und 
zweite Fusspaar der linken Seite von einem halberwachsenen Exemplar. Das sehr gut erhaltene Stück 
wurde 6mal vergrössert gezeichnet und half viel zur Vervollständigung der restaurirten Figur. 

7. Cephalothorax vollständig, dann Fragmente der Füsse und des Postabdonien. Wurde nach dem Abguss ins 
Negativ gezeichnet. 

Fig. 8. Cephalothorax der Länge nach gespalten, vor demsell)en Fühler- und Extremitäten-Reste. 



Fig. 2. 



Fig. .3, 



Fig 



Fig. 



B e s c h r e i b u n g d e r A r t. 

Das grösste Exemplar wird vom Rostrum zur Schwanzspitze 125 mm und ganz mit ausgestreckten Füssen 
150 mm gemessen haben. 

Der Cephalothorax zeigt eine Länge von 40 mm, ist im vorderen Drittel schmäler, von " da ab breiter und 
bauchiger. Vorne läuft er in eine kurze Spitze aus. Eine Läugsfurche dem Rücken entlang dürfte als eine Vor- 
bereitung zur Exuvienbildung aufzufassen sein. 

Das vordere Drittel ist durch eine tiefe Nackenfurche von den üln-igen zwei Dritteln getrennt. Auf diesem 
vordersten Abschnitt verlaufen nach vorne vier geschwungene granulirte Falten. 



Familie Gli/phneidae. 



25- 



Diese Falten verlaufen nicht, ganz parallel zum Oberrande, sondern 
biegen vorne und hinten etwas nach oben um. Die dritte ist halb so lang 
als die zweite und schmiegt sich an dieselbe an. Auch der Rückenfirst ent- 
lang gewahrt man seitlich eine Reihe von kleineu Tuberkeln. 

Die Nackenfurche beginnt oben am Rücken, ist breit, gerade, ver- 
läuft nach unten und etwas nach vome und biegt vor dem unteren Rande 
sich verschmälernd nach vorne um. 

Auf diese Nackenfurche folgt eine zweite, die etwas tiefer beginnt, 
der ersten fast parallel läuft und früher nach vorne umbiegt. Die Wulst, 
welche zwischen den zwei Furchen sich erhebt, ist am vorderen Rande mit 
etwa 9 deutlichen Tuberkeln, der Hinterrand nur unten mit 3 solchen liesetzt. 

Der Branchial-Theil der hinteren Partie ist vom Rückentheil durch 
eine schiefe von innen und hinten nach vorne und aussen verlaufende Furche 
getrennt, die nach imten hin von einer Wulst begleitet wird. Oberhalb der 
Wulst ist ein mit kleinen Tuberkeln besetztes Plättchen wie eingesetzt. Der 
Hinterrand des Cephalothorax ist in der Mitte ausgeschnitten und trägt einen 
wulstigen Rand. Sonst ist die Oberfläche desselben glatt. (Vergl. Textfig. Nr. 46.) 

Das Abdomen ist im Vergleich zu dem Cephalothorax sehr breit 
und voluminös und wird in gesti'ecktem Zustande 65 mm gemessen haben. 
Die Breite der Segmente (ohne Epimeren) beträgt am 2ten Segmente 23 mm, 
am Gten 14 mm. Die Oberfläche der Segmente ist glatt und sind die- 
selben von den Epimereu durch eine vorspringende Längsfalte geschieden. 
(Fig. 5.) Die Epimeren sind abgerundet und tragen jede zwei Querreihen 
von kleinen Höckern. Dieselben mögen nur am ersten Segmente (das nur 
mangelhaft erhalten vorliegt) weniger gut entwickelt gewesen sein. 

Das Telson ist nach hinten zu verengt, stumpf abgerundet, trägt 
an seiner Basis eine höckrige Erhabenheit, an den Seiten je eine erhabene 
nach hinten sich verschmälernde Wulst. 

Die Seitenplatten der Schwanzflosse sind schmal und tragen der Mitte 
entlaug je eine erhabene Leiste, welche sich an der inneren Flosse gabelt. 
An der äusseren Platte konnte nicht erkannt werden, ob dieselbe der 
Quere nach getheilt ist oder nicht. 

Bezüglich der Antennen bin ich ziemlich unsicher, wie ich die 
vorliegenden Theile, die ich auf Textfigur Nr. 47. in Gfacher Vergrösserung 
gezeichnet habe, deuten soll. Hält man sich an die bei Glyphaea übliche 
Deutung, so würden die grossen runden Stiele (t) den hinteren Antennen 
angehören. 

Nach dieser Auffassung ist auch die restaurirte Figur zusammen- 
gestellt. 

Die Vergleichung mit dem verwandten recenteu Araeosternus dringt 
aber eine andere Deutung auf; darnach würde * den Basaltheil der vorde- 
ren Antennen und g dagegen den Basaltheil der hinteren darstellen. 

Die Entscheidung werden erst besser erhaltene Exemplare bringen. 

Das erste Fusspaar (Fig. 1., 2., 3., 6.) zeigt auf beiden Seiten 
gleiche Grösse. Es endigt mit einer gebogenen 12 mm langen Klaue. Der 
Propodit ist 18 mm lang, 5 mm breit und an seinem unteren Rande mit 
etwa 14 Dornen von ungleicher Grösse bewafihet. Der Carpopodit ist kurz 
und schmal ohne Domen. Der Meropodit stellt das kräftigste Glied der 
Extremität dar, ist fast so lang als der Pro- und Carpopodit zusammen 
und in seiner vorderen Hälfte erweitert; der ausgebuchtete Oberrand trägt 
im vorderen Drittel etwa ein Dutzend kleiner Dornen, der gerade Unter- 
rand 4 grosse Spitzen. 




Fig. 46. Glyphaea bohemica, Fr. 
Cephalothorax Smal vergrössert. 




Figur 47. Antennen von Glyphaea bohemica, Fr. 

Nach dem Exemplar Nr. 58. in 6facher Vergr. 

gezeichnet. (Deutung unsicher.) 
a Fragmente der Spitze des Cephalothorax, 
b Mandibel, c Basaltheil der hinteren Anten- 
nen? g Schuppe derselben, /, j, k vordere An- 
tennen? e, kf / Kaufuss. 

4 



9ß Familie Astacomorpha. 

Das zweite Fusspaar (Fig. 6.) ist wenig kürzer als das erste, endigt aucli mit einer Kralle, aber der 
Propodit ist nur doppelt so lang als breit und am unteren Rande nicht bedornt. Auf der Aussenfläche trägt er 
mehrere kleine Höcker. Der Carpopodit ist so lang als der Propodit; der Meropodit doppelt so lang und auch 
uubedornt. 

Die übrigen drei Fusspaare waren viel kürzer und dünner, liegen aber nur in sehr mangelliafter Weise 
erhalten vor. 

Von der Gattung Glyphaea waren lange nur zahlreiche .Turasische Arten durch Oppel*) bekannt und unter 
diesen nähern sich unserer Art in der Bedornung des Propoditen am meisten Glyphaea Heeri, Opp. und Gl. alpina Opp., 
während sie in der Furchung des Cephalothorax und durch die zugespitzten Epimeren von unserer Art abweichen. 
Audi weisen die Jurasischen Arten durchwegs parallele Höckerfurchen auf den Wangen auf. Noch mehr weicht 
unsere Art von der Gattung Pseudoglyphaea durch die Form der Epimeren ab. 

Aus der unteren Kreideformation waren bisher nur ungenügend erhaltene Exemplare von Kopfljrustschildern 
bekannt, und zwar : Gl. cretacea Mc. Coy, Gl. Carter! Bell und Gl. Neocomiensis Rob. Desw. — Th. Bell gibt in Dixon 
Geology of Sussex auf Taf. XXXVIII. **) Fig. 8. die Abliildung eines stark granulirten der G. Lundgreeni ähnlichen 
Cephalothorax aus turonen Schichten, ohne dieselbe zu l)enennen und zu besclireilieu. 

Sehr überraschend war die Entdeckung der Glyphaea Lundgreeni durch Schlüter***), welche aus den sehr 
jungen Kreideschichten, dem Saltholmkalke in Schweden herrührt. Dieselbe ähnelt durch Granulirung der Schale am 
Cephalothorax sowie an den Füssen viel mehr den .Tura-Arteu als [unserer böhmischen Art, auch sind die Höcker- 
reihen auf den Wangen einander ausgesprochen parallel. 

Die böhmische Art füllt die Kluft aus, welche in dem Vorkommen der Gattung Glyphaea zwischen der 
unteren und der obersten Kreide liestand. denn sie stanmit aus entschieden turonen Schichten mit Inoceramus labiatus. 



Familie Astacoiiiorpha. 



Körper cylindrisch, mit solidem verkalktem Hautpanzer. Cephalothorax stets mit Nackenfurche und schmalem 
ziemlich langem, spitzzulaufendem Rostrum. Innere Antennen in gleicher Höhe mit den äusseren entspringend, mit 
kurzem Schaft und kleinen Geissein; äussere Antennen mit langem Schaft, stark entwickelter Geissei und Schuppe. 
Sternum schmal. Die drei vorderen Beinpaare des Thorax endigen in Scheeren, das erste derselben zeichnet sich 
stets durch bedeutende Grösse aus und trägt den beweglichen Finger der Scheere auf der Innenseite, im Gegensatz 
zu den zwei folgenden Fusspaaren. Kiemen gefiedert Iiüschelförmig, zahlreich. (Zittel.) 

Gattung Enoploclytia, Mc. Coy. 

Körper gross, langgestreckt mit rauher stacheliger und gekörnter Schale. Cephalotliorax gewölbt, nach vorn ver- 
schmälert, mit langem, seitlich gezacktem, zugespitztem Rostrum; neben dem Augenausschnitt aussen ein Stachel. Nacken- 
furche tief; dahinter eine oder zwei fast parallele Querfurchen, deren Seiten sich stark nach vorn richten und mit der 
Nackenfurche vereinigen. Abdomen etwas kürzer als der Cephalothorax. Erstes Fusspaar sehr kräftig, etwas zusammen- 
gedrückt mit grossen stark verlängerten Scheeren, deren Finger auf der Innenseite mit Zacken besetzt sind. Die zwei 
folgenden Scheerenfüsse sind dünn und schlank. Telson suhtrigonal, gross, ungetheilt. 

Diese bisher giltige Gattungsdiagnose wird durch die mir vorliegenden Exemplare noch vielfach ergänzt. 
Das Abdomen ist so lang als der Cephalothorax. Das 4te und 5te Fusspaar mit langem dünnen Propodit. Die 
äusseren Schwanzplatten mit abgegliedertem hintersten Drittel. Die vorderen Antennen mit zwei langen dünnen 
Geissein, die hinteren Antennen mit kleiner Schuppe und schwacher Geissei. 



*) Oppel Palaeontol. Mittheilungen I. 1862 p. .56. 
**) Die ausserdem aus der Kreide angeführten Glyphaea Leachii, und Gl. ornata Roeiner gehören nicht der Gattung Glyphaea an. 

Vergl. Oppel pag. 58. 
***) Verhandlungen des naturhist. Vereines der preussischen Rheinlande und Westphalens 1874, pag. 48. Taf. H., Fig. .3., 4., 5. 



Familie Astacomorpha. 27 



Enoploclytia Leachi, Mant. 

Clytia Leachi, Reuss: Versteinerungen der böhm. Kreideformation I. p. 14. Taf. G. Fig. 1 — 6. Taf. 42. Fig. 3. — Reuss: Denkschriften 
der k. Akad. d. Wissenschaften in Wien. Band VI. 1853 p. 1. Taf. I— V. — Geinitz : Eibthalgebirge II. p. 205. Taf. 37. Fig. 31. 32. 

Tafel 9. Fig. 9. Textfigur Nro. 46—52. 

Von dieser schönen Art wurde seit dem Erscheinen iler vor 30 Jahren von Reuss verfassten Monogi'aphie eine 
grosse Anzahl von ExempLaren gefunden und die Zahl der Fundorte vermehrt. 

Die Prachtexemplare, welche gegenwärtig die Sammlungen des Museums zu Prag zieren, könnten einer 
stattlichen Monographie zur Basis dienen und eine gi'osse Reihe von Tafeln decken. Aus nahe liegenden Gründen 
muss ich die bildliehe Darstellung auf das nothwendigste beschränken und will dafür eine, wo möglich vollständig 
restaurirte Figur geben, welche die mehr schematisch gehaltene Darstellung von Reuss ersetzen soll. 

Zur Basis der restaurirten Figur dienten 17 ausgesuchte Exemplare, sämmtlich aus dem turonen Wehlowitzer 
Pläner vom Weissen Berge bei Prag und von Wehlowitz, und ich will dieselben hier mit Bemerkungen aufzählen. 

Nro. 61. Ein ganzes 17 cm langes Exemplar aus der Zeidlerischen Sammlung, diente mit dem nachfolgenden zur 
Präcisirung der Längenverhältnisse und zur Darstellung der Schwanzflosse. 

„ 62. Ein eben so grosses ganzes Exemplar aus Wehlowitz mit gutem Cephalothorax. 

„ 63. Gypsabguss eines 9 cm langen Cephalothorax, die eigentliche Schalenoberfläche zeigend. 

„ 64. Cephalothorax und Füsse des 2. — 5. Paares. Original zu Reuss Taf. I. Fig. 2. 

„ 65. Steinkem eines gut erhaltenen 7 cm langen Cephalothorax. 

„ 6ß. Gypsabguss des dritten bis sechsten Schwanzsegmentes und der Schwanzflosse. 

„ 67. Gypsabguss eines fast ganzen aber dislocirten Exemplars. Lieferte das erste und zweite Schwanzsegment 
und zeigt sehr deutlich die Granulirung des Cephalothorax. 

,, 68. Gypsabguss eines fast ganzen Exemplars mit gut erhaltenen 4 ersten Schwanzsegmenten. Der Cephalo- 
thorax der Länge nach aufgesprungen. (Exuvie.) 

„ 69. Gypsabguss der Scheere eines riesigen Exemplars mit gut entwickelter Bezahnung der Finger. (Im aus- 
gestreckten erhaltenen Zustande wird diese Extremität an 20 cm Länge gehabt haben.) 

„ 70. Scheere, neben welcher die beiden vorderen und die rechte hintere Antenne liegt. (Texttigur Nro. 50.) 

,, 71. Die Mundgegend, die Mandibeln sowie die Basaltheile der Antennen zeigend. (Taf. 9. Fig. 9.) 

„ 72. Ein fast ganzes verdrücktes Exemplar in Seitenlage mit dem zweiten Fusspaar. 

„ 7.3. Beide Scheereu des ersten Paares und eine des zweiten. Der in der Mitte getheilte Cephalothorax bietet 
von der linken Hälfte die Aussenseite, von der rechten seitlich verschobenen die innere Fläche (Exuvie). 
Die linke grosse Scheere zeigt gut den Ischiopodit und Basipodit. 

,, 74. Steinkern der Schwanzflosse und der drei letzten Schwanzsegmente. 

„ 75. Ein ganzes 22 cm langes Exemplar, an dem das vierte Fusspaar wohl erhalten ist. (Textligur Nro. 52.) 

„ 76. Cephalothorax und Schwanz. Original zu Reuss Taf. IL Fig. 4. 

„ 77. Ganzes Exemplar mit unterschlagenem Schwänze, von der Seite und von unten her entblösst. Zeigt den 
Meropodit sowie die Ischio-, Basi- und Coxopodit. (Textfigur Nro. 51.) 

Die hier aufgezählten Exemplare zerfallen in zwei Categorien. Erstens sind es Steinkerne, welche den 
Abdruck der Innenfläche der Schale zeigen und alle Höcker und Tuberkeln ausgeprägter erscheinen lassen. Die 
Schale selbst ist überall vollkommen verschwunden; die Steinkerne durch Brauneisenstein rostbraun gefärbt und 
durch denselben auch fester gemacht, als das umgebende Gestein es ist. 

Die zweite Categorie lag in guten Negativen vor, die ich sorgfältig reinigte, mit Schellacklösung überzog 
und nach vorsichtiger Einfettung zu einem Abguss mit Pariser Gyps verwendete. Dies ergab prachtvolle Objekte, 
welche das Bild der ehemaligen Schalenoberfläche bieten. Diese Objekte haben ein sehr abweichendes Aussehen 
von den Steinkernen und wenn z. B. der Steinkern eines Schwanzsegments zahlreiche spitze Höcker zeigt, sieht man 
am Abgüsse, dass die 01)erfläche der Schale fast glatt und mit Poren verziert war. 

4* 




Figur 48. Enoplociytia Leachii, Mant. 
Restaurirt nach den besten im Museum zu Prag befindlichen Exemplaren. 



(Auf Kornpapier gezeichnet von F. Lflnghana. Phototypie von Ängerer 4 Goescbel in WienO 







Figur 49. Enoploclytia Leachii, Mant. 
Restaurirt nach den besten im Museum zu Prag beÖQcllichen Exemplaren. 



(Auf Koi-npspier gezeichnet von F. Langhans. Photofypie von Angerer & Goeschel in Wien.) 



30 



Familie Astacomorplia. 



Der Grösse nach zerfallen die vorliegenden Exemplare etwa in drei Categorien, deren Dimensionen ich in 
nachstehender Tabelle, nur annäherungsweise richtig, übersichtlich zusammenstelle. 



Gesammtlänge \ Cephalothorax 



Abdomen 



Scheere 



A. 


Nro. 


61. . . 


17 cm 


B. 


Nro. 


75. . . 


22 „ 


C. 


Nro. 


63. 69. 


30 ? 



o'o cm. 

8 „ 
8-8 „ 



5"6 cm. 



8-8 



o'o cm. 

8 „ 



Daraus ersieht man, dass der Cephalothorax in Länge dem Abdomen und fast auch der Scheere gleichkommt. 

Der Cephalothorax läuft vorne in ein spitzes, jederseits mit 3 Zacken versehenes Rostrum aus; seiner 
Mitte entlang verläuft eine vorspringende Leiste, die sich dann als lang-elliptisches mit 4 Höckern besetztes Blättchen 
zwischen die Hälften des Cephalothorax einschiebt. Das Eostrum sammt dem Blättchen nimmt -/j der Thoraxlänge 
ein und erreicht nicht die Nackenfurche. Nach aussen vom Augeneinschnitt ist ein vorspringender Stachel. 

Der Raum zwischen dem Vorderrande und der Nackenfurche trägt die grössten Höcker, von denen nach 
vorne hin zwei Längsreihen ä 3 Höcker besonders deutlich hervortreten. Der nachfolgende Abschnitt von der 
Nackenfurche bis zur ersten Rückenfurche ist unregelmässig und etwas feiner gekörnt als der vordere. 









Figur 50. Enoplociytia Leachi, Maat, 
.a Vordere Autenneu und linke hintere Antennen. (Nat. Grösse. Xro. d. Orig. 70.) h Basaltheil der vorderen 
Antennen 3mal vergrössert. c Basaltheil, Schuppe und Geissei der hinteren Antennen. 3mal vergrössert. 



Der Raum zwischen der ersten und zweiten Rückenfurche und der ganze Branchialtheil des Cephalothorax 
ist ganz fein gekörnt. Die Ränder des Cephalothorax sind leistenartig verdickt. 

Zwischen der seitlich herabsteigenden Nackenfurche und der ersten Rückenfurche erheben sich gegen unten 
hin zwei rundliche Erhabenheiten, die man an der in seitlicher Lage gegebenen Restauration (Textfig. Nro. 49.), die nach 
dem Exemplar Nro. 73. entworfen ist, deutlicher ihrer Form nach studieren kann, als durch ausführliche Beschreibung. 

Indem ich im allgemeinen auf die ausführliche Beschreibung verweise, die Reuss gegeben hat, will ich mich 
in nachstehendem nur auf die ergänzenden Bemerkungen beschränken. 



Familie Astacomorphn. 3| 

Das Abdomen zeigt an den 5 ersten Segmenten die hintere Ecke der Epimeren in eine gerade Spitze 
ausgezogen; am seclisten Segment ist diese Spitze von der vorderen Hälfte der Epimere gebildet. 

Die Oberfläche aller Segmente ist glatt, mit deutlichen Poren (Steinkeme sind mit kleinen Höckern besetzt). 
Am Mitteltheile ist jederseits eine tiefe Furche, welche nach vorne und aussen ein dreieckiges Stück abschneidet, 
das durch eine Längswulst von den Epimeren getrennt mrd. (Nro. Q6. und 67.) 

Das Ite Segment ist das kürzeste und mehr als die Hälfte des Mitteltheiles, der zum Unterschieben 
unter den Cephalothorax bestimmt ist, ist vollkommen glatt; die Epimeren schwach entwickelt. 

Das 2te Segment ist das längste und seine Epimeren stark nach aussen und vorne verbreitet, nach 
hinten in eine kleine Spitze ausgezogen. 

Das 3 — 5te Segment haben die Epimeren spitz dreieckig. 

Das 6te Segment ist zur Aufnahme der Schwauzplatten abnorm gestaltet, die Spitze der Epimeren wird 
von deren vorderer Hälfte gebildet, während die hintere Hälfte den Gelenkeiusohnitt für die mittlere Seitenplatte trägt. 

Die Schwanzflosse, die Reuss unbekannt war, wurde von Geinitz (im Eibthalgebirge) nach einem un- 
vollständigen Steinkerne abgebildet, liegt uns aber in sehr vollständiger Erhaltung vor. 

Das Telson (Nro. 66. und 74) verschmälert sich nach hinten zu und ist am Ende abgerundet, am 
Rande bewimpert; an der Basis erhebt sich ein quer verlängertes Dreieck, von dessen nach hinten gekehrter Spitze 
zwei einander parallele Längswülste herablaufen. An die Seiten des Dreieckes lehnt sich jederseits eine bauchig 
aufgetriebene nach hinten zu sich verschmälernde Wulst. An Steinkernen erscheinen diese Längswülste höckrig. 

Die innere S e i t e n p 1 a 1 1 e trägt in der Mitte eine gabelig gespaltene Leiste, von der radiale Strahlen 
zu den Rändern verlaufen. 

Die äussere Seitenplatte trägt eine sichelförmig gebogene Leiste, welche bis zu dem als selbständiger 
Lappen abgetheilten hinteren Drittel der Platte reicht. 

Die vorderen Antennen haben drei Basalglieder und zwei Geissei, welche etwa -/j der Länge der 
Scheere haben. (Textfigur Nro. 50. Original Nr. 70.) 

Die hinteren Antennen (Textfigur Nro. 50c.) zeigen an demselben Exemplare ein seitlich bedomtes 
grosses und ein kleineres Basalstück, neben dem eine Schuppe liegt, die etwas kürzer ist als das grosse Basalstück. 
Der Aussenrand der länglich spitzigen Schuppe ist gerade, der innere etwas ausgebuchtet, beide zeigen Spuren 
von Dornen. 

Die G e i s s e 1 ist wenig stärker als die der inneren Antennen und ihre Länge lässt sich nicht genau angeben. 

Von den Mundtlieilen hat sich das erste Paar an zwei Exemplaren erhalten und weicht dasselbe kaum 
von dem des Hummers ab. (Taf. 9. Fig. 9.) An dem anderen Exemplar sind auch die Taster abgedrückt. Von Kau- 
füssen hat bereits Reuss das letzte Paar abgebildet. 

Das erste Fusspaar hat die Finger doppelt so lang als die Scheere; dieselben sind schlank und in 
geschlossenem Zustande zuerst einander parallel, im vordersten Viertel aber biegen sie etwas nach aussen, um sich 
dann an den Spitzen hakenförmig gegen einander zu kehren. Die Zähne an den Fingern sind gerade, spitz und 
von abwechselnder Stärke; etwa 15 stärkere und annähernd so viel schwächere an jedem Finger. Die Oberfläche 
der Finger ist glatt und trägt Reihen kurzer Längsfurchen. Der innere Finger ist der bewegliche Dactylopodit. 

Der Scheereutheil des P r o p o d i t s ist bauchig mit dichten kleinen Höckern besetzt, unter denen grössere 
auf der Aussenseite in 3 Reihen stehen. 

Der C a r p o p o d i t ist kurz, herzförmig, auf dem Innen- sowie am Aussenrande auffallender bedornt. 

Der Meropodit ist doppelt so lang als breit, flach, von etwas elliptischem Querschnitt, auf beiden Rändern 
mit langen Domen bewaffnet, sonst fast glatt (am Steinkerne). 

Die Grössen- und Formenverhältnisse der Ischio-, Basi- und Coxopodits sind an dem mit der Unterseite nach 
oben gewendeten Exemplar (Nro. 77.) schön wahrzunehmen. (Siehe Textfig. Nro. 51.) 

Das zweite Fusspaar endigt mit einer hübschen kleinen Scheere, deren verzierter beweglicher Finger 
nach aussen gekehrt ist. 

Das dritte Fusspaar trägt eine viel kleinere Scheere. 

Das vierte und fünfte Fusspaar endigt mit einem kleinen herzförmigen Dactylopodit. Der Pro- 
podit ist lang und schmal, die übrigen Glieder auffallend stärker. (Siehe Textfigur Nro. 52.) 



32 



Familie Astacomoiyha. 



Die vorangehende Beschreibung ist nach Exemplaren aus den Weissenberger Schichten entworfen. Die Exem- 
plare, welche aus den übrigen Schichten der böhm. Kreideformation hemihren, bieten keine besonderen Eigenthüm- 
lichkeiten und liegen auch in viel mangelhafteren Exemplaren vor, so dass ich auf eine eingehendere Beschreibung 

derselben nicht eingehe. 

Die Aufzählung der nachfolgenden Fundorte zeigt, dass die Enoploclytia viel länger in Böhmen lebte, als 
man fi'üher annahm. 

Ausser dem Weissen Berge bei Prag und den Wehlowitzer Steinbrüchen besitzen wir diese Art aus dem 

Wehlowitzer Pläner der Weissenberger Schichten von Lissa, Hrädek, Schlan, 
Smolnic, Slavetln, Vinar, Cernosek etc. und werden die Reste derselben wohl überall 
zu erwarten sein, wo der Baupläuer in grösseren Dimensionen ausgebeutet werden wiitl. 

Aus den Malnicer Schichten besitzen wir Reste sowohl aus den Launer 
Knollen (Kostka's Steinbruch) als auch aus den Malnitzer Avellanenschichten aus 
der Gegend von Laun. 

Aus den Is er schichten erhielt ich blos ein einziges Fragment eines 
grossen Cephalothorax, welches der leider so früh verstorbene Herr Josef Prazäk 
in den höheren Lagen (V) der Trigoniaschicliten bei Krnsko auffand. 

Aus den Teplitzer Schichten wird die Art schon von Reuss aus Huu- 
dorf und Kutschlin angeführt und das Museum erhielt jüngstens gute Scheeren aus 
denselben Schichten von Kystra durch Herrn Dr. Curda. 

In den tieferen Lagen der Priesen er Schichten fand ich ein fast 
ganzes Exemplar lieim Eisenbahneinschuitt „Sutiny" unweit Chotzen. In den höch- 
sten Lagen dieser Schichten fand ich in Priesen bei Laun eine Sphaerosideritkugel, 
in der ein eingerolltes ganzes Exemplar enthalten ist. Es gelaug nur die Scheere, 
ein Schwanzsegment und zwei Seitenplatten der Schwanzflosse zu entblösen, an denen 
aber vollständige Uebereinstimmung mit den typischen Exemplaren aus älteren 
Schichten wahrzunehmen ist. 

Aus den Chlomeker Schichten ist diese Art weder aus Böhmen 




Figur 51. Basis der linken Extre- 
mität des I. Paares. 

1. Coxopodit, 2. Basipodit, 3. Isuhio- 
podit, 4. Meropodit. Ansicht von 
unten. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 77.) 



noch von Kieslingswalda bekannt. 

Die ausländischen Vorkommnisse dieser Art findet man in der 
Monographie von Reuss aufgezählt und gewürdigt. 



grossen 



(Astacus) cenomaiieiisis. 
Taf. 9. Fig. 10-13. 

Unter diesem provisorischen Namen führe ich hier die sehr spärlichen Reste 
von Scheeren eines macrouren Decapoden an, welche vielleicht einem Vorfahren 
unserer Enoploclytia angehören könnten, aber nur dazu hinreichen, anzudeuten, 
dass ein ähnlicher Krebs mit rundlicher Scheere und geraden gezähnten Fingern 
bereits in den cenomanen Korytzaner Schichten in. Böhmen vorkömmt. 

Der eine Rest Fig. 13. ist ein Steinkern eines glatten, ovalen regelmässig 
gewölbten Scheerengliedes, an welchem noch ein Rest des unbeweglichen Fingers 
erhalten ist. Länge 11 mm. Dann liegt ein 6 mm langer Finger mit 3 drei- 
eckigen verhältnissmässig ki'äftigen Zähnen vor, an dessen oberer und unterer 
Fläche je eine Porenreihe wahrzunehmen ist, und ein 7 mm langer Steinkern eines ähnlichen Fingers vor. (Fig. 
10., 11. und 12.) 

Alle diese Reste sind aus dem Rudistenkalke von Korytzan. 

Einen Finger, welcher der Fig. 10. imd 11. sehr ähnlich ist, bildet Geiuitz im Elbthalgebirge ab unter dem 
Namen Hoploparia sp. (Taf. 64. Fig. 10.) aus den Cenomanschichten des Plauuischen Grundes. 



Figur 52. Rechter Fuss des 4ten 
F>aares von En. Leachi. 

Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 75. 



Familie Astacomorphi 



33 



Gattung Schlüteria, Fr. 

In Gestalt einer Enoploclytia ähnlich; das erste Fusspaar mit grossen, breiten, grob 
bezahnten Scheeren; das zweite mit breiten, flachen, scharfrandigen Scheeren; das dritte 
und vierte sehr lang und dünn ohne Sc beere; das fünfte Fusspaar sehr kurz. Epimeren in 
zwei Spitzen auslaufend. 




Figur 53. Schlüteria tetracheles, Fr. 

Nach 7 Exemplaren von Wehlowitz und vom Weissen Berg bei Prag restaiirirf. ^^ nat. Grösse. 

Diese neue Gattung, welche ich nach dem um die Kenntniss der Kreidecrustaceen hochverdienten Prof. 
Schlüter benannte, ist durch den abnormen Bau der Scheere des zweiten Fusspaares, den [Mangel der Scheere am 
dritten Paare und durch die Verkümmerung des fünften Paares von den normalen Astacideu verschieden. 



Schlüteria tetracheles, Fr. 
Taf. 6. Fig. 1-7., Taf. 7. Fig. 1-3., Textfigur Nro. 53-55. 

Unter den zahlreichen am Weissen Berg isolirt gefundenen Krebsscheeren, die meist der E. Leachi ange- 
hörten, war mir seit längerer Zeit eine kurze, breite Form auffallend, von der ich aber dachte, dass dies bloss eine 
Varietät von E. Leachi sei, Iiei der vielleicht die Scheeren äjmlich wie beim recenteu Hummer individuell abwei- 
chend geformt wären. 

Später sanmielte ich in Wehlowitz mehrere, fast ganze Exemplare des Krebses, zu dem die breiten Scheeren 
gehörten, und erkannte bald, dass dies eine ganz neue Gattung ist, welche von der Enoploclytia sehr abweicht. 

Der Cephalothorax (Taf. 6. Fig. 1.) ist durch die Nackenfurche in zwei ungleiche Hälften getheilt. 
Der Vordertheil ist kürzer und schmäler als der Hintertbeil. seiner Mitte entlang trägt er vorne eine Längskante, 
die in einen scharfen Schnabel ausläuft, nach hinten hin sich verliert und in der Mitte mit einem Höcker endet. 
An den Wangen ziehen sich parallel zu einander drei Höckerreihen, die sich zu den Seiten des vorderen Längskieles 
umbiegen. Die mehr nach innen stehende Reihe steht auf einer schai'fen Leiste, deren äusserer Abhang mit etwa 
15 Querleisten gekerbt ist. Der Hintertbeil des Cephalothorax ist mangelhaft erhalten, scheint ziemlich glatt gewesen 
zu sein und nicht sehr ausgeprägte Seitenfurcheu besessen zu haben. 

Die vorderen Antennen sind an keinem Exemplare wohl erhalten. Die hinteren Antennen 
waren mit einer langen schmalen Geissei versehen, welche die Länge des Cephalothorax sicher übertroffen hat. (Taf. G. 
Fig. 3.) Ihr erhaltener Mitteltheil ist IVj mm breit und die einzelnen Ringel, die durch eine Einkerbung von 
einander getrennt sind, haben 1 mm Länge. 

Das erste Fusspaar trägt eine sehr kräftige breite Scheere, welche auf beiden Seiten ziemlich gleiche 
Dimensionen besass. In ihrem Habitus erinnert dieselbe an Enoploclytia brevimana M'Coy. *), von der man aber 



*) Annais nat. history. 1849. 



34 



Familie Astacomorpha. 



die übrigen Fusspaare nicht kennt. Die Finger übertreft'en nur um ein Viertel ihrer Länge die Hand, sind breit, 
an den Spitzen massig gegeneinander gebogen. Eine grosse Scheere von Wehlowitz, die von beiden Seiten betrachtet 
werden kann, bietet folgendes Detail der Verzierungen. Die Ausseuräuder der Finger und der Hand sind mit nach 
vorne gerichteten Spitzen besetzt, die doppelt so laug als breit sind. Die einander zugekehrten Ränder der Finger 
tragen etwa ein Dutzend starker kegelförmiger Zähne, die aber nicht immer alle erhalten sind. Die Aussenfläche 
der Scheere zeigt am beweglichen Finger drei unregelmässige Längsreihen kleiner Tuberkeln, der unbewegliche 
Finger eine ziemlich regelmässige, der Mitte entlang verlaufende Reihe derselben. 

Die Hand selbst zeigt eine feine Granulation und unregelmässig zerstreute grössere Höcker, die blos an 
der Basis des beweg]. Fingers eine schief nach innen gerichtete Reihe bilden. 

Die Innenfläche (Fig. 6.) hat am beweglichen Finger und auf der Hand weniger Tuberkeln, aber am unbe- 
weglichen Finger verläuft ausser der regelmässigen Mittelreihe noch eine Reihe kleinerer Tulierkeln dem hinteren 
inneren Rand entlang. 

Ganz ähnlich gestaltet ist eine kleinere gut erhaltene Scheere vom Weissen Berg bei Prag (Taf. 6. Fig. 2.), 
an der man aber sieht, dass die Zahl und Form der Höcker und Zähne individuell abweicht. 

Ein Fragment des unbeweglichen Fingers von 70 mm Länge (Taf. 6. Fig. 3.) zeigt, dass diese Art bedeu- 
tende Dimensionen erreicht hat und im Alter weuigei-, aber grössere Zähne am Innenrande der Scheere getragen hat. 
Das Carpopodit ist fast so laug als breit. 

Das Meropodit ungewöhnlich stark entwickelt, zweimal so lang als breit, von den Seiten zusammen- 
gedrückt, am unteren Rand mit starken Dornen bewaffnet. Die dann folgenden drei Glieder sind doppelt so breit 
als lang und ziemlich von gleicher Grösse. 

Das zweite Fusspaar trägt eine sehr tiache, kurze aber sehr breite Scheere; der bewegliche Finger 
ist dreimal so lang, als er an der Basis breit ist, am Innenrande schneidig, nicht gezahnt. Der unbewegliche Finger 
verschmilzt mit der Hand zu einer halbkreisförmigen Scheibe (Taf. 7. Fig. 2.), deren Aussenrand mit einer Doppel- 
reihe von feinen Höckerchen verziert ist. Parallel zum Aussenrande verläuft eine Reihe von 7 grossen Gruben, die 
wohl Tasthaaren zur Insertion gedient haben. (Taf. 9. Fig. 8.) 

Der Innenrand ist ebenfalls scharf schneidig, wie beim beweglichen Finger. Die Basis der Scheere trägt einen 
tiefen Geleukeiuschnitt zur Aufnahme des Carpopodits, das etwas kürzer ist als die Scheere, nach hinten sich verengt 
und am unteren Rande eine Reihe von Poren trägt. 

Das Meropodit ist 3 '/„mal so lang als es in der Mitte 
})reit ist; sein Oberrand ist gerade, der Unterrand ausgebuchtet und 
mit langen spitzen Dornen bewaffnet. 

Die übrigen Glieder nicht genau bekannt. Ich vermuthe, dass 
diese Extremität mit ihrer flachen Scheere dazu gedient hat, die Schliess- 
Muskeln der am Strande halb klaffend liegenden Bivalven (Inoceramus, 
Lima etc.) zu zerschneiden. 

Das dritte und vierte Fusspaar ist fast ganz gleich 

gebaut, auffallend lang und dünn (Taf. 7. Fig. 3.) Das Dactilopodit 

dünn, kurz, sein Ende nicht bekannt, aber wahrscheinlich einfach 

klauenförmig ; das Propodit dünn, rund, mehr als lOmal so lang als 

breit; das Carpopodit ist etwas stärker und flacher, 7mal so lang als 

breit. Das Meropodit ist von den Seiten flach gedrückt, fast 5mal so 

lang als breit. Der Steinkern desselben querrunzelig. (Textfig. Nro. 54.) 

Das fünfte Paar war verkümmert und scheint kaum ein 

Drittel der Länge des vorangehenden Paares (Taf. 7. Fig. 3.) gehabt 

zu haben. 

Das Abdomen zeigt die normale Bildung der Macruren, ist breit, l'/« so lang als der Cephalothorax ; von 

kräftigem Baue und mit einer grossen Schwanzflosse versehen. 

Die Oberfläche ist glatt und nur sparsam mit kleinen Tuberkeln besetzt. Die Epimeren der "einzelnen Segmente 
sind in zwei Spitzen ausgezogen; die vordere ist hakenförmig und es setzt sich auf dieselbe der Vorderrand der 
Epimere fort. Die hintere Spitze nimmt mit ihrer Basis zwei Drittel der Epimere ein. 

Ich war während der Herstellung der Tafeln und der restaurirten Figur wegen dem schlechten Erhaltungs- 
zustande der Exemplare in Unsicherheit über die Form der Epimeren und erst ein in neuester Zeit dem Museum 




atea»«**»«" 




Figur 54. Schlüteria tetracheles, K-. 

Dritter Fuss der recliteu Seite. Nat. Grösse. 



Familie Astacomorpha. 



60 




durch Herrn Verwalter Wurm geschenktes Exemplar aus Wehlowitz ei-möglichte die genaue Darstellung derselben, 
wie es Textfigur Nro. 55. aufweist. 

Die Epimere ist vom :MitteItheile des Segments durch eine etwas nach aussen gebogene Wulst getrennt, 
die '/^ der Länge des Segments einnimmt, dann folgen zwei kleine und ein grosser Höcker. 

Am Vorderrande vor der Wulst steht ein Fortsatz zur Gelenkverbindung mit 
dem vorangehenden Segmente, dem ein Einschnitt am Hinterrande entspricht. 

Der Mitteltheil des Segmentes zeigt an den Seiten zwei schwache, der grossen , 
Wulst parallele Wülste. 

Die Schwanzflosse ist verhältnissmässig sehr gross, länger als die letzten zwei 
Segmente und ihre Oberfläche ist mit schief nach hinten gestellten Röhrchen besetzt. 
Das Telsou war viel glatter als bei Enoploclytia und die sehr breiten Seitenplatten trugen '_^ 

jede einen deutlichen Längskiel. Ob die äussere Platte den Endlajipen abgegliedert hatte, 
konnte ich nirgend wahrnehmen. ' ■"'^"/.^^'u f'^"'"*''"'^ 

l6tr3.Ch6l6S Fl' 

Diese Art fand ich auch in den Priesener Schichten von Priesen, und zwar eine Rechte Hälfte des fiinfteu 
Scheere, welche in Grösse und Form derjenigen gleicht, welche icli auf Taf. G. Fig. 2. Segments. (Nat. Grösse, 
aus den Weissenberger Schichten abgebildet habe. Xro. des Orig. m;.) 

Gattung Nymphaeops, Schlüter. 

Körper langgestreckt; Cephalothorax glatt, erheblich kürzer als das Abdomen, darch eine bis zur halben Höhe 
reichende seitlich gegabelte Nackenfurche halbirt. Jedes der beiden davorliegenden Seiteutheile mit einer fast halbkreis- 
förmigen Furche und einer gekrümmten Nebenfurclie, welche einen Knoten besitzt. Epimeren des Abdomen kurz, breit 
abgestutzt. Seitliche Schwanzlappen gross, gerundet, glatt. Vorderfüsse kräftig, Scheeren stark verlängert, zusammengedrückt, 
Finger ganzrändig. (Zittel.) 

Nymphaeops? limatiis. Fr. 

Taf. 5. Fig. 6. 

Wir besitzen aus dem turonen Pläner vom Weissen Berge bei Prag den Steinkern eines Cephalothorax 
und eines Abdomens, dessen hinteres Drittel unterschlagen ist. Trotz des mangelhaften Erhaltungszustandes nimmt 
man doch daran eine grosse Aehnlichkeit mit der Gattung Nymphaeops wahr. Namentlich die Form der Naeken- 
furche und der dahinter stehenden halbmondförmigen Magengegend, sowie die kurzen abgerundeten Epimeren erlauben 
eine Vergleichung. Ich stehe von einer ausführlichen Beschreibung des Stückes ab, indem ich nur durch die Abbil- 
dung auf das mögliche Vorkommen dieser Gattung in Böhmen die Aufmerksamkeit lenken will. 

Gattung Hoploparia, 3ic. Coij. 

Körper etwas zusammengedrückt mit breiten Seiten. Cephalothorax gekörnelt. Rostrum sehr schmal, lang, ganz- 
randig. Nackenfurche tief, nach den Seiten plötzlich authörend, den Rand nicht erreichend; vor derselben auf den Seiten- 
flächen eine A-förmige Furche. Neben den Augeneinschnitten auf der Aussenseite ein halbcylindrischer langer Fortsatz, 
welcher die Basis der Antennenschuppe bedeckt. Die zwei sehr starken vorderen Scheerenfüsse ungleich ; die Finger der 
grösseren Scheere am Innenrande grob gezackt, die der kleineren, schlankeren Scheere fein gezähnelt. Epimeren der hinteren 
A bdominalsegmente zugespitzt. 

Hoploparia biserialis, Fr. 

Taf. 3. Fig. 5., Taf. 5. Fig. 1—3. a. Textfigur Nro. 56. 

Kennzeichen der Art. Die Scheere trägt am Inneurande des Basalstückes zwei Reihen spitzer Höcker ; 
der Cephalothorax ist ohne Höckerchen. 

Auf das Vorkommen der Gattung Hoploparia wurde ich durch die Auffindung einer riesigen Scheere, die 
unser Museum vom Hemi Josef Simäcek erhielt, aufmerksam gemacht. 

5* 



36 



Fatnilie AstacomorpTia. 




Figur 56. Hoploparia biserialis, Fr. 

Vom Weissen Berge bei Prag. Xat. Grösse. Kro. d. Ürig. 91 



Dieselbe misst (sammt den abgebrochenen Spitzen) 14-5 cm. Die Finger sind fast doppelt so lang als die 
Hand, flach, jeder 13 mm breit. Die Hand trägt am Innenrande zwei Reihen spitzer, nach vorne gerichteter Höcker, 
von denen in jeder Reihe 6 stehen. Stellenweise ist ein Höcker durch zwei kleinere ersetzt. 

Der Aussenrand der Hand sowie des unbeweglichen 
Fingers ist mit einem glatten verdickten Falze umrandet. 

Die Oberfläche der Hand sowie der Finger ist fein 
granulirt. 

Der Aussenrand des beweglichen Fingers ist etwas 
verdickt und trägt blos gegen die Basis hin Reste von zwei 
grossen Höckern. Die Innenränder der Finger sind schneidig 
mit schwachen Spuren abgenützter Zähne. 

Das Exemplar stammt aus einem grossen festen Kalk- 
kuollen aus der Umgegend von Bechlin und es ist nicht ganz 
sicher, ob derselbe aus den Weissenberger oder den Malnitzer 
Schichten entstammt. Nach Resten, die sich an dem Hand- 
stück befinden, ist zu erkennen, dass der Knollen den ganzen 
Krebs enthielt. 

Bei der Revision der Voiräthe fand ich auch unter 
den Crustaeeen vom Weissen Berge Reste einer Scheere neben 
einem Fragment eines Cephalothorax und des Abdomen, wor- 
nach das Vorkommen der Art daselbst sichergestellt wurde. 
(Taf. 5. Fig. 3a.) Später noch ein fast ganzes Exemplar (ohne 
Scheeren), das die Form der Schwanzsegmente prachtvoll auf- 
weist. (Textfigur Nro. 56.) 
Der Steinkern des Cephalothorax ist ganz glatt und zeigt eine dichte feine Punktirung, nur unterhalb der 
beiden Furchen ist eine quergerunzelte Stelle, das Rostrum ist abgebrochen, nach aussen vom Augeneinsclmitt eine 
stumpfe Spitze. Die vordere Wangenfurche beginnt tief unter dem Rücken, biegt dann bogenförmig nach vorne und 
reicht daselbst bis zum Schalenrand. An der Umbugstelle geht eine Seitenfurche zwischen zwei Erhöhungen. Die 
Nackenfurche ist tief und verliert sich gegen den Unterrand der Schale. 

Die Schwanzsegmente sind glatt, fein punktirt; das erste fehlt, das zweite ist gross; die Epimere durch 
eine nach aussen ausgebuchtete Längswulst vom Mitteltheil abgesondert. Die Epimere fast viereckig, der Aussen- 
rand trägt vor der abgebrochenen hinteren Ecke ein tiefes Grübchen. Parallel zum Hinterrande verläuft eine nach 
vorne umbiegende Furche. 

Aehnlich sind die übrigen Epimeren beschatten, ihr Aussenrand ist aber in seiner Mitte in eine kurze, 
etwas nach hinten gerichtete Spitze ausgezogen. 

Von der Schwanzflosse ist blos die äussere Platte gut erhalten und man sieht au derselben, dass das letzte 
Drittel als separater, fein gestreifter Lappen abgegliedert ist. 

Unterhalb des Cephalothorax liegt noch eine verworrene Gruppe von Kaufüssen. 

In neuerer Zeit sammelte ich ein fast ganzes Exemplar und mehrere Fragmente dieser Art in Vinar bei 
Hohenmauth. Der Cephalothorax zeigt das für diese Gattung charakteristische unbedornte Rostrum , das nur 
gegen die Basis hin eine feine gekörnte Leiste trägt. (Taf. .5. Fig. 1.) 

Die Fragmente der Scheere zeigen die Doppelreihe der Höcker am Aussenrande der Hand und eine sehr feine 
Bezahnung des Innenrandes eines Fingers. Auch im übrigen stimmen die Reste mit den eben beschriebenen vom 
Weissen Berge. Ein isolirter Cephalothorax (Fig. 2.) hat einen Rest der Schale erhalten, wo die Rauhigkeit der 
unteren Wange gut zu sehen ist, wie die vergrösserte Figiu' 26. zeigt. 

H. biserialis ist von den meisten englischen Arten durch den glatten Cephalothorax verschieden, namentlich 
von H. Saxbyi M'Coy, welcher sie im Scheerenbau sich am meisten nähert. Die Scheere hat am Innenrand bei 
unserer Art zwei Höckerreihen, bei Saxbyi wird ausdrücklich nur eine angeführt und abgebildet. Im Baue der 
Epimeren stimmt unsere Art mit H. granulosa Beil., sowie auch mit H. longimana Sow., weicht von ersterer durch 
den Mangel der Granulirung des Cephalothorax, von letzterer durch die Form der Scheere ab. 



Familie Astacomoi-pha. ay 

Hopl<>i)aria falcifer, Fr. 

Taf. 5. Fig. 3. b. <■., 4. u. 5. 

In den tieferen Lagen der Weissenlierger Schichten, und zwar in dem Horizont der Dfinover Knollen fand 
ich Fragmente von Scheeren, die wahrscheinlich der Gattung Hoploparia angehören. Ihi-e Schale ist fein und dicht 
punktirt und die beiden Finger tragen auf der Fläche eine deutlich vorspringende Leiste. An den Rändern der 
Finger sieht man je zwei kräftige stumpfe Zähne. Auf der Scheere, die so lang ist als die Finger, stehen an dem 
Exemplare von Dfinov zwei grössere Höckerreihen. 

Derselben Art dürfte auch eine Scheere angehören, die vom Weissen Berge in ziemlich schlecht erhaltenem 
Zustande vorgefunden wurde (Fig. 4.) und auch die Leiste an den Fingern deutlich aufweist. 

In meiner Monographie der Weissenberger und Malnitzer Schichten erwähnte ich auch die Fragmente einer 
Hoploparia (cf. punctata) aus den Dfinover Knollen von Chabrv bei Rostok, welche sehr wahrscheinlich dieser Art 
angehören. 

Gattung Paraclytia, Fr. 

'W'eissenbergpi- und Malnitzer Schichten jiag. 14.'j. 

Gesammtgestah ähnlich der Gattung Nephrops, das Rostrum trägt jederseits 4 Dornen, welche auf der ganzen 
Länge der Ränder vertheilt sind. (Bei Keplirops nehmen sie nur den vorderen Theil des Rostrum ein.) Auf dem Räume 
vor der Nackenfurche eine mittlere und jederseits 3 Seitenreihen von spitzen Dornen. 

Diese Gattung charakterisirte ich im Jahre 1877 als eine durch schmale mit schuppig verzierten Scheeren 
ausgezeichnete Form, welche gegen Enoploclytia eine ähnliche Stellung einnimmt als der jetzt lebende Nephrops 
gegen den Hummer. 

Da ich damals nicht in der Lage war gleich die Abbildung zu veröffentlichen, so stellte im Jahre 1879 
Schlüter*) ähnliche Reste aus Deutschland zur Gattung Hoploparia und nannte die Art H. nephropiformis. 

Da sich aus vorangehender Charakteristik ersehen lässt, dass wir diesen Krebs nicht zur Gattung Hoploparia 
stellen können, so behalte ich den für ihn aufgestellten Gattungsnamen Paraclytia. 

So lange das unbedornte Rostrum in der Diagnose der Gattung Hoploparia seine Geltung hat, kann die 
vorliegende Art nicht dieser Gattung eingereiht werden. Vielmehr wird man bei Betrachtung der ganzen restau- 
rirten Figur geneigt sein, an eine Einreihung in die Gattung Nephrops zu denken, was vorderhand wegen der 
starken Bedornung des vorderen Theiles des Cephalothorax kaum thunlich erscheint. 

Die Paraclytia steht zwischen Nephrops und Hoploparia, mit ersterem hat es das bedornte Rostrum, mit 
letzterem die bedornten Wangen gemein. Eine ähnliche Form Hoploparia sulcirostris, Bell**) aus dem Gault stellt 
bereits Zittel zu Nephrops. 

Paraclytia Nephropica, Fr. 
Taf. 4. Fig. 16. Textfig. Nro. 57. 

1S77. Weissenberger Schichten pas- l-lö. 

Von dieser Art sammelte ich bereits im Jahre 18.56 mehrere Exemplare am Weissen Berge bei Prag und 
stellte dieselben Prof. Reuss behufs der Beschreibung zur Disposition. Nach seiner Berufung nach Wien gab Prof. 
Reuss die Stücke wieder zurück und es verblieb ihre Verarbeitung bis zur gegenwärtigen Zeit. Später erwarb ich 
noch mehrere Exemplare an demselben Fundorte, von denen ich die besten abbilde. Die meisten Exemplare sind 
sehr mürbe Steinkerne, an denen man wenig Detail wahrnehmen kann und wieder waren es die Abgüsse in die 
Negative, welche die Grundlage für die restaurirte Figur Nro. 57. und die nachfolgende Beschreibung boten. Ausser 
den abgebildeten Exemplaren benutzte ich noch eine Reihe anderer, die ich meinem Bruder Wenzel verdanke, und 
werde ich in naclifolgendem die Nummern der Belegstücke eitleren. 



*) Zeitschrift der deutschen geol. Gesellschaft. Band 31. Seite ö91. Taf. XVI. Fig. 2. 
**) Palaeontographica 1862. pag. 25. Taf. V. Fig. 8—10. 



38 



Familie Astacomoviiha. 



Fast alle Exemplare liegen auf der Seite und haben das Abdomen unterschlagen, blos eines liegt gestreckt 
nur mit unterschlagener Schwanzflosse vor. (Fig. 5.) Das grösste Exemplar (Fig. 2.) wird in gestrecktem Zustande 
etwa 24 cm gemessen haben, davon kommen auf den Cephalothorax 5 cm, auf das Abdomen 9'5 cm. Die rechte 
Scheere misst 7 cm, der ganze rechte Fuss 11 cm. Die linke Scheere 4'5 cm, der ganze linke Fuss 7 cm. 




Fig. 57. Paraclytia nephropica. Fr. 

Restaiirirt nach den besten Exemplaren aus dem turonen Pläner vom Weissen Berge bei Prag. (Nat. Grösse.] 



(Gezeichnet von F. LangLans. I'hototypie von Angerer & Goetschel, Wien.) 



Die zur Beschreibung und Zusammenstellung der restauriiten Figur benutzten Stücke sind folgende: 

Nro. 97. Ein kleines Exemplar in Seitenlage mit sehr wohl erhaltenem Cephalothorax und Abdomen, mit 3 Fuss- 

paaren. Positiv, Negativ und Gypsabguss. Taf. 4. Fig. 1. 
„ 98. Ein gi'osses Exemplar in Seitenlage. Weist die grössten Dimensionen und das wohlerhaltene erste und 

zweite Schwanzsegment auf. (Taf. 4. Fig. 2.) Positiv, Negativ und Gypsabguss. 
„ 99. Cephalothorax von oben gesehen, mit Rostrum. (Taf. 4. Fig. 3.) 
„ 100. Scheerenfragment, an dem die schuppige Verzierung wohl wahrzunehmen ist. 
„ 101. Ein fast ganzes Exemplar von oben her gesehen mit gutem Cephalothorax, an dem die Bedornung der 

Wangen zu sehen ist. (Taf. 5. Nro. 5. und G.) 
„ 102. Ein ganzes Exemplar in Seitenlage mit gut erhaltenem zweiten und dritten Fusspaar und mit einem Kaufusse. 
„ 103. Ein ganzes Exemplar mit gutem zweiten Fusspaar. 

„ 103&. Gypsabguss eines fast ganzen Exemplars in Seitenlage mit gutem Cephalothorax und Abdomen. 
„ 104. Defectes ganzes Exemplar mit drittem, viertem und fünftem Fusspaar. 
„ 105. Cephalothorax und gut erhaltener rechter Vorderfuss. 
„ 1056. Gespaltener Cephalothorax (Exuvie) mit Rostrum. 
„ 105c. Cephalothorax mit langem Rostrum. 

Alle stammen vom Weissen Berge bei Prag. — Ausserdem sind noch Reste von circa 30 Exemplaren bekannt. 

Der Cephalothorax hat ein sehr ornamentales Aussehen. Er ist durch eine tiefe Nackenfurche in zwei 
fast gleiche Theile getheilt. Vor der Nackenfurche zieht sich noch eine seichtere an den Wangen nach vorne herab, 
die eine kleine Abzweigung nach hinten macht und sich vor dem Schalenrande gabelt. 



Familie Astacomorpha. 



39 



Das Rost r um ähnelt dem der Enoploclytia; es hat etwa '/j der Länge des Cephalothorax und ist etwas 
nach oben und dann nach unten gel)Ogen. Seiner Mitte enthang verläuft eine gekörnte Leiste, die Räuder tragen je 
4 nach oben und aussen gerichtete Zacken, die auf der ganzen Länge des Rostrum gleichmässig vertheilt sind. Der 
Raum vor der Xackenfurclie zeigt in der Mittellinie des Rückens eine Reihe von 4 länglichen Tuberkeln, die von 
zwei gebogenen Zackenreihen, welche in elliptischer Form verlaufen, umschlossen wird. Jede diese Reihe zu 5 Zacken 
stellt gleichsam die Fortsetzung der Rostrumzackeu dar. Dieser Zackenreihe parallel steht auf jeder Wange noch 
eine undeutliche schwächere und dann eine Reihe (Fig. 5.) von 3 oder 4 starken nach vorne gerichteten Zacken. 
Der Raum hinter der Nackenfurche trägt am Rücken eine Doppelreihe spitzer Höcker; dann schief über die Seiten 
von vorn und innen nach hinten und aussen eine vorspringende Leiste und hat am unteren Schalenrand einen 
gekörnten Saum. Auch der Rand hinter der Nackenfurche erscheint verdickt. 

Die Fläche des ganzen Cephalothorax erscheint ausser den beschriebenen Zacken glatt, nur die untere ■\Van<'e 
sowie der hintere Theil des Raumes oberhalb der schiefen Leiste zeigen etwas Körnung. Der Hiuterrand des Cephalo- 
thorax ist verdickt und zur Aufnahme des Abdomen in der Mitte ausgeschweift. 

Das Abdomen ist fast doppelt so lang als der Cephalothorax, sehr kräftig und breit. Es liegt nirgends 
wohlerhalten von oben her vor, demnach die Beschreibung sich auf die Seitenansicht beschränken muss. 

Das erste Segment ist kurz und trägt an der wenig entwickelten Epimere zwei grosse runde Höcker. 

Das zweite Segment ist das kräftigste von allen. Der Mitteltheil zeigt gekrümmte Furchen, welche sehr an 
jene bei Nephrops erinnern. Die Epimere ist durch eine Längsleiste vom Mittelstück getrennt, ist stark nach vorne 
und hinten ausgedehnt, am Aussenrand fast gerade. Der Rand ist verdickt und auf der glatten Fläche stehen 
zwei runde Höcker. Die Epimeren der übrigen Segmente sind nach aussen in eine 
Spitze ausgezogen und tragen auch je zwei runde Höcker. 

Das sechste Segment hat die Epimere kleiner und ist zur Aufnahme der 
Schwanzplatten almorm gel>iklet. 

Die Schwanzflosse ist gross, das Telson zeigt in der Mitte zwei Längswülste 
und zu jeder Seite noch eine gekörnte Wulst, die sich alle nach hinten verschmälern. 
Vergl. restaurirte Textfigur Nro. ."18. (Darin stimmt Paraclytia mehr mit Enoploclytia 
als mit Nephrops überein.) 

Die innere Seitenplatte ist so lang als das Telson, trägt der Mitte entlang 
eine Wulst und am Hinterrande einige Spitzen. 

Die äussere Seitenplatte ist grösser als die innere, und zwar um den beweg- 
lichen Lappen, der wie bei Enoploclytia und Nephrops das Enddrittel der Platte bildet. 

Von den Antennen sind nur undeutliche Spuren an dem mit dem Rücken 
nach oben liegenden Exemplar (Taf. 4. Fig. 5.), die darauf hindeuten, dass diesellien 
so schmächtig waren, wie bei Nephrops. Da das Exemplar in einem sehr quarzigen 
Knollen liegt, mislangen alle Präparationsversuche. 

Das erste F u s s p a a r ist von sehr ungleicher Grösse. In der Regel ist die rechte Extremität viel grösser 
und schlanker gebaut als die linke. Die r)imensionen ersieht man an dem Taf. 4. Fig. 2. dargestellten Exemplar, 
besser aber an einem später aufgefundenen Exemplar (Nro. 105.), das zur Darstellung an der restaurirten Figur 
lienutzt wurde. Die ganze Scheere ist 7 bis 8 cm lang, wovon auf die Hand V,, auf die Finger */, kamen. Die 
beiden Finger haben eine leistenfönnig verdickte Firste und tragen an den Seiten jeder eine vorspringende Längs- 
leiste, an den nach innen gewendeten Rändern tragen sie etwa 50 kleine, abwechselnd stärkere und schwächere 
Zähnchenreihen. Der Körper des Propodits ist mit schuppenförmigen Höckern besetzt, wovon zwei breite die 
Seiteuflächen, zwei andere jederseits die Ränder einnehmen und sich auch auf die Rückenseiten der Finger fort- 
setzen. Auch die Felder zwischen den Hauptreihen tragen noch Reihen rundlicher Höcker. 

Das Carpopodit ist wenig länger als breit und ähnlich verziert wie die Scheere. 

Das Meropodit ist 2'/2nial so lang als breit und trägt auch die Reihen von Schuppenhöckern wie die 
Scheere. Die übrigen Glieder sind unvollständig bekannt. 

Die linke Extremität des ersten Fusspaares ist in der Regel kürzer, die Scheere breiter und die Zähne an 
den Fingern gröber und unregelmässiger. 

Das zweite und dritte Fusspaar (Orig. Nro. 102.) ist lang und dünn und endet mit einer kleinen 
Scheere, an der bei der Seitenlage der obere Finger der bewegliche ist; das vierte und fünfte Fusspaar ist noch 
schwächer und etwas kürzer und endet mit einfacher Klaue. 




Figur 58. Paraclytia nephropica. 

Ifpstanrirtes Telson der Schwanz- 
flosse, -imal vergrössert. 



40 



Familie Astacomorpha. 



Vom dritten Kaufuss ist an dem Exemplar Nro. 102. auch einer erhalten und wird dieses später aufgefundene 
Exemplar noch jüngeren Forschern Gelegenheit zu Detailstudien geben, in die ich mich jetzt nicht einlassen kann. 

Gattung Stenocheles, Fr. 

Die Scheeren lang, schlank, mit spitzen langen hechtförmigen Zähnen bewaffnet; die 
Spitzen der Scheeren gegen einander umgebogen. 

Ich stelle vorläufig die folgenden zwei Arten mit den schlanken spitz bezahnten Fingern aus dem Grunde in 
eine neue Gattung, weil von denselben der Cephalothorax unbekannt ist, nach dem allein man entscheiden könnte, 
ob diese Arten zur Gattung Hoploparia oder einer anderen gehören. 



Steiioflieles parviilus, Fr. 

Taf. 3. Fig. 3. 

Von diesem zarten Decapoden erhielt ich zuerst ein Scheerenpaar nebst einem undeutlich erhaltenen Cephalo- 
thorax aus dem Wehlowitzer Pläner vom Weissen Berge bei Prag. 

Beide Scheeren sind ziemlich gleich gross, und wurden alle klaffend vorgefunden. Die Zähnchen an den 
Fingern sind undeutlich erhalten, dürften aber so ausgesehen haben, wie bei dem weiter unten beschriebenen voll- 
kommen gleichen Exemplar von Priesen. 

Ein zweites Exemplar erhielt das IMuseum von Dr. Curda aus Postelberg, welcher dasselbe in den Baculiten- 
thonen bei Priesen (Laun) vorfand. An demselben ist nur die eine Scheere derjenigen vom Weissen Berge an Grösse 
gleich, die andere nur halb so gross. 

Die Finger der grösseren Scheere sind auch klaffend, haben die Spitzen hakenfönnig umgebogen und die 
Finger tragen jeder etwa 15—20 feine spitze gerade Zahn eben. 

Die kleinere Scheere hat die Finger gerade, an den Spitzen nicht gut erhalten; die Zähnchen sehr zart, 
nach vorne gerichtet. Ein Scheerenglied fand sich ausserdem in den Vorräthen, welche das Museum aus Priesen besass. 

Fragmente dieser Scheeren fand ich dann wiederholt in den weissen klingenden Inoceramenplänern, welche 
ül)er den Teplitzer Schichten liegen, und zwar bei Teplitz in dem zum Schlossberg führenden Hohlwege. Herr Stud. 
Bukovsky fand sie auf der Anhöhe bei Repin. 



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Figur 59. Stenocheles esocinus, Fr. 

Vom Wolfsberg bei Podebrad. Nat. Grosse Nro. d. Orig. 96. 



Stenocheles esocinus, Fr. 

Taf. 4. Fig. 7. Textfigur Nro. 59. 

Vor etwa 20 Jahren fand ich in den höchsten Lagen 
der weissen klingenden Inoceramen - Pläner der Priesener 
Schichten am Wolfsberg bei Podelnvad ein Abdomen und 
eine Scheere eines ziemlich gi-ossen Decapoden. Indem das, 
was zur Bestimmung der Gattung am nöthigsten ist, näm- 
lich der Cephalothorax fehlte, so konnte ich damals auch 
eine genaue Bestimmung nicht vornehmen. Da die Scheere 
in der Form der Finger und in der Schärfe deren Zähne 
dem Stenocheles parvulus sehr ähnlich sieht, so entschloss 
ich mich jetzt diesen Rest vorderhand der Gattung Steno- 
cheles einzureihen. 

Die Hand der Scheere ist oval , ziemlich glatt, 
ohne grosse Dornen aber mit einer schuppigen Rauhigkeit 
und einzelnen kleinen Tuberkeln bedeckt. Die schlanken 
Finget- sind etwa doppelt so lang als die Hand, haben die 
Spitzen zu einem langen, nach innen gerichteten Haken 
umgebogen. Die Finger sind den grössten Theil der Länge 
3 mm breit und verdünnen sich dann nach vorne, um in 
einem fast rechten Winkel umgebogen 10 mm langen Haken 



Familie Thalassinida 



41 



auszulaufen. Die Rückeufirste beider Finger trügt eine verdickte Leiste. Jeder Finger trägt etwa 7 mm lange, schlanke, 
sehr spitzige Zähne, zmschen welchen noch hie und da kleinere eingereiht sind. Diese Form der Zähne deutet 
darauf hin . dass die Scheere zum Erfassen von weichen Tliiereu, vielleicht Quallen oder Cephalopoden bestimmt war. 
(Würde man einen solchen Finger isolirt finden, dann könnte man denselben für einen Fischkiefer halten oder einem 
bezahnten Vogelkiefer vergleichen.) 

Das Postabdomen ist sehr gross, breit, mit grosser Schwanzflosse. Die einzelnen Segmente sind fast ganz flach, 
glatt und zeigen eine feine Punktirung. Ihre Form und Verzierung ist an dem zweiten Segmente des Positivabdnickes 
wohl erhalten und an der Textfigur 59. nach Möglichkeit genau dargestellt. Der Mitteltheil des Segmentes ist ohne 
gröbere Sculptur, trägt ganz deutliche runde Poren, welche gegen die Seitenwülste, durch welche sie von den Epimeren 
getrennt sind, unregelmässiger und grösser werden. Der Vordertheil des Segmentes, der sich unter das vorangehende 
Segment unterschiebt, ist ganz glatt und trägt nach aussen hin eine querovale Gelenkfläche. 

Die Epimeren sind schwächer entwickelt als bei Hoploparia und zeigen eine abgerundet viereckige Form 
mit verdickten Rändern und tragen als Verzierung eine kurze Längsreihe von Tuberkeln, die fast parallel zum 
Aussenrande der Epimere verläuft. 

Die Schwanzflosse ist sehr breit ; das Telson nicht gut erhalten, aber man erkennt doch, dass es mit ziemlich 
kleinen in Längsreihen gestellten Tuberkeln geziert war. Die innere Seitenplatte ist ganz mangelhaft erhalten, man 
erkennt blos ihre breite abgerundete Gestalt. 

Die äussere Seitenplatte ist dadurch interessant, dass der abgegliederte Endtheil blos ' 'j der Plattenlänge 
beträgt; der Mitte entlang, etwas nach aussen, zieht sich eine gebogene Längsleist'e. 



Familie Thalassinidae, M. Edw. 



Schale dünn, der Körper zuweilen mit Ausnahme der Scheerenfüsse weichhäutig. Cephalothorax sehr kurz, 
Rostrum kaum entwickelt, dreieckig zugespitzt. Abdomen stark verlängert, vom schmal. Epimeren fehlend oder 
rudimentär. Schuppe der äusseren Antennen obsolet. Die zwei vorderen (und das hinterste?) Fusspaar des Thorax 
mit Scheeren. Die Scheereu des sehr kräftigen vordersten Fusspaares sind fast immer sehr ungleich. Die Schwimm- 
füsse des Abdomen tragen zuweilen Kiemen. (Zittel.) 

(Die Form der Endglieder an dem dritten und fünften Fusspaare ist meist eine derartige, dass man dieselbe 
schwer zu deuten vermag, ob es eine falsche oder wahre Scheere ist.) 



Gattung Callianassa, Leach. 

Körper mit Ausnahme der Scheeren weichhäutig, Cephalotliorax klein zusammengedrückt, Abdomen sehr lang und 
schmal, erstes Segment dünn und kurz. Schwanzflosse gross. Die Scheeren des ersten Beinpaares sind ungleich gross, seitlich 
stark abgeplattet, die scharfen Räuder mit feinen Borstengrübchen besetzt. Der bewegliclie Finger ist in den Scheerenballen 
eingelenkt und auf beiden Seiten an der Basis von einem kragenförmigen Vorsprung 
umgeben, Carpopodit geradlinig mit dem Propodit verbunden, fast von gleicher Gestalt 
und Breite wie dieser, jedoch kürzer, hinten etwas verschmälert und abgerundet; die 
übrigen Glieder des Scheerenfusses beträchtlich schmäler und kleiner. 

Die Callianassen der böhm. Kreideformation behandelte ich ausführlich in 
einer weiter unten citirten Arbeit und will mich hier nur auf kürzere Bemerkungen 
über dieselben beschränken, insofern sie meine früheren Angalien ergänzen oder 
berichtigen. Zur Orientirung gab ich einige Copien aus der älteren Abhandlung 
in den Text. 

Callianassa Turtiae, Fr. 

Ueber die CaUianasseu der böhmischen Kreidetbrmation. Abhandlungen der kOnigl. bähm. Gesell- 
schaft der Wissenschaften Band XV. 1867. Textfigur Nro. 60. 

Diese Art ist durch die langen schmalen Scheeren und durch abweichende 
Furchung an dem Abdominalsegmente charakterisirt. Sie wurde in den auf silur- 
schen Schiefern direkt aufliegenden Exogirenbänken in Holubic bei Kralup, sowie in 
den Rudistenkalken von Korytzan in Gesellschaft mit Crania gracilis Goldf. gefunden. 





Figur 60. Callianassa Turtiae, Fr. 

a Erstes Fusspaar. b Drei Seg- 
mente des Abdomen. 
Aus den cenomaneu Korytzaner 

Schichten von Holubic. 
Nat. Grösse. Nro. d. Orig. IIS. 



42 



Familie ThaJassinidae. 



Calliaiiassa bohemica, Fr. 

Callianassa Faujassi Desm. L. c. Taf. I. Fig. 6 — 9. Reuss : Verst. I. pag. 14. 

Textfigur Nro. 61. 

Diese aus den turonen Weissenberger und Malnitzer Schichten der Gegend von Laun stammende Art ist 
durch die langen schlanken Finger an beiden Scheerenpaaren charakterisirt. 

Der von mir früher abgebildete Thorax sammt Fühlern (die Call. Taf. I. Fig. 7.) ist nach einem sehr mangelhaft 
erhaltenen Exemplar gemacht und die Deutung der etwas zu stark restaurirten Theile ganz fraglich. 

Das vorhandene Material gestattet nicht eine detailirte Yergleichung mit der nachfolgenden Art durchzu- 
führen, da es meist nur Steinkerne von Scheeren sind. Es haben diese Reste hauptsächlich nur das Interesse, 
dass sie das Vorkommen der Gattung Callianassa in den tieferen Turonschichten nachweisen, von wo sie schon von 
Reuss als C. Faujassi aus dem Plänersandstein von Leitmeritz (?l und Hrädek angeführt wurden. 





Figur 61. Callianassa bohemica, Fr. 

Aus den Laiiner Ivnollen der Mal- 
nitzer Schichten. Kostlca's Stetn- 

bruch in Laun. 
Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 120. 



Figur 62. Callianassa antiqua, Otto. 

Aus den Iserschichteu von Buhm. Trübau. 

Nat. Ornssp. Nro. d. ürig. 1-22. 



Figur 63. Callianassa antiqua, Otto. 

a Rechte Scheere aus den IserscUchten von 

Dolanka bei Turnau. 

Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 123. 

h Scheere aus den Chlonielter Schichten von 

Kieslingswalda. 

Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 125. 



Callianassa antiqua, Otto. 

Geinitz: Quadersandsteiugeb. Taf. IL Fig. 25. — Call. Faujassi bei Reuss IL Th. Taf. V. Fig. 52. — Call, antiqua Otto. Reuss IL pag. 103. 
Call, antiqua, Otto. Fr. Call. pag. 7. Taf. IL Fig. 1—6. — Iscrschichten pag. 127. Fig. 112. 

Textflgur Nro. 62—65. 

Diese Art ist durch die kurzen, dicken Finger an der grösseren Scheere, sowie durch die gekörnte Ver- 
zierung auf der Aussenfläche des Meropodits ausgezeichnet. Die kleinere Scheere hat schlankere spitzere Finger. 

Reuss führte diese Art zuerst als C. Faujassi „aus dem Bunzlauer Kreis" an und gab auf Taf. V. Fig. 52. 
die Abbildung einer grösseren Scheere, wo vor dem Propodit der grösseren Scheere die kleinere Scheere quer über 
liegt. Die sägeartige Bezahnung der Ränder ist wohl nur dem Zeichner zuzuschreiben. 

Im Supplement pag. 103. führt Reuss diese Art schon als die „Call, antiqua Otto an, und zwar aus dem 
unteren Quader" (Iserschichteu jetzt) von Triebitz und Schirmdorf unweit Landskron, sowie aus dem „unteren Quader" 
(jetzt Chlomeker Schichten) von Kreibitz. 

Die Call, antiqua Otto trat in unserer Kreideformation zweimal in der typischen Form auf; zuerst in den 
Iserschichteu, wo sie in der 5. Etage der Trigonienschichten *) und dann in den viel jüngeren Chlomeker Schichten, 
wo sie in Kieslingwalda in Gesellschaft von Cardium Ottonis auftritt. 



*) Vergl. Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation Iserschichteu 1883 pag. 30. Fig. 17. 



Familie Thalassinidae. 



43 



In den Iserschichten ist sie in der Gegend von Chorousek sehr selten, und Herr Jos. Prazäk fand sie blos 
einzeln in den Steinbrüchen bei Kmsko und Stranov. Häufiger erscheinen sie im Iserthale bei Bakov, von wo 
auch das früher von mir abgebildete Abdomen herrührt. (Callianassen Taf. H. Fig. 1.) In Dolanka bei Turnau 
(Iserschichten pag. 46.) treten sie in einer der höchsten Lagen der Trigonienschichten auf. Einzeln traf ich sie 
bei Chotzen, massenhaft aber in denselben Schichten bei Leitomyschl und Böhm. Trübau. Unweit des letztgenannten 
Ortes an einem Fahrwege gegen Abtsdorf hin, gelang es mir vor Jahren mehrere Exemplare mit erhaltenem 
Abdomen aufzufinden, von denen ich in Fig. 62. eines abbilde. Vom Cephalothorax zeigte kein einziges Exemplar 
eine Spur. Die an Call, antiqua reichen Trigonienkalke der Iserschichten ziehen sich dann weit nach Mähren liin. 

Aus den Chlomeker Schichten von Kieslingswalda bildet Geinitz im Quaderbuche schon ein theilweise restau- 
rirtes fast ganzes Exemplar ab. (Taf. II. Fig. 2.) Unser Museum erhielt zuerst zwei fast ganze Exemplare vom 
genannten Fundorte durch den berühmten Astronomen Brorsen aus Senftenberg. Später sammelte ich und mein Assistent 
Herr Kafka in Kieslingswalda ein reiches Material, welches ich zur Restaurirung der Textfigur Nro. 65. benutzte. 

Die dazu benützten Originale sind folgende: 

Nro. 125. Scheere mit Schale benutzt zur Textfigur Nro. 63. b. 

„ 126. Gutes eingerolltes Abdomen mit wolilerhaltenen Epimeren. 

„ 127. Die 2 Exemplare von Brorsen, an denen das 1., 3., 4te Fusspaar constatirt 
wurde. (Positiv, Negativ u. Gypscopie.) 

„ 128. Eingerolltes Abdomen mit sehr gutem ersten und zweiten Segment. 

„ 129. Fast ganzes Exemplar (ohne Cephalothorax) mit beiden Scheeren und gutem 
Abdomen. 

„ 130. Eingerolltes in Schwefelkies erhaltenes Exemplar mit gut erhaltener Schwanz- 
flosse und Meropodit mit Schale. 

„ 131. Ganzes Exemplar (ohne Cephalothorax) mit guter Aussenplatte der Schwanz- 
flosse. 

„ 132. Eingerolltes Abdomen mit guter Schwanzflosse. 

„ 133. Eingerolltes Exemplar mit 2., 3. und 4. Fusspaar. 

„ 1336. Eingerolltes Exemplar mit guter Schwanzflosse. 

Es ist mir nicht gelungen zwischen den Exemplaren aus den Iserschichten 
und denen aus den Chlomeker Schichten von Kieslingswalda einen nahmhaften Unter- 
schied zu constatiren. 

Die Scheerenfüsse sind hinlänglifli bekannt und die Form der übrigen Fuss- 
paare auf der restaurirten Figur deutlich zu sehen. Die Form der Endglieder des 

dritten und fünften Paares ist ziemlich unsicher, da von diesen weichen verschieden verbreiteten Formen sich im 
Gesteine nichts erhalten hat. Vom Cephalothorax konnte ich nirgend eine Spur entdecken, trotz dem ich einige 
Exemplare der Nachforschung nach demselben opferte. Das von Geinitz von Kieslingswalda als Cephalothorax abge- 
bildete Stück wurde seiner Angabe nach (Erklärung zur Taf. II. Elbthalgeb. IL pag. 290. Taf. 64. Fig. 6.) isolirt 
gefunden und seine Zugehörigkeit zu Callianassa ist nicht nachgewiesen. Es erinnert bedeutend an das Krabben- 
Schild, das ich von Kieslingswalda weiter unten als Palaeocorystes Callianassarum beschreibe. Die Vergleichung 
mit der lebenden Art bestätigt meine Zweifel über die Zugehörigkeit dieses Stückes zu Callianassa, da an demselben 
die Regionen des Krabben-Schildes genugsam augedeutet sind, von welchen bei Callianassa keine Spur ist, während 
die Nackenfurche fehlt. 

Um jeden Zweifel über meine Auflassung zu beheben, werde ich weiter unten eine doppelt vergrösserte 
Zeichnung geben, welche besser als die Figur auf Taf. 10. Fig. 9. die Sculptur des Krabben-Schildes darstellt. 

Die Form des Abdomens gelang es mir ziemlich präcise zusammenzustellen und ich gebe dessen Seiten- 
und Rückenansicht in Textfigur Nro. 64. Die Oberfläche aller Segmente ist glänzend glatt. 

Das erste Segment ist kurz und schmal. 

Das zweite Segment ist das längste von allen, trägt parallel zum geraden Aussenrande eine vorsprin- 
gende Leiste, so dass es zur Bildung einer schmalen Epimere kommt. 

Das dritte und fünfte Segment haben gleiche Form; sie sind glatt und ihre Seitentheile werden 
durch eine von hinten einschneidende Furche in Form von rundlichen nach aussen in eine stumpfe Spitze ausge- 
zogenen Lappen abgetrennt. 




Figur 64. Callianassa antiqua. Otto. 
Abdomen von oben nach Exem- 
plaren von Kieslingswalda restau- 
riit in nat. Grösse. 



44 



Familie Thalassinidae. 



Das sechste Segment ist sehr schön gebaut und namentlich an Nro. 132. vorzüglich erhalten. Zu beiden 
Seiten des glatten Mitteltheiles liegen zwei polsterartige Seitenlappen, die über ^/j der Länge des Segmentes reichen. 
Im letzten Drittel dieser Polster stehen zwei Querreihen von Tuberkeln, die an diejenigen auf den Epimeren der 
Glyphaea erinnern und Borstenreihen zur Stütze gedient haben. Unter den Seitenpolstern liegen Vorsprünge, welche 
die Gelenkfläche zur Einfügung der äusseren Schwanzplatten tragen. 




Figur 65. Callianassa antiqua, Otto. 
Restaurirt nach P^xemplareu von Ivieslingswalda. Nat. (Irösse. 

Die Schwanzflosse ist sehr kräftig, breit; das Telson ist um '/j kürzer als die Seitenplatten; es ist nach 
hinten verschmälert und al)gerundet. Es trägt eine schwache mittlere und zwei starke gebogene seitliche Leisten. 
Die innere Seitenplatte zeigt einen verdickten Aussenrand und eine über die ganze Länge etwas gebogen sich 
hinziehende Leiste. Die äussere Seitenplatte trägt ausser dem verdickten Aussenrand nocli zwei vorspringende Leisten. 



Callianassa brevis, Fr. 

L. f. S. 10. Taf. II. Fig. 9. 
Tafel 9. Figur 1. bis 7. 

Diese Art ist durch die kurzen breiten Scheereu und die hakenförmig gekrümmten Finger au der grösseren 
Scheere charakterisirt. Schon Reuss erwähnt einzelner Callianassen-Scheeren in dem Plänermergel (der Prieseuer 
Schichten) von Luschitz und Priesen, ohne dieselben weiter zu beschreiben oder abzuliilden. Ich fand in diesen 
Schichten, die im östlichen Böhmen als klingende weisse Inoceramen-Pläner auftreten, autiälleud kurze, breite Scheeren, 
die ich 1. c. unter dem Namen C. brevis beschrieb. Seitdem erhielt ich noch mehrere Exemplare, welche die 
Selbständigkeit der Art bestätigen. Dieselbe ist als eine dem Aufenthalte in weichem Sehlamme angepasste Callia- 
nassa aufzufassen, bei der nur die Spitzen der Finger verkalkten, das übrige alles weich blieb. Die Gesammtlänge 
dieser kleinen Art wird in gestrecktem Zustande in der Regel etwa 50 mm betragen haben. Einzelne Scheeren 
deuten auf grössere Dimensionen hin. 

Der Cephalothorax ist in seinen Umrissen an einem Exemplare von Vysokä angedeutet und trägt am Vorder- 
rande die beiden vorderen Antennen. (Taf. ii. Fig. 2.) 

Die Scheeren des ersten Fusspaares sind ungleich, die Finger der grösseren Scheere meist hakenförmig, 
die der kleineren gerade und verhältnissmässig länger. Es sind lilos die Finger verkalkt und der vorderste Theil 
des Scheerenkörpers, das übrige der Extremität war weich und ist blos als chitinöse Meml)ran angedeutet. Fast 
überall sieht man das Sehnenband, an dem sich die Muskeln zur Bewegung des Fingers ansetzteJi, erhalten. 

An Fig. 4. und 7. sieht man Reihen von Poren, am Aussenrand des beweglichen Fingers und am ganzen 
entgegengesetzten Rande der Scheere; auch am Innenrand des unbeweglichen Fingers steht eine Reihe von Poren. 

Das Abdomen ist sehr mangelhaft erhalten, war glatt und von ähnlichen Dimensionsverhältnissen wie bei 
C. antiqua. 



JFhmilie Dromiacea. 



45 





Calliauassa elougata, Fr. 

Call. pag. 11. Taf. II. Fig. 7. 
Textfigur Nro. 66. 

Ich fand in den Priesener Schichten am Fusse des Berges Hoblfk 
bei Laun einige Exemplare dieser auffallend langen und schmalen Art, 
die sich nur gleichsam als Sepiazeiclmung auf dem grauen Letten er- 
halten haben. Die Hand ist sammt den Fingern 22 mm lang, 7 mm breit 
und es hat sowohl der Daumen, als auch der Zeigefinger auf dem Inuen- 
rande je einen Zahn. Es ist zweifelhaft, ob diese Scheeren der Gattung 
Callianassa angehören; eher ist es wahrscheinlich, dass wir es hier mit 
einer Hoploparia zu thun haben, welche der H. falcifer Taf. 5. Fig. 5. 
nahe steht. 

Calliauassa gracilis, Fr. 

Call. pag. 11. Taf. II. Fig. 8. 
Textfigur Nro. 67. 

Diese kleine nette Art findet man als Seltenheit in den Bakulitenschichten in Priesen. Dieselbe ist von der 
C. brevis besonders dadurch ausgezeichnet, dass die Zähnelung der Ränder aus scharfen mit der Spitze nach vorne 
gerichteten Sägezähneu besteht, während sie bei der früher beschriebenen viereckig und nach aussen gerichtet wai'en. 
Die Länge des Haudgliedes beträgt 10 mm, die Breite 4 mm. 



Figur 66. Callianassa? 
elongata. Fr. 

Vom HobUkberge bei 
Laun. Nat. Grösse. 
Nro. d. Orig. 140a. 



Figur 67. Callianassa 
gracilis. Fr. 

Aus dpn Priesener 
Schichten von Priesen 
bei Laun. Nat. Grösse. 

Nro. d. Orig. 140b. 



Unter-Ordnung: Bracliyura, Latr. 

Familie Dromiacea, d. Haan. 

Cephalothorax rundlich, drei- oder viereckig. Fünftes Beinpaar kleiner als die übrigen, auf die Oberseite 
gerückt, zuweilen mit einer verkümmerten Scheere. Kiemen zahlreich. (Zittel.) 

Gattung Polycnemidium, Reuss. 

Diese Gattung ist durch die Yielhöckrigkeit ihres Schildes ausgezeichnet, wurde von Keuss zwar ausführlich 
beschrieben aber nicht kurz diagnosticirt. 



Polycneiuidium pustiilosiim, Reuss. 

Zur Kenntniss fossiler Krabben pag. 6. T. 3. F. 1. — Dromilites pustulosus Reuss: Kreid. 

Verst. B. pag. 1."). T. 9. F. 29. 

Textfigur Nro. 68. 

Dieses kleine Krabbenschild, welches Reuss in seinem grossen Werke über 
Krabben ausführlich beschreibt, mirde früher der Gattung Dromilites, später 
al)er einer neuen Gattung eingereiht. Es ist mir nicht bekannt, wohin das Original 
gerathen ist. 

Ein ähnliches Krabbenschild, welches Reuss in seinen Versteinerungen der 
I)öhm. Kreideformation Taf. 7. Fig. 26. abbildet und damals auch als Dromilites 
anfühi'te, gehört seiner neueren Ansicht nach, einer ganz verschiedenen Gattung 
an, die sich aber wegen der mangelhaften Erhaltung der Ränder nicht genau 
charakterisiren lässt. Zu welcher der beiden Arten die Scheerenfragmente gehören, 
welche Reuss Taf. XL Fig. 23. abbildet, lässt sich kaum entscheiden. 




Figur 68. Polycnemidium pustu- 

lOSUm, Reuss. 
Aus den Priesener Schichten von 

Hochpetsch bei Bilin. 
.3mal vergr. Copie nach Reuss. 



46 Familie Oxystomata. 



Familie Oxystomata, M. Ediv. 



Cephalothorax rundlich, vorn bogenförmig. Mundralimeu dreieckig, vorne zugespitzt, oft bis zur Stirngegend ver- 
längert. Epistoma fast rudimentär. Antennenregion winzig. Der Zuleitungskanal der Kiemenhöble meist vor dem Mund. 
Männliche Geschlechtsöffnung am Hüftglied des fünften Paares. Kiemen wenig zahlreich. (Zittel.) 

Gattung Palaeocorystes, Bell. 

Schale länger als breit, wenig gewölbt, hinten allmählig verschmälert, Vorderrand gezähnt, Rostrum kurz. 
Augenhöhleu breit oval, oben mit zwei feinen Spalten. Nackenfurche kräftig; Herzregion wohl umgrenzt. Abdomen 
mit sieben Gliedern in beiden Geschlechtern. Die fünf vorderen kurz, das sechste vierseitig, das siebente lialb- 
eiföiinig. Mundrahmen schmal, zugespitzt. Die zwei Aeste des letzten Kieferfusses schmal; Scheeren gleich gross, 
die hinteren Fusspaare beträchtlich schwächer. 

Palaeocorystes isericus, Fr. 
Taf. 10. Fig. 5., 6. 

Die Grundlage dieser Beschreibung bilden zwei Steinkerne des Cephalothorax, welche beide aus den höchsten 
an Callianassa reichen Lagen der Iserschichten herriihren. 

Das erste Stück erhielt ich von Herrn Stecker, der es in einem Steinbruche Ijei Jungbunzlau gefunden hat, 
das andere fand ich in der Sammlung des Herrn Apothekers Erxleben in Landskron und rührt dasselbe dem Gesteine 
nach zu urtheilen, aus der Nähe von Böhm. Trübau her. 

Die Verschiedenheit im Aussehen der beiden Stücke rührt wahrscheinlich von dem verschiedenen Erhaltungs- 
zustande her und davon, dass bei dem einen der VordeiTand, beim anderen wieder der Hinterrand besser erhalten ist. 

Der Cephalothorax ist fast so lang als breit, vorne ziemlich grad, in seiner hinteren Hälfte nach hinten 
nur wenig verengt. Der Stimrand hat V» d^r Breite des Schildes und trägt in der Mitte eine vorspringende Längs- 
leiste. Oberhalb dem Augeneinschnitt steht ein grosser Dorn. Der seitliche Vordeixand scheint vier oder fünf Spitzen 
getragen zu haben. 

Die Regionen sind schwach angedeutet und eher an dem reinen Steinkerne Fig. 6. wahrzunehmen, als an 
dem mit etwas Schalenschichte bedeckten Fig. 5«. Am ersteren sieht man einen Tuberkel an jedem Gastrallobus 
und einen oberhalb der Herzgegend. Die Kiemenregion trägt ein gestreiftes Band längs des Innenrandes. An dem 
anderen Exemplare tritt die Begrenzung der Gastralregion deutlicher hervor. 

Soweit es der mangelhafte Erhaltungszustand erlaubt, ist an unseren Exemplaren eine ziemliche Aehnlichkeit 
mit den aus England bekannten Arten wahrzunehmen. Die Gestalt unserer Art ist aber etwas kürzer ; die Tulierkeln 
auf der Gastral- und Cordialregion stinunen mit ähulicheu bei Pal. Stockesi aus dem Grünsand von Cambridge. 

Palaeocorystes Calliaiiassariiin, Fr. 

Taf. 10. Fig. 9. Textfigur Nro. 69. 

Ein einziges Exemplar besitzen wir aus den Chlomeker Schichten von Kieslingswalda und dies wurde vom 
Herrn Assistenten Kafka daselbst gefunden. Es stellt blos ein schalenloses Thoraxschild von eiförmiger massig 
gewölbter Form dar, dessen vorderer Aussenrand mit drei Spitzen versehen ist, die von vorne nach hinten an Grösse 
abnehmen. Die Länge beträgt 30 mm, die grösste Breite 17 mm. 

An dem Steinkerne sind nur schwache Spuren der Schale vorhanden und je mehr diese durch Waschen beseitigt 
wurde, desto deutlicher traten die Verzierungen und die Form der einzelnen Regionen hervor. Der Stirnrand ist 
abgebrochen, die Cardialregion viereckig, etwas hinter der Mitte gestellt, in der Mitte mit einem Tuberkel bezeichnet. 
Die Regionen treten nicht durch Wölbungen hervor, aber ihre Grenzen sind durch granulirte Linien angedeutet. 
Von grösseren Tuberkeln stehen zwei vor der Gastralregion, vier der Quere nach auf derselben, dann vier im Quadrat 
und dahinter ein centraler. Der Aussenrand des verengten Schildtheiles trägt eine leistenförmige Verdickung. 



Familie Oxyslomata. 



47 



In der Gesammtform stimmt diese Art mit der Gcattung Palaeocorystes überein, während die granulirte 
Begrenzung der Regionen an Eucorystes Carteri Bell, erinnert. Vollständigere Exemplare werden erst über die 
systematische Stellung Sicherheit bringen. 






Figur 68. Palaecorystes Callianassarum, Fr. 

a von oben, b von der Seite, c vou vorne. Vergr. Smal. Nro. d. Orig. 
Aus den Chlomeker Schichten von Kieslingswalda. 



143. 



Eine ganz ähnliche Versteinerung bildet Geinitz im Quaderbuche als wahrscheinlichen Cephalothorax von 
Callianassa ab und es wird nöthig sein, das betreffende Stück von neuem zu revldiren, ob es nicht dem eben 
lieschriebenen Palaeocorystes angehört. Indem an demselben die bei Callianassa stark entwickelte Nackenfurche 



fehlt, so ist deren Zugehörigkeit zu dieser Gattung zweifelhaft. 



Gattung Necrocarcinus, Bell 

Cephalothorax rundlich, mit dreieckigem Kostrum und deutlich umgrenzten Regionen, auf der Oberfläche mit grossen 
Höckern verziert, vorderer Theii der Seitenräuder etwas vorgezogen. Augenhöhlen gerundet, oben offen und mit zwei feinen 
Sclilitzen. Muudrahmen ebenso breit als lang mit coneaven Seitenr<ändern. 

Necrocaroiniis avicnlaris, Fr. 

Taf. 10. Fig. 2. «— /. Fig. 10., 11. u. 12. 

Von Zbyslav und Kamajk besitzen wir eine Reihe von Scheeren, die theils auf den ausgewitterten Halden 
gefunden, theils aus dem festen weissen Kalk, der die Gneissklüfte stellenweise ausfüllt, herausgeschlagen wurden. 

Ihrer Form nach stimmen sie mit denen, die als zur Gattung Necrocarcinus gehörig von Bell und Schlüter 
angeführt werden. Von den bisher bekannten Arten unterscheiden sie sich durch mehr rundliche Form und durch 
feinere Granulirung. Vom Cephalothorax wurde blos ein Fragment (Taf. 10. Fig. 13.) neben einer Scheere gefunden 
und dies wiü-de durch die grossen, schütter stehenden Tuberkeln an den N. Woodwardi erinnern. 



Necrocarcinus perlatus, Fr. 

Taf. 10. Fig. 14. 

In dem Baeulitenmergel der Priesener Schichten von Cernodol bei Laun fand ich in einem tiefen Wasser- 
risse, der nach einem Wolkenbruche sich bildete, eine Scheere, die durch sehr kurze Finger ausgezeichnet ist. 
Die Tuberkeln verhältnissmässig gross, kugelrund und liegen wie Schrotkörner auf der Oberfläche der Scheere. 



48 



Familie Oxijrrhiiicha. — Familie Oydomelnpa. 



Familie Oxyrrhincha, J/. Edw. 

Cephalothorax dreieckig, vorne zugespitzt, mit verlängertem riisselartigem, zuweilen gabeligen Stirnschnabel. 
Regionen deutlicli entwickelt. Leberregion klein. Mundrahmen viereckig, nach vorn verbreitet. Männliche Geschlechts- 
öfifnung am Hüftgliede des fünften Beiupaares. 

Gattung Lissopsis, Fr. 

Der Cephalothorax in der vorderen Hälfte dreieckig, nach hinten hin allmählig ver- 
engt. Der Stirnlappen breit, abgerundet, am äusseren Augenhöhlenrand eine starke Spitze. 
Körpergegenden stark in Form von abgerundeten Höckern vorspringend. 

Lissopsis transieus, Fr. 

Taf. 10. Fig. 7. «, i'- 

Der kleine 8 mm lange und eben so breite Cephalothorax wurde in deu au Callianassen reichen Kalken der 
Iserschichten bei Böhm. Trübau aufgefunden. In seiner Gestalt bildet er einen Uebergang von den Dreieck-Krabben 
zu den Bogenkrabben und zeigt in Bezug auf den breiten Stirulappeu und die grossen höckerigen KörpeiTegionen 
grosse Aehnlichkeit mit der im Mittelmeer vorkommenden Gattung Lissa. Die Ränder des Stiralappens tragen eine 
Reihe von niedrigen Tuberkeln. Von der Stirne bis zur Herzregion zieht sich eine vorspringende Leiste. Der Lobus 
protogastricus tritt als glatte paarige Wölbung hervor, der centrale Gastraltheil ist ebenfalls glatt, dagegen trägt die 
Cardialregion etwa 8 grosse Höcker, die dreilappige Branchialregion ist hinten mit zwei kurzen Längsreihen kleiner 
Höcker geziert. 

Familie Cycloiiictopa, Jl Edw. 

Cephalothorax breit nach hinten verschmälert, vorn bogenförmig ohne vorspringendes Rostrum. Lebergegend 
sehr stark entwickelt, mindestens die Hälfte der Seitentheile einnehmend. Mundrahmen fast viereckig, sehr breit, 
von der Stirn entfernt und durch die breiten Maxillarfüsse bedeckt. Epistoma kurz, breiter als lang. Abdomen des 
Männchen den ganzen Raum zwischen den Basalgliedem des hintersten Fusspaares einnehmend. Die männliche 
Genitalöffnung im Hüftgliede der Hinterbeine. (Z.) 

Gattung EtyUS, 2Iant. 

Cephalothorax klein, quer elliptisch, doppelt so breit als laug, mit horizontaler Nackenfurche. Gastralregion schmal, 
deutlich umgrenzt. Augenhöhlen oblong, genähert, oben mit 3 Höckern besetzt. Füsse laug, dünn. (Zittel.) 




Figur 70. Etyus Buchi, Majit. 
Aus eleu Priesenei- Schichten ¥on 
Hochpetsch, nach Reuss. Vergr. 2mal. 



Etyus Buchi, Mant. 

Podoophthalmus Buchi, Reuss: Kreideverst. I. pag. 15. T. 5. F. 50. — Reussia Buchi, Reuss 

sp. : Zur Keuutniss fossiler Krabben pag. 9. T. 2. F. 4. — Etyus Buchi Mant. bei Zittel : 

Handbuch der Palaeontologie pag. 710. 

Textfigur Nro. 70. 

Diese von Reuss ausführlich beschriebene Art aus dem Plänermergel 
(der Priesener Schichten) von Hochpetsch, wurde in neuester Zeit als zur Gattung 
Etyus angehörig erkannt. Ich gebe (Fig. 70.) eine Copie der neueren Reussi- 
schen Darstellung, um die einheimischen Sammler auf diese interessante Krabbe 
aufmerksam zu macheu. 



Familie Cyclometopa. 



49 



Lupeites granxilatus. Fr. 

Taf. 10. Fig. 8. Textfigur Nro. 71. 

Unter diesem provisorischen Namen führe ich hier einen sehr inter- 
essanten Krabbenrest an, welcher von meinem Assistenten Herrn Pocta in den 
Teplitzer Schichten bei Eohatec, nördlich von Raudnitz, aufgefunden wurde. 
Derselbe erinnert in mehrfacher Beziehung an die Gattung Lupea. Erstens 
durch die Fomi der Zacken am Vorderrande, dann durch die feine Granulation 
der Schale und endlich durch eine eigenthümliche Furchengruppe, wie dieselbe 
ähnlich liei Lupea an den Seitenfurchen der Gastralregion vorkömmt. Die Orien- 
tation ül)er die eigentliche Lage dieser Querfurchenreihe ist bei der UnvoU- 
ständigkeit des Restes unmöglich. 




Figur 7(. Fragment der Schale von 
Lupeites granulatus. 

6mal vergriJssert. Zeigt die Furchen- 
reihe und die Granulation der Schale. 



(Cancer?) modestiis. Fr. 

Taf. 10. Fig. 12. 

In demselben Gesteine, in welchem bei Kamajk die Scheeren von Necrocarcinus vorkommen, fanden sich 
auch zwei Krabben-Schilder, die aber unmöglich dieser Gattung angehören können. Dieselben sind quer oval, fast 
doppelt so breit als lang und sind gleichmässig mit runden, ziemlich egalen Tuberkeln besetzt. Von den Rändern 
ist blos ein Theil des rechten Vorderrandes erhalten, der eine geschlossene Reihe von gleich gi'ossen Tuberkeln 
trägt, wie es ähnlich bei der Gattung Calappa verkömmt. Die Oberfläche ist gleichmässig gewölbt und nur in der 
Magenregion gewahrt man zwei undeutliche Furchen, die einen stumpfen mit der Spitze nach hinten gerichteten 
Winkel bilden. Dieselben scheinen einer Bogenkrabbe angeliört zu haben. 

(Cancer?) solitarius. 

Taf. 10. Fig. 1. a—d. 

Mehrere kräftige kurze Finger einer Krabben-Scheere besitzen wir aus dem cenomanen Kalkstein von 
Korytzan. Dieselben deuten auf eine grosse dicke, kurze Scheere hin, sind länglich dreieckig mit ebenfalls drei- 
eckigem Querschnitt an der Basis. Sie haben die Länge von 15 mm und sind doppelt so lang als an der Basis 
breit. Am lunenrande tragen sie einen kleinen und zwei gi-osse länglich ovale stark vorspringende Höcker. 

(Cancer?) reversus, Fr. 

Taf. 10. Fig. 3. 

Unter diesem provisorischen Namen führe ich ein Scheerenfragment an, an welchem der unbewegliche Finger 
stark nach aussen umgebogen ist, wie wir es zum Beispiel liei der Gattung Calappa oder Ranina finden. Die Schale 
ist sehr fein punktirt. Der Rest stammt aus den kalkigen an Trigonia reichen Lagen der Iserschichten von Öejtic 
(Bahnhof Jungbunzlau). 



Zum Schlüsse erwähne ich noch eines länglichen Scheerengliedes, dessen Schale vollkommen glatt ist, aus 
den Korytzaner Schichten von Zbyslav (Taf. 10. Fig. 4. a—c.) und das ich vorderhand Astacus laevissimus 
benenne. 



50 



Tabellarische Uebersicht der Crustaceen der böhm. Kreideformation 

nach ihrer Vertheilung in den einzelnen Schichten. 



Familie 











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Orustacea. 

A. Entomostraca. 

Ordnung Cirripedia. 

Unterordnung Thoracica. 

Familie Lepadidae. 3^,13 

1. Loricula pulchella, Sow. Var. minor 2 

Var. gigas 3 

2. Scalpellum quadratum, Darw 5 

3. Scalpellum quadricarinatum, Reuss 5 

4. Scalpellum Kamajkense, Kafka 5 

5. Scalpellum tbssula, Darw 5 

6. Scalpellum maximum, Sow. sp 6 

7. Scalpellum angustum, Dix. sp 6 

8. Scalpellum tuberculatum, Darw 6 

9. Scalpellum crassum, Kafka 7 

10. Scalpellum nitens, Kafka 7 

11. Pollicipes glaber, Roem 8 

12. Pollicipes Bronnii, Roem 9 

13. Pollicipes costatus, Kafka 9 

14. Pollicipes striatus, Darw 9 

15. Pollicipes fallax, Darw 10 

16. Pollicipes cuspidatus, Kafka 11 

17. Pollicipes Kosticensis, Kafka 11 

18. Pollicipes elongatus, Steenstrup 11 

19. Pollicipes conicus, Reuss 11 

20. Pollicipes unguis, Sow. (zweifelhaft) 12 

Familie Balanidae. 

21. Balanula (?) cretacea, Kafka 12 

Ordnung Ostracoda. 

Familie Cypridae. 

22. Bairdia subdeltoidea, v. Münst 13 

23. Bairdia modesta, Reuss 13 

24. Bairdia arcuata, var. faba Reuss 13 

25. Bairdia depressa, Kafka 14 



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CD OD 

PhOJ 



003 



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Tabellarische Uebersicht der Oruslaceen der böhm, Kreidefomation. 



51 



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28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 



39. 
40. 
41. 
42. 



F a m i 1 i e 



Familie Cytheridae. g^,^^ 

Cythere concentrica, Reuss 14 

Cythere Karsteni, Reuss 14 

Cytliere semiplicata, Reuss 15 

Cythere ornatissima, Reuss 15 

Cythere Geinitzi, Reuss 15 

Cythere reticulata, Kafka 15 

Cythere gracilis, Kaflia 16 

Cythere cuneata, Kafka 16 

Cythere nodifera, Kaflia 16 

Cythere seiTulata, Bosquet 16 

Cythere elongata, Geinitz 17 

Cytheridea perforata, Roem. sp 17 

Cytherideis laevigata Roem. sp 17 

Familie Cytherellidae. 

Cytherella ovata, Roem. sp 18 

Cytherella Muensteri, Reuss 18 

Cytherella asperula, Reuss 19 

Cytherella, sp. Kafka 19 



pm 






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-^ DO 



B. Malacostraca. 

Ordnung Decapoda. 

Unterordnung Macrura. 

Familie Palinuridae. 

43. Podocrates Dulmensis, Becks 20 

44. Palinurus Woodwardi, Fr 22 

Familie Glypheidae. 

45. Glyphaea bohemica, Fr 23 

Familie Astacomorpha. 

46. Enoploclytia Leachi, Mant • • 27 

47. (Astacus) cenomanensis, Fr 32 

48. Schlüteria tetracheles, Fr 33 

49. Nymphaeops V lunatus, Fr 35 

50. Hoploparia biserialis, Fr 35 

51. Hoploparia falcifer, sp 37 

52. Paraclytia nephropica, Fr 37 

53. Stenocheles parvulus, Fr 40 

54. Stenocheles esocinus, Fr 40 






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52 



Tabellarische TJehersicht der Orustaceen der böhvi. Kreideformafion. 



Familie 



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FMOJ 



S ö 



j:3 
I o 

•'-' ho 



'3 's 
3-3 



CO 



3-9 

Hco 



P-IC» 






Familie Thalassinidae. 

Seite 

55. Callianassa Turtiae, Fr 41 

56. Callianassa bohemica, Fr 42 

57. Callianassa antiqua, Otto 42 

58. Callianassa brevis. Fr 44 

59. Callianassa elongata Fr 45 

60. Callianassa gracilis, Fr 45 

Unterordnung Brachyura. 

Familie Dromiaceae. 

61. Polycnemidium pustulosum, Keuss 45 

Familie Oxystomata. 

62. Palaeocorystes isericus, Fr 46 

63. Palaeocorystes Callianassarum, Fr 46 

64. Necrocarcinus avicularis, Fr 47 

65. Necrocarcinus perlatus, Fr 47 

Familie Oxyrhyncha. 

66. Lissopsis transiens, Fr 48 

Familie Cyclometopa. 

67. Etyus Biichi, Zittel 48 

68. Lupeites granulatus, Fr 49 

69. (Cancer) modestus, Fr 49 

70. (Cancer) solitarius, Fr 49 

71. (Cancer) reversus, Fr 49 

72. Astacus laevissimus 49 



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Ueberblicken wir die uns bekannt gewordenen Crustaceen aus der böhmischen Kreideformation, so müssen 
wir einsehen, dass das nur ein sehr kleiner Theil von denen sein dürfte, welche damals gelebt haben müssen. Es 
scheint, dass sich blos das erhalten hat, was am Strande als Exuvie vom Wellenschlag in den Schlamm oder Sand 
eingegraben oder als Fragment herumgerollt wurde. 

Namentlich ist es auffallend, dass sich die zarten Palaemouiden, die wohl kaum in den Gewässern 
gefehlt haben, da sie schon im weissen Jura häufig sind und in der jüngsten Kreide in Westphalen auch wieder 
vorkommen, bei uns selbst in den feinen Priesener Schichten nicht erhalten haben. 

Gross ist verhältnissmässig die Zahl der Cirripeden, was dadurch erklärlich ist, dass ihre festen Schalen, 
auch von Arten, welche weit vom Ufer in gi-osser Tiefe lebten, sich am Strande angesammelt haben. 

Von Ostracoden sind nur einige weit verbreitet und häufig, die meisten erscheinen nur in den so- 
genannten Koschtizer Platten unter Massen von Foraminiferen, Brachiopoden und Haifischzähnen, einer Bildung, 
welche unter ganz besonders günstigen Verhältnissen sich an einem flachen, nicht sehr tiefen Strande gebildet 
haben muss. Hier fanden die Ostracoden reichliche Nahrung an den' vom Meere ausgeworfenen Thieren. 



53 



Von den Macruren Deeapoden finden wir Repräsentanten von Familien, die noch fast alle heut zu 
Tage im Mittelmeer leben. 

So vertritt die Enoploelytia den Hummer, die Paraclytia den Nephrops, Langusten lebten in 
sehr ähnlichen Formen wie heut zu Tage, Callianassen beherbergten den Ufersand. 

Schwieriger ist es Vertreter der Gattungen Glyphaea, Hoploparia, Nymphaeops und Steno- 
cheles zu linden, aber unter den Crustaceen aus grossen Tiefen und fernen Meeren dürften noch Vertreter dieser 
Kreide-Crustaceen aufzufinden sein. So ist zum Beispiel die Aehnlichkeit sehr gross zwischen der scharf bezalmten 
Scheere von Stenocheles esocinus imd derjenigen des Astacus (?) zaleucus W. Schm., welchen die Chalen- 
gerexpedition in der Nähe der St. Thomas (Antillen)-Inseln aus einer Tiefe von 2.000 Metern gefischt hat und 
dessen genaue Vergleichung mit den Crustaceen der Kreideformation gewiss grosses Interesse bieten wird. Da ich 
zufällig im Besitze des Clichös aus dem Chalengerwerke bin, so gebe ich das Bild als Schlussvignette. 




Astacus (?) zaleucus, ir. Schm. 

Aus 2.000 Meter Tiefe bei St. Thomas (Antillen)-Inseln von der Chalenger- 

expedition gefischt. 

Zum Vergleich der Scheere mit dem auf Seite 40 abgebildeten 

Stenocheles esocinus, Fr. 



Uebersicht der Publicationen 

aus 

dem Gebiete der Palaeontologie der böhm. Kreideformation 

die auf Grundlage 

des vom Comite füp [afidesdupctiforsctiiiiiQ eioqesafninelten laleriales veröffentlicdt 



1. Fritsch A. Uiber die Callianassen der bühm. Kreideformation. (Abhandlungen der königl. böhm. Gesellschalt 

der Wissenschaften. VI. Folge, I. Bd. 1867.) [Vergriften.] 

2. Fritsch A. Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten in der böhm. Kreideformation. I. Perutzer 

und Korytzaner Schichten. (Im Ai'chiv für naturwiss. Landesdurchforschung von Böhmen. Band I. Abthlg. II. 
1869. Preis 4 fl. 50 kr.) 

3. Fritsch A. und Schlöubach U. Die Cephalopoden der böhm. Kreideformation. 1872. (Preis 15 fl.) 

4. Noväk 0. Beitrag zur Kenntniss der Bryozoen der böhm. Kreideformation. (Aus den Denkschriften der kais. 

Akademie der Wissenschaften Wien. XXXVII. Band. 1877.) Preis 3 fl. 

5. Fritsch A. Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten in der böhm. Kreideformation. II. Weissen- 

berger und Malnitzer Schichten. (Archiv für naturwiss. Landesdurchforschung von Böhmen. Band IV. Nro. 1. 
1878. Preis 3 fl.) 

6. Fritsch A. Die Reptilien und Fische der böhm. Kreideformatiou. 1878. Preis 15 fl. 

7. Fritsch A. Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen u. Kreideformation Böhmens. (In Mojsisowics u. Neumayer. 

Beiträge zur Palaeontologie Oesterreichs-Ungarns. 1882.) 

8. Fritsch A. Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten in der böhm. Kreideformation. III. Iser- 

schichten. (Archiv für naturwiss. Landesdurchforschung von Böhmen. Band V. Nro. 2. 1883. Preis 3 fl.) 

9. Veleuovsky J. Die Flora der böhm. Kreideformatiou. IV Theile. (In Mojsisowics und Neumayer. Beiträge zur 

Palaeontologie Oesterreichs-Ungarns. Band IL, III., IV. und V. 1882 — 85.) 

10. Po<^ta Ph. Beiträge zur Kenntnis der Spongien der böhm. Kreideformation. III Abtheilungen. Abhandlungen 

der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. VI. Folge. Band 12. u. VII. Folge Band 1. 1883—85. 
Preis 2 fl. 72 kr.) 

11. Velenovsky J. Die Gymnospei-men der böhm. Kreideformation. 1885. (Preis 16 fl.) 

12. Veleuovsky J. Neue Beiträge zur Kenntnis der Pflanzen des böhm. Cenomans. (In den Sitzungsberichten 

der königl. bölmi. Akademie der Wissenschaften. 1886.) 

13. Poßta PIi. Die Anthozoen der böhm. Kreideformation. (Abhandluugen der königl. böhm. Gesellschaft derWiss. 

VII. Folge, Band 2. Preis 1 fl.) 

14. Noväk 0. Beiträge zur Kenntnis der Echiniden der böhm. lü-eideformation. I. Die regulären Echiniden des 

böhm. Cenomans. (Abhandlungen der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. VII. Folge, Band 2. 

In Vorbereitung: 

Fritsch A. Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. Kreideformation. IV. Teplitzer 

Schichten. 
Veleuovsky J. Die Farne der böhm. Kreideformation. 
Pocta Ph. Die Rudisten der böhm. Kreideformation. 

Zu haben bei 

FR. RIVNÄC, 

Buchhandlung in Prag, Graben, Museunisgebäude. 



Taf. 1. 



LorJCUla pulchella, G. B. Sowerby. (Text pag. 1.) 

Fig. 1. Var. gigas. Zwei Exemplare mit Bepanzerung der rechten Seite. Aus der Wohnkammer eines riesigen 

Ammonites peramplus Teplitzer Schichten, Koschtitz. (Nat. Grösse. Nro. d. Oiig. 7.) 
Fig. 1. h^. Stielschilder aus der 4ten Eeihe des Fig. 1. abgebildeten Exemplars. {Veryr. 6mal.) 

1. h. Mittlere Stielreihe, 1. e. Car. Randreihe, 

1. c. Carinale Stielreihe, 1./. Scut. Randreihe. 

1 . d. Scutale Stielreihe, 
Fig. 2. Var. minor. Ein ganzes Exemplar; aufgewachsen auf einem Am. peramplus.. Aus dem Wehlowitzer 

Fischpläner vom Weissen Berge bei Prag. (Coli. Zeidleri.) (Vergr. 3mai. Nro. d. Ong. 2.) 
Y\g. 2. a. Dasselbe von dem cariualen Rande aus gesehen. 

Fig. 2. h. Fragment des Stiels, das am Ammoniten etwas aus der Lage verschoben ist, aber zu Fig. 2. zugezeichnet wurde. 
Fig. 2. c. Restaurirte Contour-Figur von Fig. 2. mit Bezeichnung der Schilder. 

c. Carina, sc. Carinalrandreihe des Stieles, 

t. Terguni, ss. Scutalrandreihe des Stieles, 

sct. Scutum, d. Carinale Stielreihe, 

sct'. Linkes Scutum, ml. Mittlere Stielreihe, 

l. Cariuohiterale, sl. Scutale Stielreihe. 

l'. Oberes Laterale, 
Fig. 3. Ein kleines Exemplar linker Seite, aus einem Ammoniten vom Weissen Berge bei Prag. (Geschenk des 

Herrn Element Cermäk.) {Vergr. Smal. Nro. d. Orig. 3.) 

Fig. 4. Fragment einer Loricula, Bepanzerung der linken Seite, mit unterschlagenem Hintertheile. Auf einem 
grossen Ammoniten der Weissenberger Schichten von Stfedokluk. (Vergr. 2mai. Nro. d. Orig 6.) 

Fig. 4. 6. Gruppe der Schilder des Capitulum. {Vergr. 6mai.) 

c. Carina, l. Carinolaterale, 

t. Tergum, l'. Oberes Laterale. 

Fig. 5. Gruppe von Loriculabrut verschiedenen Alters. Als Negativ auf einem Ammonites Woolgari abgedruckt, 
nach einem galvanischen Abdruck gezeichnet. (Vergi-. I2mai. Nro. d. Orig. i.) 

Fig. (). Jüngstes Exemplar mit 5 Schildern in der Mittelreihe des Stiels. 

Fig. 7. Aelteres Exemplar mit (J Reihen. \ Nach Fig. 5. restaurirt. 

Fig. 8. Noch illteres Exemplar mit 7 Reihen und Anfängen beider Randreihen. 



D^A.Fntsch et Kafka. Crustaceend.b. Kreide. 



Taf 1 




.%itor aii.nal d«l Lanthans sc. 



Druck von A.Haa.sp, Pi-j 



Taf. 



Palinurus Woodwardi, Fr. (Text pag. 22.) 

(Vergleiche Taf. 5. Fig. 7.) 

Aus dem Wehlo witzer Pläner vom Weissen Berge bei Prag. 
Sämmtliche Figuren sind in natürlicher Grösse nach Gypsausgüssen in die Negativabdrücke gezeichnet. 

Fig. 1. Cephalothorax von oben. {Nro. d. Ong. 52.) 

Fig. 2. Fast ganzes Exemplar mit dem Rücken dem Gestein aufliegend. 

Unterhalb des ersten Fusspaares liegt ein Fragment der äusseren Fühler und ein Basaltheil der inneren. 

Am Cephalothorax sieht man die Höhlungen der Höcker von innen. Am Schwanztheile blos die Spangen 

und ein Rudiment der harten Basaltheile der Schwanzflosse. [Nro. d. Oruj. 5i.) 
Fig. 3. Fragmente zweier Segmente des Postabdomen von oben her gesehen. 



D'^A.Fnlsch et Kafka. Crustaceend.b. Kreide 



Taf 2 




Autor ad nai.del. Lanthans sr. 



Druck von A.Haase, Pra^. 



Taf. 3. 



Podocrates Dulmensis, (Becks) Schlüter. (Text pag. 20.) 

(Vergleiche Textfigur Nro. 44.) 

Aus den Iserscliicliten von Vinar bei Hohenmauth. 
Fig. 1. Cephalothorax mit den Basalgliedern der Antennen eines kleineren Exemplars. 

[Nat. Grosse. Nro. d. Orig. 50.) 

Fig. 2. Ceplialotliorax und Postabdomen eines grösseren Exemplars. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 49.) 



Stenocheles gracilis, Fr. (Text pag. 40.) 

Fig. 3. Zwei gleich grosse Scheeren des ersten Fusspaares mit Cephalothorax aus dem Pläner des Weissen Berges 

bei Prag. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 93.) 

Fig. 4. Zwei ungleich grosse Scheeren aus den Priesener Schichten von Priesen. {Nro. d. Orig. 94.) 



Hoploparia biserialis, Fr. (Text pag. 35.) 

(Vergleiche Taf. 5. Textfigur Nro. 56.) 

Aus den Launer Knollen der Malnitzer Schichten von Bechlin bei Raudnitz. 
Fig. 5. Scheere mit abgebrochenen Spitzen in natürlicher Grösse. {Nro. d. Orig. 87.) 



D'^A.Fritsch et Kafka. Crustaceendb Kreide 



Tal' 3. 



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Autor ad.nal del Langhans sc 



Druck von A.Haase, Pra^ 



Taf. 4. 



Paraclytia nephropica, Fr. dext pag. 37.) 

(Vergleiche Textfigur Nro. 57. und 58.) 

Aus dem Turonen PI an er (Weiss enberger Schichten) vom Weissen Berge bei Prag. 

Alle Figuren in natürlicher Grösse. 

Fig. 1. Ein ganzes halb ausgewachsenes Exemplar in Seitenlage mit dem Iten, 2ten und 3ten Fusspaar. (iVro. d. Orig. 97.) 

Fig. 2. Ein angewachsenes ganzes Exemplar in Seitenlage mit dem Iten, 4ten und 5ten Fusspaar. (Nm. d. Orig. »'?.) 

Fig. 3. Cephalothorax von oben gesehen mit abgebrochenen Seitenspitzen. (Nro. d. Orig. 99.) 

Fig. 4. Fragment einer Scheere, an der die schuppige Verzierung gut wahrnehmbar ist. {Nro. d. Orig. loo.) 

Fig. 5. Cephalothorax und Postabdomen von oben, vorne die linke Scheere. Mit wohlerhaltenen Spitzen am vor- 
deren Theile des Cephalothorax. (Nro. d. Orig. loi.) 

Fig. 6. Dasselbe Exemplar in Seitenlage. i 



Stenocheles esocinus, Fr. (Text. pag. 40.) 

Aus dem weissen luoceramenpläner der Priesener Schichten am Gipfel des Wolfsberges 

bei Podebrad. 

Fig. 7. Eine Scheere und ein Abdomen ganz nachgedrückt. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 96.) 



D^AJntsch et Kafka. Cmstaceend.b.Kreide. 



Tai' A 




Autor ad.nal.del, Langhans sc 



Druck von A.Haase, Pia^ 



Taf. 5. 



Hoploparia biserialis, Fr. (Text pag. 35.) 

Aus de/Ui Wehlowitzer PI an er der Weissenberger Schichten von Vinar bei Hohenmauth. 

Fig. 1. Ein fast ganzes Exemplar in Seitenlage. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. Sö.) 

Fig. 2. Ein Cephalothorax in Seitenlage. {Nat. Grosse. Nro. d. Orig. 86.) 

Fig. 2. h. Ein Stückchen vom unteren Rande desselben vergrössert. 

Fig. 2. c. Cephalothorax, ein Scheerenabdruck und ein Theil des Postabdomen. Aus dem Wehlowitzer Pläner des 

Weissen Berges bei Prag. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 91.) 



Hoploparia faicifer, Fr. (Text pag. 37.) 

Fig. 3. Fragment einer Scheere aus den Wehlowitzer Plänern von Vsetat. (Vergr. Smal. Nro. d. Orig. 88.) 

Fig. 3. h. Ein Stück des Negativabdruckes der Schale vergrössert. 

Fig. 4. Eine sehr mangelhaft erhaltene Scheere aus dem Wehlowitzer Pläner des Weissen Berges bei Prag. 

[Nro. d. Orig. 90.) 

Fig. 5. Eine Scheere aus den Dfinover Knollen der Weissenberger Schichten von DHnov bei Veltrus. 

{Nro. d. Orig. 89.) 

Nymphaeops ? lunatus, Fr. (Text pag. 35.) 

Fig. 6. Cephalothorax und Postabdomen von oben gesehen ohne Schale. Aus dem Wehlowitzer Pläner am Weissen 

Berge bei Prag. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 92b.) 



Palinurus Woodwardi, Fr, (Text pag. 22.) 

Fig. 7. Postabdomen von oben nach einem Gypsabgusse in das Negativ gezeichnet. Aus dem Wehlowitzer Pläner 
vom Weissen Berge bei Prag. Original in der geologischen Sammlung der deutschen Universität zu Prag. 



Fig. 8. 9. Zwei Glieder einer Extremität. 

Fig. 10. 11. Schmales Scheerenglied (dem Ansehen nach vielleicht einem Podocrates angehörend). 



D^AJritsch et Kafka. Crustaceend.b. Kreide. 



Trifö. 







V- ■* V 




Autor ad nat del Lan^ians sc 



Druck von A.Haase, Pra^ 



Taf. 6. 



Schlüteria tetracheles, Fr. (Text pag. 33.) 

(Vergleiche Taf. G., 7. und Textfigur Nro. 53., 54. und 55.) 
Fig. 1. Cephalotliorax und beide Sclieereu von oben. Aus dem Wehlowitzer Pläner des Weissen Berges bei Prag. 

(Nat. 0-rösse. Nro. d. Orig. 106.) 

Fig. 2. Scheere eines mittelgrossen Exemplars von demselben Fundorte. (Nat. Gmsse. Nro. d. OHg. lor.) 

Fig. 3. Finger eines sehr grossen Exemplars von demselben Fundorte. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. los.) 

Fig. 4. Scheere des 2ten Fusspaares. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. io9.) 

Fig. 5. Scheere eines ausgewachsenen Exemplars von aussen. Aus dem Wehlowitzer Planer von Wehlowitz bei 

Melnik. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 110.) 

Fig. 6. Dieselbe von innen. 

Fig. 7. Ein Theil des Postabdomen mit der Endilosse in Seitenlage. (Nat. Grösse. Nro. d. OHg. in.) 



C A. f ritsch et Kafka. Crustaceen db Kreide. 



Taf 6 





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Autor aii naldel Linghans sc. 



Druck vuu A.Hflasf , Pra^- 



Taf. 7'. 



Schlüteria tetracheles, Fr. (Text pag. 33.) 

(Vergleiche Taf. 6., 7. und Textfigur Nro. 53—55.) 

Fig. 1. Postabdomeu mit schlecht erhaltener Flosse (c) und einem Rudiment des Cephalothorax. Ausserdem ist 
ein Rest des ersten Fusspaares und ein ganzer Fuss des 2ten Paares vorhanden. Die Figur ist verkelirt 

zu betrachten. {Xat. Grösse. Nrn. d. Oiig. 112.) 

Fig. 2. Füsse und Postabdomen. Vom ersten Paare ein Fragment der Scheere und des breiten Meropodits. Dar- 
unter ein sehr gut erhaltener Fuss des 2ten Paares. (Vergleiche Taf. 9. Fig. 8.) Nach links die grossen 
flachen Meropodite des 3ten und 4ten Paares. Aus den Wehlowitzer Plänern der Weissenberger Schichten. 

{Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 113.) 

Fig. 3. Scheerenfragment und das gezackte Meropodit, dann die sehr langen und schlanken Füsse des 3teu und 
4ten Paares und ein verkümmerter Fuss des öten Paares. Darunter eine wohlerhaltene Schwanzflosse in 

Seitenlage. [Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 114.) 



D^'AJntsch et Kafka. Crustaceend.b.Kreide 



Taf 7 





Autor adnat del Lan^liaii;^ sc 



Druck von A.H.nase, F'raS 



Taf. 8, 



Clyphaea bohemica, Fr. (Text pag. 23.) 

(Vergl. Texttigur Nro. 45.) 
Aus dem Wehlo witzer PI an er der Weissenberger Schichten vom Weissen Berge bei Prag. 

Fig. 1. Ein fast ganzes Exemplar. (Nat. Grösse. Nro. a. Orig. 34.) 

Fig. 2. Cephalothorax. (Exuvie der Länge nach gespalten, die linke Hälfte nach vorne verschoben.) Vor demselben 

beide Füsse des ersten Paares. {Nat. Grösse. Nro. a. Orig. ss.) 
Fig. 3. Propodit und Dactylopodit der beiden Füsse des ersten Paares; dahinter der letzte Kaufuss? und ein 

Fragment des FtÜderS. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 56.) 

Fig. 4. Postabdomen mit schadhafter Flosse. Aus der Sammlung des geologischen Instituts der deutschen Univer- 
sität zu Prag. (Nat. Grösse.) 

Fig. 5. Ganzes Postabdomen mit wohlerhaltener Schwanzflosse von oben gesehen. {Vergr. 2mai. Nro. d. Or!g. 57.) 

Fig. 6. Erstes und zweites Fusspaar, dahinter der Vordertheil des Cephalothorax mit den Basalgliedern der Fühler. 

(Nat. Grösse. Nro. d. Orig. .58.) 

Fig. 7. Ein wohl erhaltener Cephalothorax nebst verschiedenen Fussfragmenten und Resten des Postabdomen. (Nat. Grösse.) 

Aus der Sammlung des geolog. Instituts der deutschen Universität zu Prag. 
Fig. 8. Cephalothorax und Meropodite der ersten 2 Fusspaare. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. en.) 



D'^A.Fritsch et Kafka. Crustaceend.b. Kreide. 



Taf '6 




Autor ad nai del Lanthans sc. 



L>nick von A.Haase, I'ra^ 



Taf. 9. 



Callianassa brevis, Fr. (Text pag. 44.) 

Fig. 1. Ein ganzes Exemplar aus den weissen Inoceramenplänern der Priesener Schichten von Vysokä bei Melulk. 

(iVai. Grösse. Nro. d. Oiig. 134.) 

Fig. 2. Antennen desselben Exemplars. (Vergr. 6mai.) 

Fig. 3. Ein fast ganzes Exemplar vomWoLfsberg bei Podebrad. {Vergr 4mai. N'ro. d. Oiig. 135.) 

Fig. 4. Beide Scheeren des ersten Fusspaares eines ganzen aber zertrümmerten Exemplars. Aus den weissen 

Inoceramenplänern der Priesener Schichten von Vysokä bei Melnik. (Vergr. Smal. Nro. d. OHg. 140.) 
Fig. 5. Beide Scheeren des ersten Fusspaares aus denselben Schichten vom Wolfsberg. {Vergr. Smal. Nro. d. Orig. i3n.) 
Fig. 6. Beide sehr verkümmerte Scheeren des ersten Fusspaares aus denselben Schichten von Vysokä. 

{Vergr. 6mal. Nro. d. Orig. 137.) 

Fig. 7. Scheere des ersten Fusspaares aus denselben Schichten von Cinoves bei Königsstadtl. 

{Vergr. Smal. Nro. d. Orig. 136.) 

Schlüteria tetracheles, Fr. (Text pag. 33.) 

Fig. 8. Scheere des 2ten Paares nebst Carpopodit des Taf. 7. Fig. 2. abgebildeten Exemplars. 

{Vergr. 6mal. Nro. d. Orig. 113.) 

Enoplociythia Leachi. (Text pag. 27.) 

Fig. 9. Basaltheil der Fühler und Mundgegeud mit dem Iten Paar der Kiefer. 

{Vergr. 2mal. Nro. d. Orig. 71.) 

(Astacus) cenomanensis. (Text pag. 32.) 

Fig. 10., 11. Eine Scheerenspitze (Dactylopodit ?) von oben und unten aus den Kalken der cenomanen Korytzaner 

Kalke von Korytzan. {Vergr. 6mai.) 
Fig. 12. Eine Scheerenspitze ebendaher. {Vergr. 3mai. Nro. d. Orig. S3.) 
Fig. 13. Eine Scheere eines macruren Krebses ebendaher. {Vergr. 6mai. Nro. d. Orig. 84.) 



D'^A.Fritsch et Kafka. Crustaceend.b. Kreide 



Taf 9 




Autor ad nai del Lanthans sc 



Druck von A.Haase. Pra^. 



Taf. lO. 

Carcinus ? solitarius, Fr. (Text pag 49.) 

Aus den cenomanen Kcalken der Korytzaner Schichten von Korytzan. 
Fig. 1. Ein Dactylopodit a. von der Seite, h. von innen, c. von der anderen Seite, d. von aussen, e. von oben. 

{Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 151.) 

Necrocarcinus avicularis, Fr. (Text pag. 47.) 

Aus den cenomanen Korytzaner Schichten von Kamajl^ und Zbyslav bei Caslau. 
Fig. 2. a. von innen, h. von aussen, c. von oben, d. von vorne, /. von aussen 2nial vergrössert. (.v^. d. Ong. 144.) 

Cancer reversus, Fr. 

Fig. 3. Scheerenglied ohne den beweglichen Finger. {Nro. d. Orig. 1.53.) 

(AstaCUS laeviSSimuS) von Zbyslav. 

Fig. 4. Scheerenglied ohne Finger. (Nro. d. Orig. 104.) 

Palaeocorystes isericus, Fr. (Text pag. 46.) 

Fig. b. a. Steinkern des Cephalothorax aus den Iserschicliten von Jungbunzlau. Geschenk des Dr. Stecker. 

(Vergr. 3mal. Nro. d. Orig. 141.) 

Fig. 5. h. Derselbe von der Seite. 

Fig. 6. Steinkern eines Cephalothorax, an dem die Stirngegend besser erhalten ist; aber der Hinten'and lädirt ist. 
Aus den Iserschichten von Böhm Trübau. Geschenk des Apothekers Herrn Erxleben in Landskron. 

(Vergr. 2'/.^mal. Nro. d. Orig. 142.) 

Lissopsis transiens, Fr. (Text pag. 48.) 

Aus den Iserschichten von Böhm. Trübau. 
Fig. 7. «. Cephalothorax von oben, h. Derselbe von der Seite. (Vergr. 6mai. Nro. d. Orig. iso.) 

Lupeites granulatus, Fr. (Text pag. 49.) 

Aus den T e p 1 i t z e r Schichten von B o h a t e c b e i R a u d n i t z. 
Fig. 8. Fragment des Cephalothorax. {Nat. Grösse. Nro. des Orig. i52.) 

Palaeocorystes Callianassarum, Fr. (Text pag. 46.) 

Aus den Chlomeker Schichten von Kieslingswalde. 
Fig. 9. a. Steinkern des Cephalothorax von oben. b. Derselbe von der Seite. {Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 143.) 

Necrocarcinus avicularis, Fr. (Text pag. 47.) 

Aus den Korytzaner Schichten von Kamajk bei Caslau. 

Fig. 10. Scheerenglied. 

Fig. 11. Linker Fuss des ersten Paares mit Carpopodit und Fropodit von oben. (Nat. Grösse. Nro. des Orig. HS., i46.) 

Fig. 12. Cephalothorax, wahrscheinlich dieser Art angehörig. (Nat. Grösse. Nro. d. Orig. 147.) 

Fig. 13. Fragment eines Ki'abben Cephalothorax, daneben eine Scheere v. Necr. avicularius. (Nat. Grösse.Nro. d. Orig. 14S.) 

Necrocarcinus perlatus, Fr. (Text pag. 47.) 

Aus den Priesener Schichten von Cernodol bei Laun. 

Fig. 14. Eine Scheere von oben. (Vergr. 3mal. Nro. d. Orig. 149.) 



D'^AJritsch et Kafka. Cmstaceen d.b.Kreide 



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Autor ad.nal.del Lan^liaiis sc 



Druck von A.Haase, PraS 






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